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Delitzsch Delitzscher will Initiative für bezahlbare Kita-Plätze
Region Delitzsch Delitzscher will Initiative für bezahlbare Kita-Plätze
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07:00 30.10.2017
Kita-Plätze sind ein hoher Kostenfaktor – nicht nur für Eltern. Quelle: dpa
Delitzsch

Es regt sich was im politischen Delitzsch. Und dies nicht nur unter den gewählten Volksvertretern und im Rathaus, sondern von der echten Basis aus – in der Bürgerschaft. Die Loberstadt soll eine neue Bürgerinitiative (BI) bekommen, die sich für bezahlbare Kinderbetreuung in den Tagesstätten stark machen will.

Matthias Ulrich. Quelle: Christine Jacob

Matthias Ulrich ist der Kopf hinter dieser neuen politischen Bewegung in Delitzsch. Im Stadtrat selbst ist der 34-Jährige inzwischen kein unbeschriebenes Blatt mehr. Als die ab 2018 um im Schnitt 20 Euro höheren Elternbeiträge für die Betreuung in Kitas beschlossen worden sind, hat er vor gut einem Monat bereits getan, was ein Bürger eben tun kann: die Bürgerfragestunde genutzt, seine Stimme erhoben, seine Meinung gesagt. Und er hat seine Mitmenschen aufgerufen, zur jüngsten Stadtratssitzung zu kommen. Etliche folgten am vergangenen Donnerstag bereits diesem Aufruf, Matthias Ulrich will am Ball bleiben. Nun arbeitet der bald zweifache Familienvater daran, dass in der Loberstadt die Elternbeiträge nicht immer weiter nach oben klettern – das nämlich deuten sämtliche Prognosen an. Deutlich wird schon im Arbeitstitel, dass es ihm nicht um das Kontra geht: „BI für eine gute und bezahlbare Kinderbetreuung“ lautet das Motto und eben nicht „gegen zu hohe Elternbeiträge“. Es geht nicht darum, gegen die Politiker zu arbeiten – es geht um Kooperation. Matthias Ulrich und seine Mitstreiter wollen mit der Stadtverwaltung und mit den Stadträten zusammen arbeiten, auch die Kitas mit ins Boot holen und gemeinsam an einer Lösung arbeiten, mit der alle leben können.

Kostendruck steigt

Gerne beschlossen hat schließlich keiner der 30 Stadträte, dass die Familien tiefer in die Taschen greifen müssen, um ihren Nachwuchs betreuen zu lassen. Einen schwarzen Peter allein an die Stadt zu schieben, ist nämlich nicht richtig. Die Kostensteigerungen für die Kita-Betreuung, die schlussendlich nun an die Eltern durchgereicht werden mussten, sind auch damit begründet, dass der Landesanteil bei den Plätzen die letzten Jahre entweder stagniert oder fast konstant bleibt. Bei den zuletzt 925,07 Euro Personal- und Sachkosten im Jahre 2016 zum Beispiel für einen Krippenplatz deckte der Elternbeitrag in Höhe von 189,63 Euro aber nur 180,21 Euro der Gesamtkosten – 19,5 Prozent. Der Landeszuschuss belief sich auf nur 169,72 Euro. Dagegen steigen also nun die Kosten für die Kommunen und für die Eltern immer weiter – der Krippenplatz kostet eine Familie ab Januar 213 Euro monatlich. Hintergrund für die Kostensteigerungen insgesamt sind gestiegene Personal- und Sachkosten in sämtlichen Betreuungsformen. „Wenn das so weiter geht, bezahlt man in sieben Jahren fast 500 Euro für einen Krippenplatz“, warnt Matthias Ulrich.

Bürgerbeteiligung erwünscht

Kinder seien die Zukunft der Gesellschaft, argumentiert der 34-Jährige. „Bezahlbare Kita-Plätze hätten sicher noch einmal guten Einfluss auf den Zuzug nach Delitzsch.“ Es müsse kreativer über mögliche Gegenfinanzierungen der Kinderbetreuung nachgedacht werden, so könnten zum Beispiel Unternehmen Kitas unterstützen und so den Kostendruck minimieren.

Vier Wochen harte Arbeit liegen hinter Matthias Ulrich. Er hat sich mit Stadträten getroffen, viel recherchiert und so die BI-Idee entwickelt. Bürger sollten sich mehr einbringen, hofft er, dass noch mehr Delitzscher seinem Beispiel folgen. Zu kontaktieren ist er am besten über Facebook. Oder wenn er wieder im Stadtrat ist – als Gast mit Ideen.

Von Christine Jacob

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