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Delitzscher Tierschützer wollen das Kriegsbeil begraben

Delitzscher Tierschützer wollen das Kriegsbeil begraben

Der Delitzscher Tierschutzverein, Betreiber des Heimes im Ortsteil Laue, steht vor einem Neuanfang. Die Zäsur in der mehr als 20-jährigen Vereinsgeschichte brachte am Donnerstagabend eine Mitgliederversammlung: Zahlreiche nachrückende Mitstreiter wollen die Vereinsarbeit reformieren.

Delitzsch. Mehr interne Kommunikation, mehr Transparenz nach außen, eine effektivere Tiervermittlung, ein besseres Image - so lauten die zentralen Anstöße. Der nun neu gewählte Vorstand spiegelt den Umbruch wider, in Form neuer Gesichter und eines gesunkenen Altersdurchschnitts.

Gut 40 Leute drängten sich im Saal des Bürgerhauses Laue, debattierten mehr als drei Stunden lang. Ein Novum für den Delitzscher Tierschutz. Es waren die vergangenen Monate, die die Mitgliederschaft aufgerüttelt haben - die Zeit seit November, als erstmals die drohende Vereinsinsolvenz und die Schließung des Tierheims in Aussicht gestellt wurde. Finanzielle Engpässe gab es in Laue schon lange, aber mit der Einführung des Mindestlohnes zu Jahresbeginn verschärfte sich die Situation noch einmal (wir berichteten). Seitdem laufen Verhandlungen mit den angeschlossenen Kommunen um höhere Zuwendungen, die Bürgermeister fordern jedoch einen wirtschaftlich effektiveren Heimbetrieb. Auch der Deutsche Tierschutzbund, der zunächst mit 4000 Euro half, drängt auf eine Neuausrichtung.

Und die soll jetzt kommen. In Form eines Konzeptes, erarbeitet vom frisch gewählten Vorstand. Für den Vorstandsvorsitz bewarben sich zwei Kandidaten: Thomas Görner und Yvonne Braumann. Beide 36 Jahre alt und mit Vereinserfahrungen ausgestattet, ansonsten recht verschieden. Der gebürtige Lauer Görner ist seit Jahren eng mit dem Tierdomizil verbunden - als Mitglied, durch im Heim angestellte Familienangehörige und durch das Amt als Ortsvorsteher. Yvonne Braumann trat dem Delitzscher Tierschutzverein erst Ende 2014 bei. "Mit dem Entschluss zu helfen, nachdem ich von der schwierigen Situation gelesen hatte", erklärte die Wolteritzerin. Die Diplom-Betriebswirtin arbeitet im strategischen Marketing, bringt Ideen mit: "Wir sollten zu allen Versammlungen die öffentlichen Geldgeber einladen, über unsere Belange stärker in den Medien informieren und außerdem die Erreichbarkeit per Telefon und E-Mail verbessern."

Das Wahlergebnis: ziemlich knapp. Thomas Görner erhielt 23 Stimmen, Yvonne Braumann 18. Zu den Unterstützern der Wolteritzerin zählten vor allem Mitglieder, die erst in jüngerer Zeit beigetreten sind. Und die auch bei der anschließenden Wahl des übrigen Vorstandes starke Präsenz zeigten. Zur Vereinsführung gehören nun neben Yvonne Braumann die 42-jährige Annett Emmrich und die 27-jährige Melanie Rothe. Aus dem alten Vorstand wiedergewählt wurden Stefan Günzel (57), Tierheimleiterin Gudrun Bernhardt (63) und die bisherige Vorsitzende Andrea Treff (51).

Damit steht der Vorstand erstmals seit Jahren wieder in voller Besetzung. Lange habe es an Bewerbern für Führungsaufgaben gemangelt, deshalb sei eben auch mal was liegen geblieben, erklärte Andrea Treff. Verschiedene Mitglieder monierten am Donnerstag hingegen, ihre Hilfsangebote seien bisher abgelehnt worden.

Das Miteinander von Vorstand und Mitgliederschaft soll sich nun ändern, kommunikativer werden, kündigte Thomas Görner an. "Die Zwistigkeiten müssen raus, wir starten neu. Damit wir hoffentlich bald nicht mehr über die Insolvenz reden müssen." An Unterstützern mangelt es dem derzeit 106 Mitstreiter starken Verein jedenfalls nicht. Yvonne Braumann legte gleich 37 Mitgliedsanträge auf den Tisch: "Die möchten alle beitreten. Jetzt, da der Vorstand neu gewählt ist." © Kommentar

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.06.2015
Kay Würker

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