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Delitzschs neuer Wirtschaftsförderer sieht sich als Lotse

Interview Delitzschs neuer Wirtschaftsförderer sieht sich als Lotse

Die Delitzscher Wirtschaftsförderung liegt seit August in den Händen von Alexander Lorenz. Damit verantwortet der 35-Jährige auch die lokalen Geschicke in puncto Tourismus und Marketing. Im Interview spricht der Referatsleiter über die ersten Wochen im Amt und was er sich für die nächste Zeit vorgenommen hat.

Wirtschaftsförderung ist in Delitzsch Chefsache. Alexander Lorenz (rechts) ist in Ökonomie-Belangen die rechte Hand von Oberbürgermeister Manfred Wilde.

Quelle: Kay Würker

Delitzsch. Wirtschaft, Tourismus, Marketing, Bundeswehr – im Delitzscher Rathaus ist all das in einem Referat gebündelt. Alexander Lorenz führt das Ruder. Im August wurde der 35-Jährige vom Stadtrat zum Nachfolger von Ricarda Steinbach gewählt, ist seitdem in Ökonomie-Fragen die rechte Hand von Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos). Im Interview reden OBM und Referatsleiter über Berufspendler, Einkaufsführer und Stammtischgespräche.

Herr Lorenz, Sie sind jetzt zwei Monate in Delitzsch. Welchen Eindruck haben Sie gewonnen?

Einen sehr positiven. Delitzsch wird nicht umsonst als Perle bezeichnet. In den Gesprächen mit Gewerbetreibenden und Institutionen vor Ort hat sich dieser Eindruck noch verstärkt.

Was gibt’s für Sie zu tun?

Die Rahmenbedingungen in Delitzsch mit rund 10 000 Erwerbstätigen und vielen kleinen und mittelständischen Betrieben sind günstig. Herausforderungen sind der Fachkräftemangel und die Suche nach Interessenten für Betriebsübernahmen, wenn Firmenchefs in Rente gehen. Hinsichtlich Fachkräften ist die Sogwirkung großer Leipziger Unternehmen spürbar.

Wie können Sie als Wirtschaftsförderer agieren?

Ich sehe mich als Lotse bei individuellen Anfragen und nutze dabei regionale Netzwerke – Landratsamt, Kammern, Verbände, Nachbarkommunen. Für den 1. November habe ich zum Wirtschaftsstammtisch eingeladen, der Unternehmern Gelegenheit zum Kennenlernen bietet. Der Austausch ist wichtig, um über die Möglichkeiten in Stadt und Region Bescheid zu wissen. Das gilt auch für Arbeitnehmer: Rund 60 Prozent der Delitzscher Erwerbstätigen sind Auspendler, von denen viele auch in der Heimatstadt arbeiten könnten.

Für Arbeitskräfte aus Bitterfeld-Wolfen und dem Saalekreis ist Delitzsch ebenfalls interessant. Durch die Grenzlage zu Sachsen-Anhalt gewinnen wir zusätzliches Fachkräftepotenzial.

Vor sechs Jahren sind die Rathaus-Ressorts Wirtschaft und Tourismus verschmolzen. Hat sich das bewährt?

Definitiv ja. Der Tourismus ist Teil der lokalen Wirtschaft, insofern ist die Verzahnung sinnvoll. Auf Landkreisebene findet sich die gleiche Struktur. Wir profitieren dadurch zum Beispiel bei der Beantragung von EU-Fördermitteln, wo ökonomische und touristische Aspekte oft ineinander greifen.

Außerhalb des Rathauses scheint die Verzahnung von Tourismus und Wirtschaft noch ausbaufähig. Wer als Gast in die Stadt kommt, sucht vergebens ein Wegweisersystem für Gastrobetriebe.

Wir haben damit begonnen, die touristischen Ziele neu auszuweisen. Eine einheitliche Ausschilderung der Hotels und Gaststätten sollte aus den Reihen der Werbegemeinschaft initiiert werden. Sie ist für solche Anliegen die geeignete Plattform.

Braucht nicht eher die Werbegemeinschaft die Unterstützung der Stadt? Zum Beispiel durch einen Innenstadtkoordinator?

Dieses Arbeitsfeld ist besetzt. Mit Christian Maurer, der mit halber Stelle zum Referat Wirtschaftsförderung gehört. Er kümmert sich sehr aktiv zum Beispiel um den Adventsmarkt und den Frühlings- und Genussmarkt – starke Publikumsmagneten, von denen die Händler der Innenstadt profitieren. Die Stadtverwaltung unterstützt die Händler auch mit dem gedruckten Einkaufsführer und bei dem Vorhaben, original Delitzscher Einkaufstüten anzubieten. Eine ausgewiesene Koordinatorenstelle würde unseren Rahmen sprengen.

Der Einkaufsführer steht seit Kurzem auch im Internet, das Gastgeberverzeichnis wird folgen. Das hilft Auswärtigen, sich in der Stadt zu orientieren. Und natürlich den Bundeswehrangehörigen, die rund fünf Prozent der Delitzscher Bevölkerung ausmachen und dadurch eine starke Kaufkraft bilden.

Was haben Sie sich für die nächsten Monate vorgenommen?

Im November steht in puncto Genossenschaftsidee die Entscheidung der Unesco an. Dieses große öffentliche Interesse muss genutzt werden. Zum Beispiel auch auf der nächsten Messe Haus-Garten-Freizeit in Leipzig, wo Delitzsch einen eigenen Stand haben wird. Hinsichtlich der lokalen Wirtschaft versuche ich, bei der Mitarbeitersuche zu unterstützen. Am 27. Dezember gibt es zudem einen Rückkehrertag im Markt Zwanzig, in Kooperation mit Landratsamt und Agentur für Arbeit. Viele, die es in die Ferne verschlagen hat, kommen zur Weihnachtszeit auf einen Familienbesuch zurück. Ihnen wollen wir Angebote machen, wieder die Heimat für sich zu entdecken. Interview:

Von Kay Würker

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