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Delitzsch Delitzscher Pointzero schließt am 10. März
Region Delitzsch Delitzscher Pointzero schließt am 10. März
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09:35 02.03.2018
Alles endet, aber nie die Musik. Am 10. März ist die letzte Party im Pointzero. Eines steht fest: Roy Klawes alias Scott Vilbert wird hier die letzte Platte auflegen – am 11. März. Quelle: Wolfgang Sens
Delitzsch

So richtig fassen kann er es selbst noch nicht. Aber es ist und es wird wahr. Am nächsten Samstag, dem 10. März, öffnet Roy Klawes das letzte Mal den Delitzscher Club Pointzero. Es wird die letzte Party an der legendären Adresse Schkeuditzer Straße 36 sein. Künftig wird diese Adresse vermutlich für irgendein Eigenheim stehen. Aus Clubkultur wird Häuslebau.

Bauland kontra Club

Das Areal der einstigen Delitzscher Bauunion soll jetzt wie so vieles in Delitzsch Bauland werden, ein Investor hat die Fläche im vergangenen Sommer gekauft und will sie entwickeln. 15 Jahre ist es her, dass Roy Klawes hier einen schon wenig später Kult gewordenen Club jenseits anonymer Großraumdiscos zu entwickeln begann. Im September hätte das Point – wie man den Club liebevoll verknappt nennt – den 15. Geburtstag gefeiert. „Das hätten wir noch gerne erlebt“, sagt der 37-jährige Roy Klawes. Wir, das sind Familie und Freunde. Ohne sie hätte es das Point nicht gegeben, sie alle haben viel Zeit, Geld, Schweiß und Herzblut hineingesteckt. Das Point hat sie zusammengeschweißt.

Save the Club ist leider nicht wahr geworden, das Point muss schließen. Quelle: Christine Jacob

Club in 100 Prozent Eigenleistung

„Alles haben wir selbst gemacht vom Auflegen bis zum Schrubben“, sagt Roy Klawes alias DJ Scott Vilbert. Seine Töchter Lisa und Lena – bald 14 und 11 Jahre alt – sind praktisch groß geworden im Point, kennen hier jeden Winkel und jede DJ-Vokabel aus Papas Mund. Und Ehefrau Antje war auch immer mit dabei, wenn die Lichteffekte passend zum Beat tanzten und die Nebelmaschine puffte. Und wenn die Party vorbei war, hat sie gemeinsam mit Roy wieder Ordnung geschafft und manchmal in drei Stunden den Club gereinigt – erst wenn auch das triste „Putzlicht“ erloschen war, war Sonntag für die Frau, die selbst im Drei-Schicht-Rhythmus arbeitet. Das Point war auch ihr Halte- und Lebensmittelpunkt. „Es ist wie ein zweites Zuhause“, sind sie sich einig. Vielleicht den Wert eines solch klassischen Einfamilienhauses, wie es in nicht allzu ferner Zukunft mal hier stehen wird, haben sie in den Club gesteckt und nicht nur materiell auf einiges verzichtet. Roy Klawes fährt noch immer sein altes Auto, obwohl er beruflich im Drei-Schicht-System neue transportiert. Auf großen Urlaub hat die Familie auch verzichtet. Fast alles ist in das dritte Baby, das Point geflossen. „Es tut einfach weh“, sagt die 36-jährige Antje über den Abschied.

Die Endgültigkeit wird rund um den Club immer spürbarer. Quelle: Christine Jacob

Dass der Tag X kommen würde, war irgendwie immer klar. Dass in der Schkeuditzer Straße mal Bauland entsteht, ist schon lange Thema und immer wieder mal brodelten Gerüchte über die Schließung. „Dass der Tag X jetzt so schnell kommt, ist bitter“, meint der Clubbetreiber. Viel hat er in Verhandlung mit dem Investor versucht, wollte ihm sogar mehr Miete zahlen – genützt hat es alles nix. Die Trauergemeinde wird tanzen und sie wird groß und bunt gemischt sein. So wie Antje und Roy Klawes sind auch die Gäste erwachsen geworden mit dem Point, sie haben Berufe ergriffen, Familien gegründet und Häuser gebaut. Für den letzten Tanz haben sich manche extra Babysitter besorgt. Die Party beginnt am Samstag um 18 Uhr. Sämtliche Vorverkaufstickets sind weg, an der Abendkasse gibt es Einlass für 15 Euro. Knapp 30 Acts sind angekündigt. Eines steht fest: Die letzte Platte wird irgendwann am 11. März 2018 DJ Scott Vilbert spielen. Und als solcher wird Roy Klawes weitermachen. Wie heißt es so schön: Alles endet, aber nie die Musik.

Von Christine Jacob

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