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Delitzsch Der Biber ärgert Brinnis
Region Delitzsch Der Biber ärgert Brinnis
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07:00 23.07.2016
Der Naulandgraben hin zur Delitzscher Gemarkung steht voll Wasser und einige Bäume sind schon umgelegt. Quelle: Wolfgang Sens/Christine Jacob (Montage)
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Brinnis

„Das ist wie eine Flasche hier, hinten ist es dicke und vorne wird es eng. Das kann ja nicht funktionieren.“ Das sagt Mike Grunzel über das Grabensystem rund um Brinnis. Der Schönwölkauer Ortsteil hat zuletzt stark unter den Folgen von Unwettern gelitten. „Bei etwas mehr oder dann starkem Regen läuft das Mitteldorf voll“, schildert Mike Grunzel, „das Wasser fließt einfach nicht weg.“ Der Brinniser wird 47, sein ganzes Leben hat er eigentlich im Dorf verbracht, er ist der „Feuerwehrhäuptling“ und kennt sein Revier genau. Er ist CDU-Gemeinderat in Schönwölkau und Ratsmitglied in der Verbandsversammlung des Abwasserzweckverbandes Unteres Leinetal (AZVUL). Und immer wieder ist in beiden Gremien einer Thema – der Biber.

Nach einem Starkregen im Juni steht das Wasser auf den Straßen des Dorfes – es dauert, bis es abfließt, die Gräben sind dicht. Quelle: Mike Grunzel/privat

Den sieht nicht nur Grunzel, sondern sehen auch viele andere im Dorf und der Gemeinde als kleinen Nager mit großer Wirkung auf das Grabensystem. Bürgermeister Volker Tiefensee (CDU) forderte vor Jahren sogar schon Jagdrecht für den Biber. Nachweislich seit nun fast sechs Jahren lebt der Biber im Naulandgraben. Nicht nur im Bereich der Delitzscher Ortsteile Beerendorf-Ost und Spröda. Dort setzen die Nager mit ihren Dämmen kontinuierlich Wiesen unter Wasser. In Brinnis, so der Glaube, sorgt vor allem er für Überflutungen im Dorf. Der Naulandgraben ist geprägt von Staustufen, Bäume sind vom Biber gefällt, andere stehen im Wasser und sind fast oder schon ganz abgestorben. „Erschwerend hinzu kommt dann noch, dass die anderen Gräben nicht in Schuss sind. Aber wer soll es machen und bezahlen?“, bedauert Mike Grunzel weitere Belastungen. Die Gräben, sofern vorhanden, sind zwischen den Feldern auch ohne Einfluss des Bibers dicht bewuchert. Der mache das Kraut dann aber erst recht fett mit seinen Dämmen.

Biber ist in Delitzsch und Umgebung nicht alleinige Ursache

Sieht man das im Landratsamt, mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) auch zuständig für Biber-Belange, auch so? Naturgemäß nicht: „Die Ursachen für auftretende Überflutungen sind meist vielfältig und nicht in erster Linie nur dem Biber anzulasten“, teilt das Landratsamt auf Anfrage mit. Auch in der Ortslage Brinnis seien in den zurückliegenden Jahrzehnten „gravierende“ Veränderungen am System der Oberflächenentwässerung vorgenommen worden. „Es erfolgten insbesondere Verrohrungen – in teilweise zu geringen Dimensionen – sowie Umverlegungen von Entwässerungsgräben ohne ausreichende Beachtung von Gefälleverhältnissen“, schildert die Behörde. Darüber hinaus seien die Grünlandflächen nördlich von Brinnis fast vollständig nicht mehr vorhanden. Dabei dienten sie als Retentionsraum, also als Flächen, die bei Hochwasser überflutet werden und so ein zu starkes Ansteigen des Wassers verhindern. Stichgräben, die das Niederschlagswasser früher schnell abführen konnten sind größtenteils ebenso nicht mehr funktionsfähig. So wird Brinnis zu einem Beispiel, stellvertretend für viele andere Orte: „unsachgemäße Veränderungen natürlicher Entwässerungsverhältnisse einhergehend mit mangelnder Unterhaltung“ und damit wird die Entwässerungssituation deutlich verschärft. Die verrohrten Gewässern müssten geöffnet werden.

Die so oft von Landwirten und Bürgern gewünschte Umsiedlung des Bibers wird es nicht geben. Das sei rechtlich kaum vorstellbar, heißt es aus dem Landratsamt. „Der Gewässerunterhaltungspflichtige muss sich mit der Behörde abstimmen, um Lösungsansätze zu finden welche dem Schutz der Art gerecht werden und zugleich Abhilfe bei der Konfliktbewältigung leisten“, schildert das Landratsamt. Artenschutz und Aspekte wie der Hochwasserschutz müssen in Einklang gebracht werden. Der Biber ist streng geschützt. Es gibt die Möglichkeit, per Antrag zu Lösungen wie zum Beispiel dem Abbau von Biberdämmen per Menschenhand zu kommen. Im Rohrgraben nahe des Schönwölkauer Ortsteils Lindenhayn gelang das der Gemeinde wohl schon einmal.

Von Christine Jacob

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