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Delitzsch Delitzscher Pendler sehen kaum Jobchancen in der Heimatstadt
Region Delitzsch Delitzscher Pendler sehen kaum Jobchancen in der Heimatstadt
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10:06 24.02.2017
Verspätungen sind des Pendlers größter Frust. Quelle: Fotomontage: Wolfgang Sens
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DELITZSCH

Sie „genießen“ ihr Leben in vollen Zügen und auf Bundesstraßen – die Pendler. Fast jeder zweite Berufstätige in Nordsachsen pendelt täglich zwischen Heimat- und Arbeitsort, rund 35 000 Menschen sind so als Pendler zu führen. Aus der Loberstadt pendeln rund 6000 Menschen laut Daten des Statistischen Landesamtes. In Delitzsch sind damit laut Wirtschaftsförderer Alexander Lorenz rund 60 Prozent der Erwerbstätigen Auspendler. Und viele könnten, so Lorenz, auch in der Heimatstadt arbeiten. Die LVZ hat sich unter Pendlern umgehört, warum sie die Stadt lieber verlassen, um allabendlich zurückzukehren.

Es hat einen einfachen Grund für die Frau, die mit der Bahn nach Leipzig will: „Ich habe in Delitzsch keinen Job gefunden.“ Jetzt hat sie seit gut drei Monaten etwas Neues in der Gastronomie. Knapp zwei Stunden täglich pendelt die Frau aus dem Delitzscher Norden, die lieber anonym bleiben möchte. „Es ist Freizeit, die man verliert“, sagt sie, „daher würde ich lieber in Delitzsch arbeiten, aber es gab nichts.“ So ging es auch der Angestellten eines Architekturbüros in Leipzig. „In Delitzsch war das Angebot für mich nicht da“, sagt die technische Zeichnerin.

Delitzscher sehen Notwendigkeit im Pendeln

Mit Buch, Musikplayer und Gelassenheit ist Patricia Heilemann aufs Pendeln eingestellt. Sie glaubt nicht, dass ein Großteil in Delitzsch arbeiten könne. Je spezieller der Job, desto geringer die Aussichten ihn in der Loberstadt machen zu können. „Ich habe das schon während meiner Lehre zur Bauzeichnerin gemerkt“, erinnert sich Patricia Heilemann. Die musste sie schließlich in Halle absolvieren. In Delitzsch war keine Lehrstelle zu finden. Jetzt pendelt sie als Studentin der Rechtswissenschaft und sieht auch da perspektivisch wenig Chancen in Delitzsch. Pendeln sei eine Notwendigkeit, in ihrer Heimatstadt will sie wohnen bleiben.

Prominenter Auspendler ist Uwe Bernhardt, Vorsitzender der Freien Wähler und Leiter des Standesamtes in Leipzig. „Ich pendle, weil es in Delitzsch keinen – meiner Verantwortungsbreite in Leipzig – entsprechenden Arbeitsplatz für mich im Verwaltungsbereich gibt.“ In Leipzig seien die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten größer: „Delitzsch wird naturgemäß niemals in der Lage sein, mit Leipzig unter dem Gesichtspunkt attraktiver Arbeitsplätze in der Breite mithalten zu können.“ Daher könne das Ankurbeln des Zuzugs von Berufspendlern nach Delitzsch etwa durch klugen Wohnungsbau durchaus Sinn machen. Mehr als 3000 Menschen pendeln nach Delitzsch ein, große Firmen wie das Dämmstoffwerk Ursa haben zum Beispiel nur ein Viertel Delitzscher in der Belegschaft von rund 300 Mann. Große Unternehmen wie das einstige Raw haben Personal abgebaut. Tausende Arbeitsplätze sind nicht in Sicht, die vorhandenen wiederum auch mit Einpendlern belegt. Auf das Pendeln ist die Stadt unter anderem auch mit den Park-and-ride-Plätzen vorbereitet. Drei gibt es rund um den Unteren Bahnhof und ein vierter soll entstehen und das Pendler-Drehkreuz noch weiter aufgewertet werden.

Das Pendlerleben hat für so manchen seine Vorteile neben der besseren Jobperspektive. Von der Haustür bis zum Schreibtisch braucht Uwe Bernhardt zum Beispiel nur 35 Minuten, weil die S-Bahn-Verbindung in die Messestadt so gut ist. „Kurze Wege durch gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur, attraktive berufliche Entwicklungs- und Verdienstmöglichkeiten, Arbeiten in der Stadt und Wohnen im Grünen“ bringen ein glückliches Pendlerdasein.

Eine multimediale Reportage zum Thema Pendler finden Sie hier

Von Christine Jacob

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