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Delitzscher Rentner stoppt Randalierer – und wird angezeigt

Spielplatz Delitzscher Rentner stoppt Randalierer – und wird angezeigt

Ein Mitglied des Technischen Ausschusses im Delitzscher Stadtrat hat eine Strafanzeige am Hals, nachdem er jugendliche Randalierer auf einem Spielplatz zur Rede stellte. Die Polizei ermittelt wegen möglicher Körperverletzung, die Aussagen der Beteiligten sind allerdings widersprüchlich. Polizeirevierleiter Klaus-Dieter Kabelitz ermuntert zur Courage am Telefonhörer.

Vandalismus, wie hier an einem Buswartehäuschen, macht in Delitzsch zu schaffen.

Quelle: Stadtverwaltung Delitzsch

Delitzsch. Die jüngste Vandalismuswelle in Delitzsch hat die Diskussion neu entfacht: Sind Anwohner und Passanten zu zögerlich, die Polizei zu rufen? Lohnt es sich überhaupt, couragiert gegenüber Randalierern aufzutreten? Reinhard Zänker weiß aus eigener Erfahrung: Courage zeigen ist ein schmaler Grat. Vor rund vier Wochen stellte er sich Jugendlichen entgegen, die auf dem Spielplatz in der Erzbergerstraße ihrer Kraft freien Lauf ließen. Nun hat er selbst eine Strafanzeige am Hals. „Doch Nichtstun ist keine Lösung“, ist der 66-Jährige nach wie vor überzeugt.

Reinhard Zänker hat als Spielplatz-Nachbar in der Erzbergerstraße schon viel Blödsinn mit ansehen müssen. „Da wird immer mal randaliert. Manchmal werden auch Äste von Bäumen gebrochen oder Abfälle in den Lober geworfen“, schildert der Rentner. Am 13. Juli gegen 18.30 Uhr eine ähnliche Situation: Eine Gruppe junger Leute hatte den Spielplatz in Beschlag genommen. „Einer fand alte Alu-Rohre im Lober. Eines nach dem anderen fischten sie raus und begannen, damit auf die Tischtennisplatte einzudreschen.“ Der Anwohner wollte nicht länger zuschauen: „Ich bin hin, schnappte mir einen, nahm ihm die Stange weg. Ich fragte ihn, was die Drescherei soll, und warum er hier als Minderjähriger auf dem Spielplatz rauche.“ Auch an die anderen wandte er sich, noch mit der Stange in der Hand.

Eltern erstatten Anzeige

Was genau passierte, muss nun die Polizei klären. Aus den Reihen der Jugendlichen und ihrer Eltern wurde Strafanzeige wegen Körperverletzung erstattet. Einer der Jungs soll an der Hand verletzt worden sein, ein anderer berichtete von einem Schlag in den Magen – so die Aussagen gegenüber der Polizei, wie Revierleiter Klaus-Dieter Kabelitz auf Anfrage bestätigte. Fakt ist, dass ein Notarzt hinzugerufen wurde, um sich die eventuell verletzte Hand anzuschauen. Fakt ist allerdings auch, dass sich die Aussagen des Anwohners und der Jugendclique zum Teil widersprechen. Reinhard Zänker verwahrt sich dagegen, massive Gewalt ausgeübt zu haben, muss sich jedoch mit seiner Aussage gegenüber sieben befreundeten Jugendlichen behaupten. Die Grenze zwischen Realität und Fantasie auszuloten, ist Sache der Polizei. Die Ermittlungen laufen. Alle Beteiligten werden nun zur Vernehmung vorgeladen.

Augenzeugen sollen Rückgrat zeigen

Reinhard Zänker bereut sein Einschreiten nicht. Als Sachkundiger Einwohner im Stadtratsausschuss weiß der 66-Jährige, wie viel Geld Delitzsch Jahr für Jahr in die Reparatur demolierter Spielplätze und anderen Stadtmobiliars stecken muss. Bei der jüngsten Vandalismuswelle in diesem Sommer wurden auch diverse Bushäuschen sowie Bänke und Bäume beschädigt (wir berichteten). „Auch andere Augenzeugen sollten hier Rückgrat zeigen“, findet er. Allerdings stelle er sich die Frage, wo genau Zivilcourage in strafbare Selbstjustiz übergeht.

„Courage ist, die Polizei zu rufen“, sagt Klaus-Dieter Kabelitz. „Das ist besser als selbst einzuschreiten, denn auch aus scheinbaren Kleinigkeiten können sich gefährliche Situationen entwickeln.“ Anders verhalte es sich nur, wenn Personen bedroht werden. „Bei reinen Sachbeschädigungen hat es Zeit, bis wir vor Ort sind“, sagt der Revierleiter. „Die Zeugen helfen uns am besten mit Angaben zu den Tätern, also mit detaillierter Personenbeschreibung und gegebenenfalls amtlichen Kennzeichen von Fahrzeugen. Viele unserer Pappenheimer kennen wir ja schon.“

Hohe Dunkelziffer bei Sachbeschädigungen

Das gilt auch vorm Amtsgericht Eilenburg, wo sich so mancher Unhold nach Abschluss der Ermittlungen wiederfindet. Genaue Zahlen zu Strafsachen wegen Sachbeschädigungen gibt es dort nicht, es handele sich aber um eine über Jahre hinweg stabile Größe, sagt Gerichtsdirektor Norbert Schwarzer. Wie die Sanktionen ausfallen, hänge vom jeweiligen Täter ab. Bei Erwachsenen reicht die Palette in der Regel von der Geldstrafe bis zur Anklage – Letzteres eher bei Mehrfachtätern. „Im Jugendstrafrecht steht der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Da geht es zum Beispiel um Arbeitsstunden im sozialen Bereich oder, etwa bei Graffiti, um eigenhändige Schadensbeseitigung“, so Schwarzer.

Klaus-Dieter Kabelitz geht davon aus, dass es bei Sachbeschädigungen eine hohe Dunkelziffer gibt, da viele Vorfälle nicht angezeigt werden. Dass die Zahl solcher Delikte in der Delitzscher Kriminalitätsstatistik in den vergangenen Jahren geschrumpft ist, sei insofern mit Vorsicht zu bewerten. Die Polizei werde einschlägige Treffpunkte potenzieller Randalierer jetzt noch öfter frequentieren. Dazu zählen auch Spielplätze.

Von Kay Würker

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