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Delitzscher will geringere Strafe – und muss nun doch in Haft

Landgericht Leipzig Delitzscher will geringere Strafe – und muss nun doch in Haft

Ein drogenabhängiger junger Mann erhoffte sich mit einer Berufung eine mildere Strafe. Vier Monate Freiheitsentzug standen im Raum unter anderem für Diebstahl und Hehlerei. Die Vorsitzende Richterin des Landgerichts sah kaum bis gar keine Chance, das Amtsgerichtsurteil zu verändern. Der Angeklagte zog die Berufung zurück.

Das Strafgesetzbuch.

Quelle: dpa

Delitzsch. Das Vorhaben ging gehörig daneben. Henrik G. zog vor das Leipziger Landgericht, um eine Strafe, die zuvor das Eilenburger Amtsgericht ausgesprochen hatte, korrigieren zu lassen. Im März 2016 hatte das dortige Gericht eine viermonatige Freiheitsstrafe ausgesprochen, weil es der Auffassung war, dass sich der junge Mann der Hehlerei, der Urkundenfälschung, des Diebstahls und des unbefugten Besitzer von Betäubungsmitteln schuldig gemacht hat. Das Urteil, gegen das Henrik G. in Berufung ging, verlas die Vorsitzende Richterin Gabriele Plewnia-Schmidt. Sie brauchte dafür einige Minuten. Dort kamen jede einzelne Straftat zur Sprache. So habe er beispielsweise von einem Kumpel ein Rennrad für 250 Euro erworben, obgleich er wusste, dass es gestohlen war. „Bei dem Kaufpreis hätte es ihm zudem sofort auffallen müssen“, schlussfolgerte die Richterin. Das Rad hatte einen Zeitwert von 1500 Euro. Eine Delitzscher Polizeistreife stoppte ihn später mit dem Rad und konnte an Hand der Rahmennummer nachweisen, das es zumindest als gestohlen gemeldet wurde. Um möglicherweise von weiteren Ermittlungen abzulenken, reichte er einen Kaufvertrag bei den Delitzscher Beamten nach. Der stellte sich beim genaueren Hinsehen als Totalfälschung heraus. Bei einer weiteren Personenkontrolle durch die Delitzscher Polizei, Henrik G. befand sich gerade in Döbernitz, wurden 0,18 Gramm eines Cannabisgemisches entdeckt. Einen Monat danach leistete er sich im Delitzscher Supermarkt Kaufland einen Diebstahl und wurde erwischt.

Straftaten zugegeben

Die einzelnen Straftaten gab Henrik G. bereits in Eilenburg zu. Was ihm nicht schmeckte, war die Freiheitsstrafe. Darauf würde er doch zu gern verzichten, zumal er diesbezüglich bereits Erfahrungen sammeln durfte. Als 20-Jähriger verbüßte er bereits eine Freiheitsstrafe - ein Jahr, zwei Monate.

Die Richterin räumte durchaus ein, dass sich über die Art der Bestrafung reden ließe, schließlich komme es auch auf die damaligen Tatumstände an. Sie stellte Fragen, Hendrik G. beantwortete sie. Nicht immer wahrheitsgemäß, wie sich später zeigte.

Bereits mit zwölf Jahren nahm Henrik G. die ersten Drogen. „Ich begann zu kiffen.“ Seinen Eltern kamen mit dem Jungen nicht zurecht, gaben ihn in ein Heim ab. Mit 14 hing er schon an der Nadel, spritzte sich Heroin. Erst mit 16 verließ er das Heim. Als er 18 war, kam Crystal-Meth hinzu. Henrik G. brach mehrere Lehren ab. Zuletzt die als Maler. Da zog der Betrieb die Reißleine. Man trennte sich nach fast zwei Jahren von ihm, weil er die Berufsschule nicht mehr besuchte. Die Schuld für sein Versagen sieht er in seinem Drogenkonsum. Der sei auch schuld, dass er in diesem Jahr aus dem Fenster und sechs Meter in die Tiefe fiel. Glück im Unglück hatte er. Statt querschnittsgelähmt, halten jetzt Titanplatten seine Lendenwirbel zusammen. Unmittelbar nach dem Unfall kam er, mehr oder weniger aus eigenem Antrieb, zur Entgiftung. Dort attestierte man ihm, dass er glaubhaft versicherte, von den Drogen zu lassen. Allerdings wurde er kurz vor Ende des Klinikaufenthaltes aus disziplinaren Gründen entlassen. Er hatte einen Mitpatienten geschlagen.

Weiter Drogen konsumiert

„Das alles liegt jetzt vier Monate zurück. Was haben sie in dieser Zeit gemacht?“, fragte die Richterin. Eigentlich nichts. Keine Therapie angefangen, keine Bewerbungen geschrieben, dafür wichtige Termine verpasst, weiterhin Drogen konsumiert. Die Richterin und die beiden Schöffen blickten sich da nur an und schienen sich einig. Die Reaktion bemerkte auch die Delitzscher Rechtsanwältin Katja Borrmann und bat ihren Mandanten zum Einzelgespräch vor die Tür. Nur einen Moment später dann die Entscheidung: Henrik G. zieht die Berufung zurück.

Jetzt erwarten ihn tatsächlich vier Monate Gefängnis. Eine Ausnahme: Wenn es ihm gelingt, noch einen Langzeittherapieplatz zu ergattern, könnte es noch ein kleines Wunder geben. Die Chance dafür ist da.

Von Ditmar Wohlgemuth

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