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Delitzsch Delitzscher Stadtrat beschließt einstimmig Flächenverkauf an Investor Tarik Wolf
Region Delitzsch Delitzscher Stadtrat beschließt einstimmig Flächenverkauf an Investor Tarik Wolf
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00:31 04.03.2018
Kleingartenanlage „Am Wasserturm": Die Gärten entlang der Leipziger Straße sind verlassen. Sie werden aufgegeben für ein Hotelprojekt. Quelle: Thomas Steingen
Delitzsch

Wo sich heute noch Kleingärten östlich der Leipziger Straße am Ortseingang von Delitzsch befinden, soll künftig eine Gewerbefläche entstehen. Investor Tarik Wolf beabsichtigt, an der Gartenanlage „Am Wasserturm“ ein Hotelprojekt zu realisieren. Der Delitzscher Stadtrat hat am Dienstagabend den dazu erforderlichen Flächenverkauf an den Investor zum Quadratmeterpreis von 20 Euro einstimmig abgesegnet. Damit ist für das Vorhaben, das neben einem Hotel am historischen Wasserturm ein Beherbergungshaus, Gewerbe, Parkplätze und ein neues Vereinsheim für den Kleingartenverein vorsieht, eine weitere wichtige Bedingung erfüllt.

Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) bezeichnet das Vorhaben als ein wegweisendes Projekt für die Stadt Delitzsch. „Ich bin froh, dass damit ein städtebaulicher Missstand beseitigt wird“, so Wilde. Er bezieht sich dabei auf zweierlei. Zum einen ist der Wasserturm stark sanierungsbedürftig, sodass ein Abriss droht, wenn der Verfall weiter voranschreitet. Zum anderen erregte das äußere Erscheinungsbild der Gärten entlang der Leipziger Straße in der Vergangenheit immer wieder Ärgernis.

31 Gärten verschwinden

Auf der zum Verkauf stehenden Fläche mit einer Größe von rund 14 500 Quadratmetern befinden sich derzeit noch 31 Kleingärten, vier in der Anlage „Sonneneck“ und 27 im Bestand des Kleingartenvereins „Am Wasserturm“. Sie werden verschwinden. Darüber haben sich der Investor und der Delitzscher Kreisverband der Kleingärtner als Generalpächter für Grundstücke in kommunalen Kleingartenanlagen im Vorfeld bereits verständigt. Eine entsprechende Vereinbarung ist von der Stadt Delitzsch, dem Investor, dem Rechtsbeistand des Kreisverbandes und den Vorständen der beiden Gartenvereine unterzeichnet worden.

Die Pachtverträge mit den Parzellenbesitzern sind zum 31. März 2018 aufgehoben worden. Die Besitzer der Gärten werden vom Investor entschädigt. Dazu sind alle Gärten auf Grundlage des Bundeskleingartengesetzes bewertet worden, um die Höhe der Entschädigung zu ermitteln.

Für den Flächenverkauf hat der Gutachterausschuss des Landkreises den Bodenwert unter Beachtung des laufenden Bauleitverfahrens ermittelt und sechs Euro je Quadratmeter als Kaufpreis der Stadt empfohlen. Dem sind die Ausschüsse des Stadtrates nicht gefolgt, viel mehr haben sie sich mit 20 Euro je Quadratmeter auf einem über den im Gutachten ermittelten Wert geeinigt. „20 Euro sind ein Kompromiss, über den wir im Verwaltungs- und Finanzausschuss lange gestritten haben“, berichtete Heike Haase (Linke) als im Stadtrat der Quadratmeterpreis noch einmal hinterfragt wurde.

Diskussion um Kaufpreis

Rüdiger Kleinke (SPD) ging mit einem „komischen Gefühl“ in die Diskussion, weil er befürchtete, die Stadt würde das Land recht preiswert anbieten. „Erst vor einem Monat haben wir im Gewerbegebiet Delitzsch Südwest eine Fläche an einen Investor für 28 Euro je Quadratmeter verkauft“, argumentierte Kleinke. Deshalb schlug er wegen der künftigen gewerblichen Nutzung des Areals vor, auch für die Flächen am Wasserturm 28 Euro für den Quadratmeter zu verlangen.

Damit stieß er fraktionsübergreifend auf Unverständnis. Für 20 Euro existiere ein breiter Konsens, erwiderte Mathias Plath (CDU) und verwies darauf, dass die Stadt die Schraube nicht überziehen sollte, wenn „wir sagen, wir unterstützen das Projekt“. Auch OBM Wilde verteidigte die 20 Euro, weil es sich einerseits um Bauerwartungsland handele und der Investor außerdem die Erschließungskosten und die Entschädigungen für die Kleingärtner zu tragen habe.

Von Thomas Steingen

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