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Delitzsch Delitzscher Mordfälle im Visier
Region Delitzsch Delitzscher Mordfälle im Visier
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13:53 19.05.2015
Der Mann, der Mut machte mit seiner Knopfharmonika: Uwe Steger, Lehrer an der Kreismusikschule. Quelle: Edith Dorothea Klisa
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Delitzsch

Als exzellenter Stimmführer mit dem Knopfakkordeon erwies sich Uwe Steger. Eine Konkurrenz will den Delitzscher Sängern da aber nicht heranwachsen. Doch bewiesen die Museumsfreunde ihre Sympathie für die Sänger tatkräftig - mit einer Spendensammlung für die Restaurierung der 100 Jahre alten Vereinsfahne.

Sich selbst und ihren gern gesehenen Gästen - da die Museumsvereins-Informationsveranstaltungen stets für alle an den Themen Interessierten offen stehen - brachte das Jahr 2014 manche spannende Stunde. Nach Doberlug führte die Jahresexkursion. Wenngleich dort die erste brandenburgische Landesausstellung mit dem verlockenden Titel "Wo Preußen Sachsen küsst" vielleicht ein kuscheliges Verhältnis zwischen den beiden deutschen einstigen Kleinstaaten erwarten ließ, zeigte sich in der vielschichtigen Dokumentation aber nicht nur Partnerschaft, sondern auch Rivalität. Diese kulminierte letzten Endes in der vom Wiener Kongress verordneten Preisgabe bedeutender Landesteile samt Landeskindern von Sachsen an Preußen. Die heutige nordsächsische Ecke mit Delitzsch musste 1815 ja zur südlichen Ecke Preußens mutieren. Kein Wunder, dass bei den Delitzscher Exkursionisten der extra aus Wien in die Dober- luger Ausstellung herbeigeschaffte große runde Tisch besonderes Interesse hervorrief. An dieser Tafel soll jener verhängnis­volle Vertrag der Siegermächte ausgehandelt worden sein.

Nicht gar so weit ging es im Oktober, nämlich zur Exkursion nach Landsberg, um dort die Doppelkapelle zu erkunden. Einem Aufregerthema des Jahres rückte ein Spezialist aus jüngerer historischer Sicht nahe: Professor Lothar Eismann, Dokumentarist der geologischen Erkundungen in Mitteldeutschland, also auch der Delitzscher Region und laut Museumschef Jürgen Geisler "bester Kenner der Erdschichten unter unseren Füßen".

Seltene Erden, nach denen im Laufe dieses Jahres bei Storckwitz gebohrt wurde, sind laut Eismanns Dokumentation bereits in den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts erkundet worden und also seit einem halben Jahrhundert bekannt. Einblicke in die sich verändernde Natur nach den Braunkohletagebauen konnten von Gudrun Heidecke erwartet werden, der einstigen Umweltministerin von Sachsen-Anhalt und nun "Ost­quotenfrau" im BUND-Vorstand. Nährstoffarme Tertiär- und Quartiärböden, die durch die Baggerei aus den tiefen Lagen an die Oberfläche befördert wurden, bewähren sich als Forschungsareale für Biologen. Eigens dafür stellte der BUND die Goitzsche-Wildnis unter Schutz. Auch, dass in Bezug auf ­Herzog Moritz Wilhelm von Sachsen-Merseburg (1694 bis 1731) "einige Dinge im Geschichtsbild gerade gerückt" werden konnten, gehört zur "Jahresernte" des Delitzscher Museums- und Heimatvereins.

Für historisch Interessierte geht es im 2015-er Jahr weiter. Nach kleiner Winterpause, während der die momentane Museums-Sonderschau "Erfüllte Wünsche" zu empfehlen ist, referiert ein Spezialist zur Merseburger Fürstengruft (5. Februar). "Man weiß, wer da drin liegt", so Jürgen Geisler. Zum "Baum - unbekanntes Wesen" (2. April) seziert eine Fachfrau vom Institut für Baumdiagnostik so manches Objekt, das in jüngster Zeit Delitzscher Gemüter erhitzte. "Delitzscher Mordfälle zwischen 1952 und 1990" (4. Juni) sind ein aus dem vergangenen Jahr übernommenes Thema, zu dem ein Kriminalist wissbegierige Gäste erwartet. Und nicht weniger spannend dürfte der Abend werden, der forschende Untersuchungen des Max-Planck-Instituts Halle zur "Sozialgeschichte von Delitzsch in Kaiserreich und Weimarer Republik" - einem bislang in der historischen Forschung unterbelichteten Thema - vorstellt. Und schließlich: die Bildungsexkursion 2015 des Museums- und Heimatvereins führt zur Festung Königstein (30. Mai), eine weitere ins Filmmuseum Wolfen (17. Oktober). Nicht allein für Museumsvereinsmitglieder sind sie, falls nicht ausgebucht, gegen ein Entgeld auch für interessierte Gäste gedacht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.01.2015
Edith Dorothea Klisa

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