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Delitzscher Stadtfest-Moderatorin Gisela Nicklisch denkt ans Aufhören

Festumzug Delitzscher Stadtfest-Moderatorin Gisela Nicklisch denkt ans Aufhören

Gisela Nicklisch ist die Stimme des Delitzscher Peter&Paul-Festumzuges. Seit 2004 moderiert sie das Spektakel, zuvor lief sie selbst jahrelang in den kostümierten Reihen, wirkte zudem im Arbeitskreis des Stadtfestes. Doch nun, mit 72, denkt sie ans Aufhören.

Gisela Nicklisch auf dem Delitzscher Rathausbalkon, ihr Einsatzort als Kommentatorin des Festumzuges.

Quelle: Alexander Bley

Delitzsch. Diese Stimme gehört zum Stadtfest wie die Kostüme und das Mittelalter. Hunderte am Straßenrand sind Jahr für Jahr Ohrenzeugen, wenn Gisela Nicklisch den Festumzug durch die Altstadt kommentiert. Die Frau am Mikro kennt alle Gruppen im langen Marsch der Darsteller – die Musketiere und Pikeniere, die Pestopfer, die Inhaftierten aus dem Frauenzuchthaus, natürlich auch die Firmen und Vereine. Sie dem Publikum vorzustellen, ihnen vom Rathausbalkon aus einen Empfang zu bereiten und sie zu motivieren, wenn der Regen rauscht oder die Sonne sengt, das ist ihre Passion.

„Und jedes Mal habe ich wieder Lampenfieber“, gesteht die 72-Jährige. Auch jetzt, zwei Tage vor dem nächsten großen Auftritt, wächst die Aufregung. Dabei begleitet ihre Stimme bereits seit zwölf Jahren den Höhepunkt des Peter&Paul-Festes. Und vieles, was sich während des Umzuges in den Delitzscher Gassen abspielt, hat sie einst aus der Taufe gehoben. Gisela Nicklisch gehörte 1990 zu den Wegbereitern des neu etablierten Peter&Paul-Spektakels, das dem übernommenen Parkfest aus DDR-Zeiten folgte. Schon zur Wendezeit wurde der Peter&Paul-Arbeitskreis gegründet, der im Rathaus bis heute Bestand hat. Der Festumzug, als illustres Abbild der Stadthistorie, startete im Kleinformat und wuchs zum beachtlichen Augen- und Ohrenschmaus mit mehr als 1000 Teilnehmern. Bis 2004 lief Gisela Nicklisch selbst in den kostümierten Reihen. Dann – als Rentnerin – übernahm sie die Moderation.

Im Herzen eine Lehrerin

„Ich liebe mein Delitzsch“, sagt die Frau, die im Osten der Stadt verwurzelt ist. Ihr Faktenwissen zur Stadtgeschichte fundierte sie allerdings erst in den 1990ern. Vor der Wende war sie Lehrerin, die meiste Zeit an der Artur-Becker-Schule, zuletzt als Leiterin. Dann wechselte sie in die städtische Tourist-Info, begann mit Stadtführungen – und blieb im Herzen die Lehrerin: „Ich freue mich, anderen etwas über Delitzsch beibringen zu können.“

Am Samstag ab 14 Uhr wird sie es wieder tun. Vielleicht jedoch das letzte Mal. „Ich weiß es noch nicht genau, aber mit 72 kann man sich auch mal zurücklehnen“, sagt sie, die Stadtmutter, wie Ex-OBM Heinz Bieniek sie gern nannte. Nach 25 Jahren Peter&Paul-Festumzug wäre es für Gisela Nicklisch ein Abschied im Jubiläumsjahr.

Von Kay Würker

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