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Der Schatz vom Kirchendach

Der Schatz vom Kirchendach

Mit Spannung verfolgten am Freitagvormittag un- und mittelbar Beteiligte der Sanierung der Delitzscher Stadtkirche Peter und Paul die Demontage der beiden Turmbekrönungen.

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In über 40 Metern Höhe wird die Kirchturmbekrönung demontiert.

Quelle: Alexander Bley

Delitzsch. Eine der beiden Kupferkugeln beinhaltete unerwartet viele historische Dokumente, die nach der letzten Sanierung 1964 für die Nachwelt deponiert worden waren.

Am Donnerstag hatten die Gerüstbauer die letzten acht Meter der Rüstung bis zu den beiden Turmspitzen in 44 Metern Höhe vorangetrieben. Während die Bauleute in luftiger Höhe noch die letzten Handgriffe für die Abnahme von Wetterfahne, Kreuz und Kugeln erledigten, wurde unten spekuliert, was man finden würde. Vermutung: wenig original Erhaltenes.

Problemlos holte Zimmererpolier Bernd Piotrowski die Bekrönungen von der Spitze. Um 11.27 Uhr lagen die Teile sicher im Aufzug. "Solide Handwerksarbeit für die 1960er-Jahre", sagte er danach. Und war schließlich erstaunt, wie viel Wertvolles Pfarrer Stephan Pecusa in einem der beiden Turmknöpfe fand.

Zwei verschlossene Rollen holte er aus heraus - eine kleinere, scheinbar ältere aus Zink, die in Teerbinden gewickelt war, und eine größere aus Kunststoff. Was in den Rollen zum Vorschein kam, überraschte alle. Zunächst entfaltete Pecusa wie erwartet eine LVZ vom 14. November 1964. "Tag der Weltjugend, LVZ-Gespräch mit ausländischen Studenten" las er die Schlagzeile vor. Dann kam ein Gemeindebrief von 1962 zum Vorschein, in dem um Spenden für die Kirchsanierung gebeten wird. Die handgeschriebene Originalchronik zur Erneuerung der Stadtkirche vom 28. September 1964 löste Erstaunen aus, das sich verstärkte, als der Pfarrer mehrere Dokumente aus den 1880er-Jahren, in denen die Kirche schon einmal erneuert wurde, zeigte. Völlig überrascht war der Geistliche schließlich, als er die Baubeschreibung für den Kirchturm von 1691 in den Händen hielt. Natürlich fehlten auch Münzen nicht. Neben Pfennig- und Markstücken der damaligen DDR-Währung kamen ältere Geldstücke zum Vorschein. Darunter ein Reichstaler von 1815 und eine sächsische Silbermark von 1813. Für Mitte der 1960er-Jahre "ist es ungewöhnlich, dass so viele historische Dinge in die Kassette gelegt worden sind", zeigte sich Delitzschs Stadtoberhaupt Manfred Wilde (parteilos) genauso überwältigt wie der Pfarrer, der das Ganze mit "So viele historische Belege haben ich nicht erwartet. Ich bin sehr beeindruckt" kommentierte.

Das Gefundene wandert zunächst in den Tresor. Originaldokumente sollen fürs Stadtarchiv kopiert, von Handschriften sollen Abschriften angefertigt werden. Die Originale kommen als Beigabe wieder in die aufgearbeiteten Bekrönungen. "Das könnte zum Erntedankfest geschehen. Die neuen Wetterfahnen werden wir nach Zeichnungen von 1873 gestalten lassen", so Architekt Frank Gebhardt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.06.2013

Thomas Steingen

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