Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Delitzsch Delitzscher Schlosskeller-Betreiber Rico Eichler zieht die Reißleine
Region Delitzsch Delitzscher Schlosskeller-Betreiber Rico Eichler zieht die Reißleine
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:12 16.02.2018
Ende Januar 2018 wird Rico Eichler seine Ritteressen vorerst in der Schloßwache durchführen. Quelle: Wolfgang Sens
Anzeige
Delitzsch

Im Januar noch eine Kabarettveranstaltung und dann ist endgültig Schluss. Das ist der unumstößliche Plan von Rico Eichler, Gastronom in Delitzsch, für den Schlosskeller. Er hat sich die Sache nicht leicht gemacht, doch manchmal muss einfach die Vernunft siegen – erst recht für Geschäftsleute. Die Stadt muss damit auf die Suche nach einem neuen Mieter gehen.

Kündigung liegt vor

Eichler hat seine Kündigung bereits eingereicht, der Museums- und Heimatverein wird nachziehen (müssen). Seit 2011 hatten der Verein als Hauptmieter und der Inhaber der in direkter Nachbarschaft gelegenen „Schloßwache“ in Kooperation Leben in den Keller gebracht. Vorher agierte Eichler mit einem anderen Verein zusammen. Der jetzt gekündigte Vertrag war unbefristet. Der Museums- und Heimatverein nutzte die Räume für Versammlungen und Vorträge, um den Schwerpunkt Kultur kümmerte sich Rico Eichler und holte Veranstaltungen wie Kabarett, Konzert und Co. nach Delitzsch.

Rico Eichler gibt den Schlosskeller 2018 ab. Quelle: Wolfgang Sens

Nun will er nicht mehr: „Es ist nur noch eine Nullnummer“, begründet der Wirt. Gerade so kostendeckend seien die meisten der zurückliegenden Veranstaltungen gelaufen und das sei auf Dauer wirtschaftlich nicht tragbar. Vertraglich war aber auch geregelt, dass kulturelle Veranstaltungen stattfinden sollen. „Dabei war man natürlich bestrebt, den Keller auch voll zu bekommen“, stellt der 39-Jährige klar. Das Geschäft werde aber immer schwieriger, argumentiert der Gastronom. Es gibt in Delitzsch inzwischen eine Vielzahl von Kulturstätten und Kulturanbietern von Theaterakademie über Kneipen und Kirchen bis hin zum Kino- und Veranstaltungshaus Markt Zwanzig – und sie alle haben ähnliche Veranstaltungen im Plan, laden die Delitzscher zu Kabarettabenden und Lesungen, Konzerten und Schauspiel.

Delitzscher Kultur-Unlust?

Sie alle beobachten als Veranstalter aber auch immer wieder eine gewisse Kultur-Unlust, erinnert Rico Eichler: Es kommen die üblichen Verdächtigen zu Veranstaltungen und es sind so immer die selben Gesichter im Publikum, manche Delitzscher dagegen scheint man gar nicht zu erreichen und hinterm Ofen hervorlocken zu können. „Zudem darf man nicht vergessen, dass Leipzig durch die Bahn sehr schnell und gut erreichbar ist“, vermutet Rico Eichler, dass auch das damit näher gerückte Kulturangebot der Großstadt einer der Faktoren ist, dass Delitzscher Veranstaltungen selten ausverkauft sind und der Kostendruck massiv steigt. In Anbetracht von Mindestlohn und der nicht gewinnbringenden aus eigener Tasche finanzierten Kulturarbeit sei ihm nur noch der Schluss zum Vertragsende geblieben. Er will sich nun auf sein Restaurant Schloßwache und die Angebote dort konzentrieren. Die Stadt habe noch das Gespräch mit ihm gesucht, umstimmen konnte sie ihn nicht.

Delitzsch schreibt neu aus

Der Schlosskeller wird demnächst von der Stadt zur Vermietung ausgeschrieben. Durch die Stadt selbst kann keine Betreibung erfolgen, da wegen der für die Sanierung ausgereichten Fördermittel eine Bindefrist bis 2020 gilt. Der Mieter muss ein Verein sein, der die Bewirtschaftung umsetzt oder ermöglicht.

Von Christine Jacob

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Irgendwie muss man doch Leben aufs Dorf bringen, lautet das Credo beim Heimatverein Hohenroda/Mocherwitz. Damit fährt der Verein seit einem Vierteljahrhundert recht gut. Sorgenfrei allerdings läuft das Engagement nicht.

10.08.2017

Als einen Rückzugsort beschreibt der Delitzscher Uwe Krause (56) Mutschlena. Als Kind besuchte er dort in den Ferien seinen Onkel Gert und die Tante Isa Krause, die dort dem Sattlerhandwerk nachgingen. Das Dorf war reich an Gewerken und landwirtschaftlich geprägt – was sich inzwischen gewandelt hat.

10.08.2017

Fünf Künstler, vier Drucker, sie alle kennen nur ein Ziel – Kunst schaffen. Ein Flachbau nur ein paar Meter weit weg von der dröhnenden Bundesstraße 2 wird damit zum künstlerischen Epizentrum Nordsachsens. Zumindest noch bis zum 18. August. Bis dahin läuft das nun schon 27. Sächsische Druckgrafik-Symposion.

13.08.2017
Anzeige