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Delitzsch Delitzscher haben einen rollenden Saftladen
Region Delitzsch Delitzscher haben einen rollenden Saftladen
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08:15 13.09.2016
Tino Rother (links) und Simon Kruse sind mit ihrer mobilen Saftpresse in Nordsachsen unterwegs. Quelle: Foto: Alexander Prautzsch
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DELITZSCH

Es muss doch noch mehr geben. Es muss doch noch anderes wichtig sein. Endlich mal Dreck unter den Fingern und nicht immer nur die Tastatur. Ins Schwitzen kommen. Nicht ins Grübeln. Was nach Midlife-Crisis der Mittvierziger klingt, ist längst ein Lebensgefühl der 1980er-Jahrgänge geworden. Tino Rother und Simon Kruse haben was daraus gemacht. Einen rollenden Saftladen. Mit einer mobilen Mosterei ziehen sie nun durchs nordsächsische Land und machen aus Obst heimischer Gärten und Streuobstwiesen leckeren Saft. Kennenlernen kann man das kleine Unternehmen „Saft für alle“ nun unter anderem am Wochenende zum Landeserntedankfest in Torgau.

Auf der Suche nach Selbstverwirklichung

Es wird mit Sicherheit wieder „anstrengend schön“ für Simon Kruse und Tino Rother. So beschreiben die beiden Delitzscher Unternehmer das Gefühl der harten körperlichen Arbeit mit ihrer mobilen Saftpresse. Sie muss erst mal aufgebaut werden, dann läuft die eigentliche Pressung und Kilo für Kilo Obst sind in ihren Schlund zu wuchten, es folgt das Reinigen. „Das muss man alles schon mal mindestens zu zweit machen“, sagt Tino Rother. „Saft für alle“ ist Teamwork, betont der 31-Jährige. Ohne ihre Familien, ohne ihre Freunde geht es nicht. Und das ist einer der vielen positiven Aspekte an ihrem Nebengewerbe, einer der unschätzbaren Werte für sie. Zwei Bürohengste haben ihr Glück in der Natur gefunden.

Die 31 und 32 Jahre alten Geschäftspartner kennen sich selbst erst seit rund einem Jahr, haben sich über ihre Frauen kennengelernt und schnell die gemeinsame Schnittmenge gefunden, den Willen, selbst was zu machen. Wie das so ist in dem Alter: Man gründet eine Familie und spätestens da rücken Themen wie Nachhaltigkeit und Selbstverwirklichung zum Wohle aller in den Fokus. Beide haben sie im Berufsalltag mit Verkauf und Logistik und vielen Zahlen zu tun. Nun wollten sie was eigenes machen. „Es hat in den Fingern gejuckt“, sagt Simon Kruse.

Saft wird gefiltert, pasteurisiert und in Kartons abgefüllt

Seit dem Frühjahr läuft das Unternehmen. Ein Freundes- und Familienprojekt bleibe es, betonen die beiden Macher. Auch wenn ihre Namen auf den Flyern und Visitenkarten stehen – eigentlich stehen viel mehr für diesen kleinen Saftladen. Ein guter Freund, der sonst in der Werbebranche Bürohengst ist, packt genauso mit an wie ihre Frauen. Und sie alle erleben dies als „anstrengend schön“.

Für den Kunden ist es ganz einfach: Aus Obst wie Äpfeln, Birnen oder Quitten wird Saft. Ideal wäre eine Obstmenge von 50 Kilo, rund 60 Prozent Saftausbeute kommen da raus. Das Obst – es kann auch gemischt werden – wird dazu gewaschen, zerkleinert und anschließend gepresst. Der Saft wird gefiltert, pasteurisiert und dann wahlweise in wiederverwendbare Kartons mit 3, 5 oder 10 Liter Fassungsvermögen abgefüllt. In den Kartons sind Beutel, durch deren Verarbeitung und Zapfhahn wird erreicht, dass der Saft ungeöffnet mindestens ein Jahr haltbar ist. Geöffnet kann man solche Packungen aber auch locker zwei Monate halten. Die Resonanz der Kunden ist gut, vor allem schauen sie gerne zu, wie aus dem selbst geernteten Apfel süßer Saft wird. „Es ist sehr kommunikativ“, schwärmt Simon Kruse. Aber „Saft für alle“ kauft auch zu, so dass man Saft zur Not auch mal ohne eigene Lieferung kaufen kann.

Noch bis Ende Oktober wird „Saft für alle“ durch die Lande ziehen, auch auf Anfrage. Auf dem Kartoffelhof Lienig im Delitzscher Ortsteil Döbernitz wird jeden Montag und Donnerstag von 17 bis 20 Uhr Obst angenommen. Zudem sind Tino Rother und Simon Kruse bei weiteren Hof- und Erntedankfesten vor Ort.

Termine werden auf der Homepage www.saft-fuer-alle.de laufend aktualisiert.

Von Christine Jacob

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