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Delitzsch Delitzscher Schlackeberg wird analysiert – chemisch und politisch
Region Delitzsch Delitzscher Schlackeberg wird analysiert – chemisch und politisch
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06:00 28.04.2016
Mount Delitzsch in natura und in einer Google-Earth-Ansicht von 2013: Neben dem Schlackeberg wirken selbst die Kraftwerkstürme klein. Quelle: Foto/Montage: Kay Würker/Wolfgang Sens
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Delitzsch

Jetzt wird tief gegraben in Sachen Biomassekraftwerk. In verschiedener Hinsicht. Einerseits haben auf dem Gelände in der Fabrikstraße Analysen begonnen: Laut Betreiber werden in dem gewaltigen Schlackeberg seit Montag Proben genommen, um dessen Entsorgung vorzubereiten. Andererseits vertieft sich heute der Stadtrat ins Thema. Nordsachsens Umweltamtsleiterin Antje Brumm und Umweltdezernent Ulrich Fiedler sollen Bericht erstatten. Die Kommunalpolitiker wollen wissen, was auf dem Kraftwerksareal in den vergangenen Jahren vor sich ging und inwieweit das Amt seinen Kontrollpflichten nachgekommen ist. Und auch die Staatsanwaltschaft Leipzig gräbt: Nach LVZ-Informationen beschlagnahmte die Anklagebehörde im Landratsamt Unterlagen, die das Kraftwerk betreffen. Vonseiten des Amtes wurde das gestern bestätigt.

Die Durchsuchung steht im Zusammenhang mit der Strafanzeige, die der Verein „Sauberes Delitzscher Land“ bei der Staatsanwaltschaft erstattet hat. Nähere Details zum Ermittlungsstand sind allerdings nicht bekannt. Auch die Stellungnahme des Landratsamtes heute im Stadtrat soll nicht öffentlich stattfinden. Aus mehreren Fraktionen wurde darüber bereits Unmut geäußert. Schließlich nimmt die Zahl verunsicherter Bürger rasant zu. Vor allem über Schwermetalle im Grundwasser werden Sorgen laut, nachdem Messungen am Gertitzer Graben nahe der Mündung in den Lober deutliche Grenzwertüberschreitungen ergaben. Am LVZ-Telefon und bei Facebook beschwerten sich zudem Delitzscher über unangenehmen Geruch, der immer mal wieder in der Luft liege.

50 Tonnen werden beprobt

Der aktuelle Kraftwerkseigner, der die Anlage samt Haufen im August 2015 aus der Insolvenz übernahm, demonstriert im LVZ-Gespräch Handlungswillen. Heinz Lucas, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Knock on wood, verweist auf einen Vertrag mit der Fachfirma Artes GmbH aus Mücheln, die eine Analyse des Ascheberges in die Wege geleitet habe. Aus den geschätzt mehr als 40 000 Tonnen Ablagerungen sollen etwa 50 Tonnen repräsentativ entnommen und zur Aufbereitungsanlage der Stork Umwelt GmbH in Schkeuditz gebracht werden. Dort erfolgen chemische Analysen und Auswertungen, aus denen sich dann die Entsorgungswege ergeben. Laut aktuellem Zeitplan sollen in der zweiten Maihälfte konkrete Entsorgungsverträge geschlossen werden. Wie schnell der Haufen dann verschwindet, hänge von den Analyse-Ergebnissen ab, schildert Heinz Lucas.

Der Geschäftsführer kalkuliert für die Beseitigung der Umweltlast einen Millionenbetrag. Auch die Ertüchtigung des Kraftwerkes koste Millionen. Ab 17. Mai soll die Anlage für etwa vier Wochen außer Betrieb gehen und einer Großen Revision unterzogen werden. Vorgesehen sei die Erneuerung diverser Bauteile – angefangen bei den Kesseln und Turbinen bis hin zur Rauchgasreinigung. Im Moment könne nur ein Teil der Filter genutzt werden, sagt Lucas. „Das genügt derzeit aber noch, da ich nur 25 Prozent der Kraftwerkskapazität einsetze.“ Auch die automatische Verbringung der Kesselasche in Containeranlagen soll wieder errichtet werden, um die freie Lagerung zu beenden. Die Umweltbehörde sei darüber informiert.

Genehmigung für Wertstoffaufbereitung

Diese habe in den vergangenen Wochen auch zahlreiche weitere Unterlagen abgefordert. „Das Amt baut mir gegenüber ungeheuer Druck auf, nachdem es bei meinen Vorgängern jahrelang nur zugeschaut hat“, ärgert sich Lucas. Möglicherweise ein Zeichen dafür, dass spätestens seit Herbst 2015 auch auf der Umweltbehörde großer Druck lastet.

Immerhin: Das Amt machte jetzt den Weg für eine Standorterweiterung frei. Die zusätzliche Abfallschlüsselnummer 191212 wurde genehmigt, die die Errichtung einer Abfallbehandlungsanlage ermöglicht. Eine von Lucas gegründete eigenständige Firma kümmert sich dort künftig um Althölzer und andere Reststoffe, die vor Ort nicht verbrannt werden dürfen. Sie sollen aufbereitet und höher klassifizierten Kraftwerken zur Verfügung gestellt werden. Die Delitzscher Wertstoffaufbereitung GmbH wurde soeben ins Handelsregister eingetragen. „Die Aufbereitung findet in geschlossenen Hallen statt, die auf dem Gelände errichtet werden“, sagt Lucas. Mit Emissionen sei das nicht verbunden. Darüber hinaus plant er die Einrichtung eines Stromspeichermoduls neben dem Photovoltaikpark.

Von Kay Würker

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