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Delitzsch Delitzscher beschreiten neue Wege bei Pflege von Demenzkranken
Region Delitzsch Delitzscher beschreiten neue Wege bei Pflege von Demenzkranken
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07:00 10.10.2018
Silvia Haake (links) und Mitarbeiterin Sabine Arndt begrüßen eine Besucherin der Tagespflege-Einrichtung. Quelle: Heike Liesaus
Delitzsch

Wenn Gedanken und Erinnerungen im Kopf wirbeln wie bunte Blätter, die sich vom Baum gelöst haben, dann ist selbstbestimmtes Leben nicht mehr möglich und Pflege nötig. Dabei ist Halt gerade für Alzheimer-Erkrankte in Demenz-Stadien wichtig. Doch was gibt Halt, wenn Erinnerung an andere Menschen verblassen, wenn ein Gespräch gleich wieder vergessen ist? Auch in Delitzsch werden neue Wege gesucht und beschritten, um Betroffenen ein zufriedenes Leben zu ermöglichen. Beim Pflegedienst Haake nahmen vier Mitarbeiterinnen ein Jahr lang am Kurs zur Anwendung der Validations-Methode, welche die amerikanische Gerontologin Naomi Feil bereits in den 1980er-Jahren entwickelte, teil. Sie erhielten jetzt als Erste in Sachsen ihre Zertifikate.

Fortschritte

„Es hat sich zum Glück einiges getan“, sagt Silvia Haake. Die heute 46-jährige Delitzscherin betreibt ihren mobilen Pflegedienst seit 23 Jahren. Anfangs war wenig Zeit, sich auf das Krankheitsbild Demenz zu konzentrieren. Inzwischen gibt es die Finanzierung von Pflegeleistungen über die Kassen. Sogar ein nationaler Expertenstandard des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“ wurde als Grundlage zur Betreuung entwickelt. „Es geht darum, wie schaffe ich es, dass sich dieser Mensch wohl fühlt“, erklärt Jens Frieß, der das Averosa-Institut für Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung in der Pflege in Delitzsch leitet und Vorsitzender des Kreisverbandes der Volkssolidarität ist. „Die Pflegeeinrichtungen setzen sich verstärkt mit dem Thema auseinander. Es gibt gefühlt tausende Methoden. Dabei ist die gezielte Arbeit mit der Biografie der Menschen besonders erfolgreich. Mit dem Wissen um die Persönlichkeit sind eventuell auftretende Aggressionen besser einzuordnen und kann besser damit umgegangen werden.“

Gefühle ansprechen

Das Wort Validation lässt sich in diesem Zusammenhang am beste mit „Bestätigung“ übersetzen. „Diese Methode ist besonders intensiv und tief greifend“, so Silva Haake. „Es geht um Empathie, darum, jemanden wertzuschätzen, ihn dort abzuholen, wo er gerade steht.“ Wenn verwehte Erinnerungen nicht mehr angesteuert werden können, sei es doch dank der Validation möglich, über bestimmte Fragen Gefühle anzusprechen, sodass die Kommunikation über diese Ebene laufen kann. „Denn das Herz hat keine Demenz“, beschreibt es Silvia Haake. So sei es möglich, das Selbstwertgefühl wieder herzustellen, die Kommunikation zu verbessern, damit Stress zu reduzieren und auch Konflikte zu verarbeiten, die in der Vergangenheit liegen. Denn bei einer Demenz-Erkrankung fallen auch die fest im Kopf errichteten Gedanken-Mauern um traumatisierende Ereignisse wie Kriegserlebnisse, die die Erkrankten dann erneut beunruhigen. Auch wenn sie nicht in die Realität zurückkehren, so sollen die Patienten doch ihr inneres Gleichgewicht finden können.

Lohnende Fortbildung

Während ihres Lehrgangs, den auch Silvia Haake absolvierte, haben die vier Mitarbeiterinnen nicht allein an Theorie-Unterrichtsblöcken teilgenommen, sondern auch Hausaufgaben gemacht. Das heißt: Sie zeichneten ihr Agieren mit Patienten auf, sodass es analysiert werden konnte.

Der Aufwand lohne sich. Diese Methode helfe auch den Pflegenden. „Es macht etwas mit dem Klima und mit der Stimmung“, stellt Silva Haake fest. „Die Validationsarbeit mag anstrengend sein, aber ich bin am Ende des Tages zufriedener und froh, wenn ich die glücklichen Augen der Patienten sehe.“

Von Heike Liesaus

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