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Delitzsch Delitzscher Revierleiter geht in Rente
Region Delitzsch Delitzscher Revierleiter geht in Rente
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17:48 26.07.2018
Klaus-Dieter Kabelitz, Revierleiter der Polizei in Delitzsch zeigt sich kurz vor seinem Abschied in die Rente auf der Schillerbrücke in Delitzsch. Quelle: Alexander Prautzsch
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Delitzsch

An diesem Freitag ist sein letzter Tag. Klaus Kabelitz hätte auch schon ein halbes Jahr früher gehen können, doch er wollte nicht. Nicht zuletzt, weil zu dem Zeitpunkt seine Nachfolge noch nicht geklärt war. In der Polizeidirektion Leipzig, dem das Delitzscher Revier unterstellt ist, gab man auch deshalb seinem Antrag auf Verlängerung statt. Er blieb. Er sei dies seinen Mitstreitern im Revier, aber auch seinen Partnern, mit denen über viele Jahre hinweg kollegial zusammengearbeitet habe, schuldig. Deshalb will er sich in erster Linie auch bei ihnen bedanken: „Es war eine tolle Zeit. Sie war nicht immer einfach. Wir waren nicht immer einer Meinung.“ Doch gestritten wurde immer nur in der Sache, um die Sicherheit der Bürger.

Eigentlich wollte er Pilot werden

Kompromisse wurden deshalb gefunden. „Aber auch, weil wir nie den Respekt voreinander verloren.“ Klaus Kabelitz war und ist ein Mann klarer Worte und ebensolcher Taten. Nicht jedem, mit dem er zusammenwirkte, passte seine Art. Aber jeder wusste, was dieser Beamte in Uniform von ihm hielt. Bei allen Kontroversen lag ihm eine Sicherheitspartnerschaft immer am Herzen.

Im Laufe seiner Dienstzeit hat Klaus Kabelitz einige Dienststellen kennenlernen, auch leiten dürfen. Seit Januar 2013 ist er in Delitzsch der Chef von damals knapp 60 Mitarbeitern, mittlerweile stieg deren Zahl auf etwa 100. Eine besondere Herausforderung: „Das Delitzscher Revier ist ganz anders geartet als die Reviere, in denen ich vorher war.“ Er sei aber sehr wohlwollend von allen aufgenommen worden. „Die Kollegen haben mir die Hände gereicht und machten mir das Arbeiten, das Leiten leicht.“ Namentlich will er vor allem seinen Stellvertreter, dem Leiter Streifendienst Ralf Weigelt, erwähnen. „Er begann zur selben Zeit mit mir in Delitzsch. Jetzt ist er ebenfalls im Ruhestand. Auf ihn war in jeder Beziehung Verlass.“

Klaus Kabelitz wollte früher einmal Pilot werden, doch ebenso stark war auch der Wunsch, Polizist zu sein. Dass er sich letztlich für die Polizei entschied, habe er nie bereut. „Ich glaube, ich würde mich wieder so entscheiden. Diese Zeit hat mir sehr viel gegeben, ich habe sehr viel erleben dürfen. Gutes wie Schlechtes.“ Schlechtes verdränge der Mensch bekanntlich. Da sei er auch keine Ausnahme, wie er sagt. Dass er all das Durchstehen konnte, verdanke er auch dem Rückhalt seiner Familie. Dieses Hinterland sei ihm sehr wichtig.

Viele Stationen durchlaufen

Am 1. September 1975 begann er seinen Dienst bei der Polizei, zunächst bei der Bereitschaftspolizei in Magdeburg. Kurz davor hatte der 19-Jährige sein Abitur gemacht. Weil bis zum Dienstantritt zwei Monate zu überbrücken waren, arbeitete er in einer Kfz-Werkstatt. „Diese Zeit hat mir in mancher Hinsicht die Augen geöffnet, den Blick für das Ringsum geweitet.“

Die Schutzmann-Ausbildung absolvierte er in Berlin, hatte dort auch sein ersten Einsatzort. Als Kriminalist kam er nach Magdeburg zurück. „Eine Schule fürs Leben“, wie er heute einschätzt. 24-Stunden-Dienste, kaum freie Wochenenden und jede Menge Ereignisse, für die die Vier-Mann-Truppe zuständig war. Kabelitz spezialisierte sich auf die Tatortbestandsberichte, lernte akribisch zu beobachten und zu analysieren.

Es folgte von 1978 bis 1980 der Besuch der Offiziersschule in Aschersleben, später studierte er in Berlin mit dem Abschluss als Diplom-Staatswissenschaftler. „Weil ich mit Auszeichnung abschloss, sollte ich gleich dort bleiben und unterrichten“, erinnert sich Kabelitz. Lehrer wollte er jedoch nicht werden. Westverwandtschaft seiner Oma führten zur „Strafversetzung“ nach Leipzig. Zuvor war er Arbeitsgruppenleiter in der Kriminalpolizei Magdeburg, quasi verantwortlich für den gesamten Bezirk. In Leipzig wurde Klaus Kabelitz stellvertretender Dezernatsleiter in der Kriminalpolizei. Die Wende erlebte er mit dem Geschehen rund um in die Runde Ecke in Leipzig, der damaligen Stasi-Zentrale.

Chef des Eilenburger Reviers

Eine der schönsten Aufgaben, die er in seinen mittlerweile 43 Dienstjahren lösen durfte, war der Aufbau des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) in Sachsen. „Wir waren sehr gut und ebenso erfolgreich.“ Leider fand diese Geschichte ein jähes Ende für Kabelitz. Seine Geheimhaltungsstufe reichte offenbar nicht aus. Wieder holte ihn seine ganz private Geschichte ein. Ab 1. Januar 1995 war Leiter der Inspektion Zentrale Dienste in der damaligen Polizeidirektion Torgau. Acht Monate später wurde er Chef des Eilenburger Polizeireviers. Jene Jahre sind ihm noch sehr in Erinnerung. Auch die enge Zusammenarbeit mit Oberbürgermeister Hubertus Wacker. Gemeinsam habe man Strategien umgesetzt, die letztlich zur Beruhigung der Lage in der Muldestadt führten. In diese Phase fielen auch die Hochwasserereignisse 2002 und 2012. Nicht nur dabei habe sich der enge Kontakt zu den Eilenburger Feuerwehrleute bewährt. Zum Dank schenkten sie ihm einen roten Feuerwehrhelm.

An diesem Freitag ist offiziell der letzte Arbeitstag für Klaus Kabelitz. An diesem Tag will er sich von seinen langjährigen Mitstreitern aus den Verwaltungen, Organisationen und Vereinen verabschieden. Von seinen Kollegen hat er es bereits mit einer kleinen Feier getan. Eines der vielen Geschenke war sein Bürostuhl. Damit er nicht darauf verzichten muss. Das Möbel ist längst abgeschrieben. Auch den symbolischen Schlüsse für das Revier erhielt er.

Pläne für die Pensionszeit hat Klaus Kabelitz längst. Vor allem die Familie soll ihn mehr als sonst haben. Aber auch eine DDR-Moped S 50 wartet fahrbereit, aber auch die analoge Foto- und Videosammlung soll gesichtet und archiviert werden.

Ob er sich weiterhin im Jugendhilfeausschuss des Kreistages oder in anderen Ehrenamtsfunktionen engagieren wird, werde er entscheiden, „wenn es Zeit ist“.

Von Diemo Wolf

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