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Delitzscher Lebenshilfe fehlen die Leute

Fachkräftemangel Delitzscher Lebenshilfe fehlen die Leute

Dass Kinder mit Behinderung auch an allgemeinbildenden Schulen unterrichtet werden können, machen seit einigen Jahren Schulassistenten möglich. In und um Delitzsch kümmert sich die Lebenshilfe darum. Doch nun wird es immer schwerer, die Fachkräfte fehlen.

Inklusion machen auch Schulassistenten möglich (Symbolbild).

Quelle: dpa

Delitzsch/Döbernitz. Es gibt Momente, in denen weiß Frauke Seifert kurz nicht weiter. Dann möchte sie am liebsten die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und hoffen, dass von irgendwoher eine Lösung geflattert kommt. Die Chefin der Delitzscher Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung braucht dringend Kollegen, findet aber keine.

Fachkräftemangel im sozialen Bereich

„Der Fachkräftemangel hat uns eingeholt“, stellt die Vorsitzende des Vereins mit insgesamt zwölf Mitarbeitern fest. Lange war er ein Phänomen, das durch die Presse waberte und doch immer andere Branchen betraf – nicht doch aber den Dienst an Kindern. Stapelten sich früher die Bewerbungen, sieht es heute trübe aus und das besonders im Bereich der Schulassistenz und -begleitung. Die ermöglicht Kindern mit Behinderung seit einigen Jahren die Teilhabe am Unterricht allgemeinbildender Schulen. Während Kindern mit Behinderung früher nur der Weg in eine Förderschule blieb, können sie heute wie selbstverständlich gemeinsam mit nichtbehinderten Kindern lernen und einen Lebensweg fern von Förderschule und Behindertenwerkstatt einschlagen. Vorausgesetzt, es sind genug Schulassistenten da. Diese stellt die Lebenshilfe, die Kosten werden von Ämtern gedeckt. Fünf Stellen hat die Lebenshilfe aktuell, kann aber maximal vier besetzen. Zudem wird der Bedarf nicht geringer, sind immer mehr Kinder auf Begleitung angewiesen. Mindestens zwei Leute werden gebraucht. Stellenanzeigen in dieser Zeitung und bei der Arbeitsagentur blieben bislang allerdings erfolglos. Einen Fachabschluss als Erzieher, Heilpädagoge oder Heilerzieher sollte man schon mitbringen, um ein Kind in der Schule zu begleiten. Dabei geht es nicht um Wissensvermittlung, es geht um Unterstützung. Schulassistenten motivieren das Kind mit Behinderung, bieten ihm Halt und Hilfe, begleiten durch den Alltag, intervenieren bei Problemen.

Kinder unterstützen

„Das Kind ist der Auftraggeber“, sagt Frauke Seifert. „Man braucht schon eine große Portion Motivation“, weiß sie. Ein Schulassistent ist ein Multiplikator und der Dolmetscher für das Kind, vermittelt zwischen der Sicht beispielsweise eines Autisten und der Welt wie sie die anderen sehen. Der Job ist – wie wohl jeder mit Kindern aller Art – mitunter natürlich anstrengend. Der Lohn ist – wie wohl auch bei jedem Job mit Kindern aller Art – unbezahlbar. Wer als Schulassistent arbeitet, der kann teilhaben an dem Weg eines Kindes, das andere wegen seiner Behinderung schon abgeschrieben haben und das es doch zu einem normalen Schulabschluss, einer Ausbildung und einem eigenständigen Leben schafft. Auch die Schule gewinnt dadurch, das große Stichwort Inklusion wird nicht nur gelehrt, es wird gelebt. Aktuell haben fünf Kinder dank der Delitzscher Lebenshilfe die Möglichkeit, allgemeinbildende Schulen zu besuchen. Sie lernen an den Grundschulen Wölkau und Rackwitz, drei Jugendliche besuchen die Krostitzer Oberschule. Ob noch mehr Kinder diese Chancen bekommen können, hängt von der künftigen Personaldecke ab. Dabei sollte sich Schulbegleitung immer an den Bedürfnissen des Kindes und nicht an den Möglichkeiten eines Trägers orientieren.

Der Fachkräftemangel zeigt sich auch an anderer Stelle. Rollen Grippe- und Erkältungswellen, wird es auch mit der Betreuung der um die 85 Kinder, die Klienten sind, insgesamt schwieriger. Die Arbeitskräftesituation bleibt angespannt.

http://www.lebenshilfe-delitzsch.de

Von Christine Jacob

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