Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Delitzsch Delitzscher Mütter suchen krampfhaft Kita-Plätze
Region Delitzsch Delitzscher Mütter suchen krampfhaft Kita-Plätze
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:07 19.02.2018
Sie wollen anonym bleiben: Vanessa, Eileen, Laura und Anna sind Mütter auf der Suche nach dem Kita-Platz. Quelle: Christine Jacob
Anzeige
Delitzsch

Zehn Monate ist Emma alt. Zum ersten Geburtstag endet die Elternzeit für Mama Eileen. Wie es weitergehen soll? Das weiß sie nicht. Noch hat sie keinen Betreuungsplatz für die Tochter gefunden. Genauso geht es Vanessa. Laura und Anna haben nach langen Mühen wenigstens Plätze bei Tagesmüttern gefunden. Die haben gleich geraten, jetzt nach einem Kindergartenplatz zu suchen – dabei hätten die Kinder noch zwei Jahre Zeit. Die Platznot in Kitas ist groß, die Probleme für die jungen Familien riesig.

Delitzscher Sorgen kennen auch die Dörfer

Eileen, Vanessa, Laura und Anna – alle sind sie um die 30 – wollen ihre vollständigen Namen nicht nennen. Sie fürchten Stress mit Kitas oder Arbeitgebern. Die vier stehen mit ihren Problemen für so viele Frauen – und die angeschlossenen Familien. Die Einrichtungen sind ausgebucht, weit bis ins Jahr 2018 oder darüber hinaus. Die mittlerweile 13 Tagesmütter führen Wartelisten. Das Kind in einer Kita in den Dörfern oder in den Ortsteilen zu bringen, wird unmöglich, schildert Anna: „Dort sperrt man sich, wenn rauskommt, dass das Dorf nicht der Wohnort ist.“ Die Landgemeinden kennen die Platznot ebenso oder sehen sich wie Schönwölkau bei 20 Prozent Auslastung mit „Fremdkindern“ bald von dieser konfrontiert. Zudem gibt es Mangel an Erziehern.

Stadtverwaltung hat keine Warteliste

Die Situation ist für keine Partei leicht: In der Stadtverwaltung gibt es keine Warteliste. Die in Delitzsch lebenden Kinder und ihre Aufteilung auf die Kitas wird aber zentral erfasst. Dies soll Doppelanmeldungen vermeiden und den Überblick erleichtern. Die Plätze vergeben die Einrichtungen. Doppelanmeldungen gibt es zuhauf. Anna und ihr Lebensgefährte tingelten mit der sieben Monate alten Tochter – und haben sich in allen elf Einrichtungen auf Wartelisten setzen lassen. „Sollte man Lohnausgleich beanspruchen müssen wenn es nicht klappt, muss man ja nachweisen, dass man alles versucht hat“, begründet Anna. Und dann sei ja noch die Frage, ob man den eventuell freien Platz auch will – passen Konzept, Öffnungszeiten und Co. zu den eigenen Ansprüchen? „Die Situation belastet total, die Partnerschaft und die ganze Familie, das macht alles enormen Druck“, betont Eileen. Die Großeltern sind selbst voll berufstätig oder wohnen nicht hier, sie könnten nicht mal einspringen, wenn die Frauen eine Kita mit kurzen Öffnungszeiten bekommen. Und dann sitzt einem noch der Chef im Nacken: „Auch den Arbeitgeber kann man natürlich verstehen, dass er wissen will, woran er ist“, sagt Vanessa. Es muss immerhin geklärt werden, wie lange ihre Vertretung noch bleibt. Laura hat Kontakt zum Arbeitgeber vermieden, weil sie keine Aussagen zum Wiedereinstieg treffen konnte. Eileens Arbeitgeber hat ihr geraten, sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen. Für keine der Frauen ist es eine Option, zu Hause zu bleiben. „Wir können nicht auf ein Gehalt verzichten“, sind sich alle einig. Das Dasein als Hausfrau und Mutter ist ohnehin für sie keine Alternative. Was sie sich wünschen? „Betriebskindergärten und einen Neubau der Stadt“, kommt es wie aus einem Mund.

Hoffnung auf bauliche Lösungen

„Selbst, wenn es aktuell einen Engpass bei Kita-Plätzen gibt, ist die Stadtverwaltung zuversichtlich, diese Situation durch die Hortneubauten und -sanierungen zu verbessern, da mit dem Bezug der Horte die Hortplätze in den Kitas endlich für Kita-Kinder genutzt werden können“, teilt die Stadt mit. Die Baumaßnahmen ziehen sich allerdings noch hin.

Orientierung bietet der Kita-Wegweiser, der auf www.delitzsch.de ständig online aktualisiert wird und im Technischen Rathaus ausliegt.

Von Christine Jacob

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Anbau für die Grundschule in Kyhna schreitet voran und wird nach Auffassung der Wiedemarer Bürgermeisterin Ines Möller rechtzeitig zum Schuljahresstart fertig sein. Der Neubau wird mit dem Altbau über ein gläsernes Foyer verbunden sein. Es ist eine Millionen-Investition für die Gemeinde. 400 000 Euro steuert der Freistaat bei.

17.07.2017

Wolfgang Rühl (65) war viele Jahre Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes Oberer Lober. Ende Juli verabschiedet er sich in den Ruhestand. Ihm folgt die 42-jährige Julia Alexeeva-Steiniger.

13.07.2017

Seit zwei Jahren setzen sich die Mitglieder des Fördervereins Kirche Kletzen für die Sanierung ihres Gotteshauses ein. In kleinen Schritten, so der Vorsatz, wollen sie die Erhaltung des Kulturdenkmals vorantreiben. In diesen Jahr stehen nun mit dem Eingangsportal und dem Glockenstuhl zwei Projekte ins Haus.

16.07.2017
Anzeige