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Delitzscher handeln gerne mit Delitzsch

Internetkäufer Delitzscher handeln gerne mit Delitzsch

Hat der Mensch Zugang zum World Wide Web kennen weder Sammelleidenschaft noch Heimatliebe Grenzen. Rund 400 Delitzscher Artikel, vor allem Postkarten, werden derzeit zum Beispiel auf der Auktionsplattform Ebay angeboten. Und der Loberstadt-Liebhaber darf sich glücklich schätzen, denn eins ist klar: Delitzsch ist mehr wert als Hamburg oder Berlin

Sie sind recht schmucklos und daher nicht teuer zu handeln: Aktien der Böhme-AG in Delitzsch.

Quelle: privat

DELITZSCH. Im Internet, speziell auf der Auktionsplattform Ebay, wird bekanntlich alles angeboten, was nicht niet- und nagelfest ist. Eine Bank für alle, die gerne sammeln und dabei noch ihre Heimatliebe ausleben wollen. Wer Delitzsch mag, der findet sogar Schokolade zum Ersteigern. Derzeit aber – rund 400 Treffer gibt es mitunter – werden vor allem alte Delitzscher Ansichtskarten und anderes Papier gehandelt.

„Postkarten stehen allgemein sehr hoch im Kurs“, erklärt Daniel Stade vom gleichnamigen Auktionshaus in Grenzach-Wyhlen in Baden-Württemberg und dem äußersten Südwesten Deutschlands. Das Team bietet auch bei Ebay an. „Die eigene Heimatstadt kaufen sich die Leute gerne“, berichtet Stade. Hundertfach könne er neben vielen anderen Städten auch Delitzsch bieten. In großen Mengen kauft er alte Postkarten auf, sortiert sie und verkauft sie wieder. Durchschnittlich 20 Euro koste Delitzsch seine Postkarten-Käufer bei alten Exemplaren, berichtet Daniel Stade, Hamburg dagegen ist schon für Cents zu haben. Und das sei normal: „Eine mittelkleine Stadt ist immer teurer als Hamburg oder Berlin, weil es Artikel nicht so massenhaft gibt. Kleinere Dörfer bei Delitzsch könnte man noch teurer handeln.“

Massenhaft Papier hat auch Hajo Plückers zu bieten. Der 68-Jährige aus Mülheim an der Ruhr ist ein Groß-Aktionär der Delitzscher Böhme AG und hat die Schoko-Aktien noch in großer Anzahl im Keller verstaut. Mehr als 200 der Aktien von Böhme und jede Menge anderer Unternehmen habe er gekauft als kurz nach der Wende insgesamt 15 Millionen Anleihen deutscher Unternehmen versteigert wurden. Dabei bewog ihn auch, dass die Wissoll AG, 1867 in Mülheim gegründet, und Böhme mal ein Unternehmen waren. Da jedoch auch Papier Platz wegnehmen würde, argumentiert der Sammler, verkauft er eben Stück für Stück. 100 bis 150 Aktien der Delitzscher Schokoladenfabrik habe er noch. Um die zehn Euro kosten die alten Aktien die Delitzsch-Fans. „Das ist recht preisgünstig“, sagt Hajo Plückers. „Ich will Böhme bestimmt nicht verramschen“, aber mehr könne er auch nicht verlangen. Die Böhme-Aktien seien in der Regel nichts anderes als Sicherheitsdrucke, eine Gebührenmarke sozusagen und nicht übermäßig attraktiv gestaltet, zudem seien sie nicht selten und der Sammlerkreis von 5000 bis 8000 Leuten jage weniger nach diesen Motiven als nach schmuckvollen und seltenen Aktien.

Wer Delitzsch kauft, ist Jäger und Sammler zugleich. Und bleibt am liebsten anonym: „Der Markt ist sehr eng, da will man seine Tipps nicht preisgeben“, erzählt ein Ebay-Ersteigerer. Neben den Delitzscher Motiven, die zum Beispiel das Flanieren an der Wallgraben-Promenade oder historische Straßenzüge zeigen, seien natürlich auch die Schreiben an sich interessant. „Das ist eine andere Welt, nicht so eine schnelllebige Kommunikation wie heute, wo man kaum noch einen echten Brief oder eine Ansichtskarte im Postkasten findet“, schwärmt ein anderer Käufer. Weil der Markt aber zur echten Jagd werde, seien inzwischen auch Preise bis zu 30 Euro drin. Auch das Museum Barockschloss Delitzsch hat vor Jahren schon bei Ebay gekauft. Mit Böhme-Aktien oder alter Werbung findet das Archiv Ergänzungen. Seit Jahren allerdings sei nichts mehr ersteigert worden. Und als städtische Einrichtung verkauft das Museum auch nichts. Auf einen großen privaten Fundus greift übrigens Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) zurück, wenn er beispielsweise auf seinem Facebookprofil oder in Gruppen Historisches verbreitet. Der größte Teil seiner Postkarten und historischen Fotos stammt aus der Familie oder wurde von ihm selbst in den vergangenen 30 Jahren fotografiert. Er sei auch kein typischer Sammler, sondern im Kontext der städtebaulichen Entwicklung und Architekturgeschichte an der Stadt interessiert.

Von Christine Jacob

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