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Delitzsch Delitzscher Instagram-Star hat schwere Krankheit
Region Delitzsch Delitzscher Instagram-Star hat schwere Krankheit
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15:22 07.11.2018
Noch im Sommer 2017 strahlte Jana Sobotta als Poledancerin aus der Zeitung. Quelle: Fotos: Wolfgang Sens/privat
Delitzsch

32 Jahre alt ist Jana Sobotta. Wieder einmal hat sie Plan B in ihrem Leben aktiviert. Vergangenes Jahr noch verdingte sich die Blondine und Mama von zwei Teenagern als Polefitness- und Stretching-Trainerin, brachte anderen Frauen den fordernden Sport an der Tanzstange nahe und bei, lebte ihre Leidenschaft vom akrobatischen Tanz aus, trotzte an der Stange der Schwerkraft und beherrschte ihren Körper. In ihrer Freizeit liebte sie es, zu klettern und dann auch noch von Klippen zu springen. Doch damit ist es vorbei.

Der Gürtel unterstützt und trainiert ihre Wirbelsäule – sogar während sie einen Instagram-Post erstellt. Quelle: Wolfgang Sens

Ein ganz normaler Morgen im Januar. Die gelernte Bürokauffrau wacht auf, will aufstehen und sich fertigmachen für die Arbeit. Da durchfährt sie ein Schmerz als hätte ihr jemand eine Axt ins Kreuz geschlagen. Schnell ist Jana Sobotta klar, dass das kein Kinderspiel sein kann. Die ausgebildete Fitness-Trainerin hat einen durchtrainierten Körper, den sie bestens kennt, sie ist fit und eigentlich mit starken Bauch- und Rückenmuskeln gegen Rückenprobleme gewappnet. Eigentlich. Die verordnete Physiotherapie geht über Monate und verschafft kaum oder nur leichte und kurzzeitige Linderung. Es wird einfach nicht besser. Es folgt im Frühjahr nach ersten Eingriffen schließlich die Diagnose einer Wirbelsäulenarthrose und eines Bandscheibenvorfalls an der Lendenwirbelsäule, Jana Sobotta hat starke Einblutungen im Rücken. „Der Zerfall ist schon weit fortgeschritten“, berichtet die Delitzscherin.

Drei Eingriffe

Drei Eingriffe allein dieses Jahr hat sie inzwischen hinter sich. Schon ihr Hausarzt verhängt einen sofortigen Sport-Stopp noch vor den Operationen, zwei Spezialisten bekräftigen es dann noch. Klettern, Klippenspringen, Akrobatik, Poledance mit teils waghalsigen Verrenkungen … Ja, vieles davon hat bei der Arthrose vermutlich noch aufs Gas gedrückt, ohne wäre Jana Sobotta vielleicht etwas länger zumindest dem Augenschein nach „gesund“ geblieben, erwischt aber hätte sie die Wirbelsäulendegeneration so oder so – Schicksal eben. Wie jedes Gelenk zeigt auch das Wirbelgelenk im Laufe des Lebens degenerative, also altersbedingte Veränderungen. Dieser natürliche Gelenkverschleiß nimmt bei Belastungen, wie sie die 32-Jährige gestemmt hat, zu. Dennoch: „Ich bereue keine Sekunde und nichts von dem, was ich getan habe“, sagt Jana Sobotta.

Sport-Aus verordnet

Sie gibt aber auch zu: Ihre Welt ist mit der Diagnose zusammengebrochen. Ein Mensch, der jahrzehntelang fast nichts anderes kannte, als sich sportlich auszutoben, der soll plötzlich Stillstand üben? Schonhaltung einnehmen? „Ich habe es trotzdem mit Fassung getragen“, blickt Jana Sobotta auf die ersten Wochen nach Diagnose und Sport-Aus zurück. Es sei natürlich ein Schlag ins Gesicht gewesen, in so jungen Jahren zu erfahren, dass der eigene Körper abgenutzt ist. „Der Arzt hat mir gesagt, dass ich momentan den Rückenstand einer 90-Jährigen habe“, erzählt die Ex-Tänzerin inzwischen fast unbeeindruckt. Jammern ist nicht ihr Ding. Ob wie vor einem Jahrzehnt plötzlich alleinerziehend mit zwei kleinen Kindern dazustehen oder eben jetzt schwer zu erkranken, die seit Jahren wieder glücklich liierte und inzwischen gut ein Jahr verheiratete Frau nimmt alles im Leben lieber sportlich denn wehleidig: „Wenn das Leben dir Steine in den Weg legt, dann stell dich drauf und genieße die Aussicht!“

Sie will kein Mitleid

Jana Sobotta will kein Mitleid. Ihre Geschichte erzählt sie, um anderen Mut zu machen, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Jana Sobotta hat sich auf die Steine gestellt, die Aussicht genossen und eine neue Perspektive gefunden. Der Sport, sagt sie, fehlt ihr, doch die Erlaubnis für leichtere Übungen hat sie inzwischen. Also schwingt sie sich jetzt oft aufs Rad, ist manchmal zu Touren um die 60 Kilometer unterwegs. Sie geht viel spazieren und wandern. Medikamente zu nehmen, versucht Jana Sobotta tunlichst zu vermeiden. Jeden Tag hat sie Schmerzen, mal mehr und mal weniger heftig. „Es gibt gute und schlechte Tage“, sagt die 32-Jährige, „aber das kennt ja jeder.“

Instagram-Star mit mehr Sein als Schein

Bei Instagram bleibt die 32-Jährige die bodenständige und aufgeschlossene Schönheit wie eh und je. Sie setzt nicht auf Hochglanzfotos, sondern postet sich auch mal mit einer schmierigen Crememaske im Gesicht, zeigt wie sie leckere Marmelade kocht oder saftige Steaks isst. Im Netzwerk propagiert Jana Sobotta nach wie vor Schlagworte wie „strong not skinny“ für starke Frauen, kontra Magerwahn und pro Gesundheit. Sie will in jedem Fall „strong“, also stark, bleiben. Vor allem für ihre inzwischen 12 und 13 Jahre alten Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Mama ist und bleibt für sie die „Herkuline“, eine durch und durch starke Frau, die sogar Menschen auf ihren Schultern tragen kann. Sie wird sich nicht mehr an der Stange verbiegen. Sie wird nicht mehr jede Last heben können, aber doch so gut wie jede Last im Leben schultern und (er)tragen können – das wissen ihre Kinder, das weiß ihr Ehemann. „Meine Familie steht zu 1000 Prozent hinter mir“, ist die 32-Jährige stolz.

Heute hat Jana Sobotta noch einmal umso mehr mentale Stärke entwickelt, hat sich in den wenigen Monaten mit ihrer Krankheit arrangiert. „Ich will mich nicht selbst einschränken, niemand sollte das tun“, will Jana Sobotta anderen Mut machen, das Leben zu meistern statt sich fremdsteuern zu lassen. So wie sie einst mit dem Poledance ein Hobby zum Beruf machte, ist sie nun selbstständig mit Süßwasser-Aquaristik und Teichpflege. Sie kocht und bäckt leidenschaftlich gerne, umsorgt ihre Familie und Freunde, pflegt ihre Leidenschaft fürs Teetrinken und Lesen. Und sie engagiert sich, wo sie nur kann. Zum Beispiel im Förderverein der Oberschule, die ihre Kinder besuchen, als Blut-, Plasma- und Thrombozytenspenderin, als Helferin für die alten Leute in ihrer Nachbarschaft, sie macht bei dem Fotoprojekt „Gesichter der Stadt“ mit, um ihre Heimatstadt Delitzsch zu bewerben, platziert bei Instagram Delitzscher Produkte und unterstützt so die Händler ihrer Heimat …

„Ich habe so viel Glück im Leben gehabt“, sagt Jana Sobotta, „ich gebe gerne was ab, für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ich mich kümmere.“ Ihr Leben ist erfüllt, das weiß Jana Sobotta. Die starke Frau bleibt für jeden Tag dankbar, sie steht jeden Tag mit einem Lächeln auf, das hat sie immer so gemacht und so wird sie immer weitermachen – Schmerzen hin oder her.

2019 folgt ein weiterer Eingriff an ihrer Wirbelsäule. Es ist ein Versuch. Wenn er gut geht, bringt er ihr zwei Jahre Schmerzfreiheit. Wenn nicht, wird sie auch das akzeptieren. Eine Herkuline haut so schnell nichts um.

Von Christine Jacob

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