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Delitzsch Delitzscher Schüler protestieren gegen Lehrermangel
Region Delitzsch Delitzscher Schüler protestieren gegen Lehrermangel
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16:03 29.09.2016
Furchtbare Rechtschreibung – das passiert, wenn Lehrer fehlen, warnen die Oberschüler aus Mockrehna. Quelle: Wolfgang Sens
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NORDSACHSEN

Der Unterricht fällt ganz aus. Oder es steht ein anderer als der gewohnte Lehrer vorn an der Tafel, und in der nächsten Woche vielleicht wieder ein anderer. Oder der Stundenplan ist erneut geändert worden, statt Mathe eben jetzt mal Deutsch. Normale Zustände an Schulen. Daher wurde in Nordsachsen wie im gesamten Freistaat am Donnerstag zum Aktionstag unter dem Motto „Bildet die Rettung – Rettet die Bildung!“ gerufen. Im Mittelpunkt der Kritik steht der Mangel an gut ausgebildeten Pädagogen im Freistaat. Nach Einschätzung des Landesschülerrates wird der sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Mit verschiedenen Aktionen wurde gegen den bereits herrschenden Lehrermangel protestiert. Zudem fuhren Schülersprecher zur großen Demo in Dresden, zeigten dort Flagge für Nordsachsen.

Ausfall längst keine willkommene Freizeit mehr

Ob nun die beiden Oberschulen oder das Gymnasium: In Delitzsch setzten die Kinder und Jugendlichen am Donnerstag ein Zeichen: „Wir wollen lernen!“ forderten beispielsweise die Schüler der Oberschule Delitzsch-Nord auf ihren selbst gebastelten Plakaten. „Keine Vertretung, kein Ausfall mehr“, lautete eine andere Forderung. Die dritte Unterrichtsstunde wurde in Streik aufgelöst – Klassen, die wichtige Arbeiten zu schreiben hatten, blieben der Aktion fern. Die anderen fanden sich auf dem Hof des Ausweichquartiers in der ehemaligen West-Schule zusammen, denn gerade wird das eigentliche Schulhaus komplett saniert. Baustelle ist die Schule aber nicht nur in diesem Sinne. Der Stundenplan müsse häufiger geändert werden, beschweren sich Schüler. Fast jeden Tag käme es zu Unterrichtsausfall, schilderte Lara Ebert vom Schülerrat. Schulfrei zu haben, nehmen die meisten Kinder an der Oberschule längst nicht mehr als willkommene Auszeit – sie ärgern sich darüber. Oder nicht der eigentlich für die Klasse verantwortliche Fachlehrer unterrichte, sondern ein Ersatz, so die Kritik. Das bedeute für beide Seiten, sich immer wieder neu aufeinander einstellen zu müssen, weshalb die Klasse im Stoff nicht vorwärts komme. „Für die nahenden Prüfungen ist der Lehrermangel schlecht“, so Zehntklässlerin Lara Ebert. Im Frühjahr 2017 sollen die zehnten Klassen der Oberschulen mitten in den Abschlussprüfungen sein und sie sorgen sich jetzt, ob sie bis dahin all das nötige Wissen vermittelt bekommen.

Mit falscher Rechtschreibung

An der Oberschule Mockrehna wurde mit absichtlich in falscher Rechtschreibung verfassten Sprüchen darauf aufmerksam gemacht, was dieser Schülergeneration ohne Bildung fehlt. So war deutlich an den Klassenfenstern der oberen Etage zu lesen: „Su wenisch Lerer in Saksn“.

Mit einem Kuchen- und Crêpesverkauf beteiligten sich die Schüler des Delitzscher Gymnasiums am Protesttag. Eltern und Schüler hatten gebacken. Die Einnahmen sollen symbolisch in neue Lehrerstellen fließen. An der Schule würde es Klassen geben, die hätten 50 Prozent Unterrichtsausfall oder dieses Schuljahr noch gar kein Deutsch, wurde auf dem Schulhof gemunkelt. „Wir haben am Gymnasium oft Vertretungsstunden. Die Ausfallstundenrate liegt, glaube ich, aber nur bei drei Prozent, weil in der Regel jemand einspringt und ein anderes Fach unterrichtet“, berichtete die 14 Jahre alte Schülerrätin Lilly Oehlert über die Auswirkungen des Lehrermangels.

Von Christine Jacob, Kay Würker und Wolfgang Sens

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