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Der Strand Dreihausen ist vorerst passé

Der Strand Dreihausen ist vorerst passé

Seit der Flut ist am Seelhausener See bei Löbnitz nichts mehr, wie es war. Im Raum stehen dabei nicht nur die aktuellen Zerstörungen, sondern gar eine Zäsur in der gesamten Entwicklung des Gewässers.

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Blick auf den Seelhausener See, im oberen Bereich des Fotos: Vom Bereich Dreihausen (Bildmitte) ist kaum noch etwas zu sehen. Diese Luftaufnahme entstand Anfang Juni, doch der Wasserstand ist seitdem nur leicht gesunken.

Quelle: Feuerwehr Löbnitz

Löbnitz. "Für den See und die benachbarte Goitzsche ist ein fundiertes neues Hochwasserschutz-Konzept nötig", sagt Andreas Berkner, Leiter der Regionalen Planungsstelle im Planungsverband Leipzig-Westsachsen. "Bis dahin sollte auf Bauvorhaben im Bereich des Strandes Dreihausen verzichtet werden."

So schnell, wie das Wasser kam, schwammen die Pläne davon. Dabei war erst Ende Mai ein wesentlicher Schritt vollzogen worden: Das Fördermittelbudget für die Badebucht Dreihausen am Nordostufer des Seelhausener Sees wurde festgeklopft. Eine eigens gebildete sogenannte Paragraf-vier-Arbeitsgruppe hatte die Landesgelder für die Nachnutzung der Bergbaufolgelandschaft aufgeteilt. Drei- hausen galt als Schwerpunkt: Etwa drei Millionen Euro seien eingeplant worden, um ein Strandareal mit Wassersportzentrum, Gastronomie, Park- und Campingplatz zu schaffen. Der Entwurf ist fertig, im August sollte der Gemeinderat Löbnitz per Beschluss den Weg fürs Baurecht bahnen.

Doch aus alledem wird wohl so schnell nichts: Professor Andreas Berkner, der hinsichtlich Planungen und Bergbau-Fördermitteln zu den Hauptakteuren in der Region zählt, hält das Projekt in seiner bisherigen Form für nicht mehr tragbar. "Wir können keine drei Millionen Euro in ein Areal stecken, das auch in Zukunft von Überflutungen bedroht sein wird", sagt Berkner im LVZ-Gespräch. Er habe sich darüber schon mit der Gemeinde verständigt.

Im Moment ist von den betroffenen Flächen kaum etwas zu sehen. Auch zwei Wochen nach der Flut prägen gewaltige Wassermassen das Bild. Die Staatsstraße 12, die von Löbnitz nach Pouch führt, ist überspült, ebenso angrenzende Landstriche. Für Regional- planer Berkner kommt, wie er sagt, jedoch lediglich der Zeitpunkt der Katastrophe unerwartet - nur rund elf Jahre nach der letzten großen Flut. "Dass der Bereich latent gefährdet ist, war mir klar. Man hat nach 2002 lediglich Symptome kaschiert, aber nicht das grundsätzliche Problem gelöst. Umso wichtiger ist es, sich vom Projekt Strand Dreihausen nun erst mal zu verabschieden und zunächst länderübergreifend daran zu arbeiten, das Wasser zu kontrollieren." Berkner schlägt die Erarbeitung eines Konzeptes vor, das Seelhausener See und Goitzsche als Speicher des Muldewassers ertüchtigt, um ausreichend Rückhaltekapazität zu haben. Der Lober-Leine-Kanal in seiner jetzigen Form sei eine Achillesferse und deshalb aufzugeben.

Die Zeit sei günstig, entsprechende Umbaumaßnahmen anzuschieben. Zwar sei mit Kosten in Höhe von geschätzten 100 Millionen Euro zu rechnen, doch die Finanzierung lasse sich theoretisch zu 75 Prozent mit Bundesmitteln stemmen - über die Restsumme müssten sich Sachsen und Sachsen-Anhalt einigen. Bundesmittel für Hochwassergebiete wurden bekanntermaßen bereits freigelenkt. "Was in den nächsten Wochen nicht angegangen wird, dürfte wieder versanden", drückt Berkner aufs Tempo. Wissend, dass dennoch vieles mit Bedacht zu beraten ist. Nicht zuletzt mit der Gemeinde Löbnitz. Unter anderem muss besprochen werden, wie die für Dreihausen reservierten Fördermittel anderweitig genutzt werden können - "vorrangig an anderen Stellen des Seelhausener Sees".

Offen für möglicherweise völlig neue Lösungen im Hochwasserschutz am Seelhausener See zeigt sich auch der Steuerungs- und Budgetausschuss für die Braunkohlesanierung - ein Gremium aus Vertretern des Bundesfinanz- und Bundesumweltministeriums sowie Amtskollegen aus den Ländern. Am Montag verschaffte sich der Ausschuss einen Überblick über die Situation an Goitzsche und Seelhausener See. "Es besteht jetzt die Chance, manche Entscheidung aus den Vorjahren zu überdenken, und der Ausschuss wünscht sich dabei die Einbindung von vor Ort Kundigen", betonte gegenüber der LVZ Friedrich von Bismarck, Leiter der Bund-Länder-Geschäftsstelle für die Braunkohlesanierung. Er geht von einem aktuellen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe aus. "Eine genaue Beurteilung kann aber erst erfolgen, wenn die Wasserstände wieder den Normalstand haben. Bis spätestens Anfang September sollen die Kosten beziffert sein", sagt von Bismarck.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.06.2013

Kay Würker

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