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Delitzsch Deutsch steht hoch im Kurs
Region Delitzsch Deutsch steht hoch im Kurs
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14:51 19.05.2015
Freude im Kursraum an der Volkshochschule: Migranten aus dem Raum Delitzsch erhielten gestern nach 600 Stunden Deutschunterricht ihre Zertifikate und dazu je eine Rose. Wegen der hohen Nachfrage waren diesmal zwei Lehrgänge parallel gelaufen. Quelle: Kay Würker

Gestern erhielten Absolventen an der Volkshochschule ihre Sprach-Zertifikate.

Für Jalal Mohamed Amin war es ein großer Tag. Er hat den Deutschtest für Zuwanderer bestanden. Gestern erhielt er sein Zertifikat, das ihm das Sprachniveau B1 bescheinigt. Das entspricht etwa dem Fremdsprachvermögen eines Oberschülers nach vier, fünf Jahren Unterricht. Für den Syrer die Eintrittskarte ins neue Berufsleben. "Ich habe schon im Asylbewerberheim in Spröda angefangen, Deutsch zu lernen", erzählt der 42-Jährige. Er könne zwar bereits Kurdisch, Arabisch, Türkisch, Englisch und Russisch. Doch die Flucht aus dem Bürgerkriegsland in eine neue Heimat zwang Jalal Mohamed Amin, noch einmal hinzu zu lernen.

Zusammen mit ihm erhielten gestern knapp zwei Dutzend weitere Kursteilnehmer ihre Abschlusspapiere an der Volkshochschule. Nicht alle haben B1 bestanden, etwa die Hälfte muss wiederholen. Doch diese Quote sei gut, schätzt Mitarbeiter Tino Potyka ein. Er muss es wissen, schließlich gehört der sogenannte Integrationskurs seit Langem zum festen Programm der Bildungsstätte. Neu ist allerdings die verstärkte Nachfrage. "In den vergangenen Jahren hatten wir jeweils einen Kurs mit bis zu 14 Leuten. 2013 konnten wir zwei Gruppen aufmachen." Die Teilnehmer kommen aus ganz unterschiedlichen Weltregionen: von Polen und Kasachstan bis Thailand und Vietnam. Gelehrt und separat geprüft werden Schreiben, Sprechen sowie Hören und Lesen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge finanziert die 600 Unterrichtsstunden währende Ausbildung - je nach Fall mal komplett, mal anteilig. Zwei Anläufe sind möglich, dann sollte die Prüfung bestanden sein.

"Voraussetzung ist die Aufenthaltsgenehmigung", sagt Tino Potyka. Das Asyl-Antragsverfahren, sofern nötig, muss mit Positiv-Bescheid abgeschlossen sein, dann gibt es den Berechtigungsschein für den Besuch des Integrationskurses. Weil das in der Regel Monate dauert, bietet der Landkreis unabhängig davon eine Art Einsteiger-Sprachschule für Grundvokabeln.

Weniger bürokratisch ist die Situation bei Kindern. Wegen der Schulpflicht werden sie automatisch an einer Bildungsstätte untergebracht. Was allerdings bis April vergangenen Jahres nicht automatisch hieß, dass sie dort gezielt Deutsch lernen. Wie berichtet, wurde in Delitzsch lange um eine Stützpunkt-Grundschule gekämpft, die eine spezielle Deutschlern-Klasse für Erst- bis Viertklässler bieten kann. An der Grundschule am Rosenweg ist das inzwischen gelungen - rund 20 Kinder aus Flüchtlingsfamilien aus dem gesamten Altkreis haben ausschließlich Deutsch als Zweitsprache (DaZ) auf dem Stundenplan. Andere mit besseren Sprachkenntnissen sind im alltäglichen Unterricht integriert, erhalten jedoch separate Deutschförderung.

Der Sohn von Jalal Mohamed Amin besucht die Artur-Becker-Oberschule. Auch die Bildungsstätte im Delitzscher Osten ist Stützpunktschule, für die Älteren. 18 Schüler zählt dort die DaZ-Klasse im Moment - es gab eine Reihe von Neuzugängen in den vergangenen Monaten. 14 weitere Schüler erhalten die unterrichtsbegleitende Förderung.

Jenseits der Schulpflicht, auf freiwilliger Basis, bietet auch das Berufliche Schulzentrum (BSZ) eine Art DaZ-Angebot für Migranten. "Vorbereitungsklasse mit berufspraktischen Aspekten nennt sich das", sagt Schulleiter Wolfgang Fröhlich, "weil auf niedrigem Niveau auch die fachliche Orientierung eine Rolle spielt. Es geht darum, Sprache am praktischen Beispiel zu lernen, zum Beispiel beim Umgang mit dem Computer." Bereits im Jahr 2000 habe das BSZ dieses Angebot gestartet. "Dann gab es mal eine Unterbrechung, weil die Nachfrage fehlte. Aber seit zwei, drei Jahren haben wir wieder zahlreiche Interessenten", berichtet Wolfgang Fröhlich. Die Klassenstärke liege in der Regel bei etwa 16 Leuten. Die zuständige Fachlehrerin gebe den 18- bis 27-Jährigen vorab eine Laufbahnberatung. Denn das Ziel des Deutschunterrichts ist in der Regel immer das Gleiche, egal ob am Schulzentrum oder an der Volkshochschule: die Integration in Alltags- und Berufsleben.

Jalal Mohamed Amin möchte fortsetzen, was in Syrien sein Broterwerb war: "Ich möchte wieder als Rechtsanwalt arbeiten, hier studieren", sagt er. Er werde nun die deutschen Gesetze büffeln. Und sich um den nächsten Sprachkurs kümmern. B2 hat er sich vorgenommen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.01.2014
Kay Würker

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