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Delitzsch Die Mitarbeiter der Daimler-Tochter Cars in Wiedemar kämpfen für einen Tarifvertrag
Region Delitzsch Die Mitarbeiter der Daimler-Tochter Cars in Wiedemar kämpfen für einen Tarifvertrag
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14:53 22.11.2018
Die IG Metall rief die Beschäftigten bei der Cars Technik & Logistik GmbH in Wiedemar am 22. November zu einem dreistündigen Warnstreik und einer Demonstration auf. Sie erhöhte damit den Druck auf die schon Monate dauernden Verhandlungen bei der Daimler Tochter. Quelle: Mathias Schönknecht
Wiedemar

„Wir wollen wieder dahin zurück, wo wir schon einmal waren“, sagt Torsten Mundrzyk. Der Betriebsratsvorsitzende bei der Cars Technik & Logistik GmbH in Wiedemar kämpft seit Monaten dafür, dass die Daimler-Tochter zum Tarifvertrag für das Kfz-Handwerk zurückkehrt. So wie es zur Gründung des Unternehmens vor 16 Jahren schon einmal war.

Cars-Betriebsrat fühlt sich von Daimler nicht ernst genommen

Um dieses Ziel zu erreichen, steckt er zusammen mit der IG Metall Leipzig seit Anfang des Jahres in Gesprächen mit der Daimler-Geschäftsleitung. Es geht um ein langfristiges Gesamtpaket aus Entgelt, Sonderzahlungen und Arbeitszeit. Nachdem es am 22. Oktober zum ersten Warnstreik in Wiedemar gekommen war, trafen sich Geschäftsleitung und IG Metall am 20. November erneut zu Verhandlungen. Diese wurden allerdings ergebnislos unterbrochen.

Um den Druck nun noch einmal zu erhöhen, rief die IG Metall die Cars-Beschäftigten gestern zu einem dreistündigen Warnstreik und einer Demonstration auf. Trotz knackigen zwei Grad Celsius versammelten sich gut 70 Mitarbeiter um 9.30 Uhr vor dem Werkstor an der Junkersstraße im Wiedemarer Gewerbegebiet.

Peter Aehnelt ist seit 15 Jahren im Betrieb beschäftigt und Mitglied im Betriebsrat. Er hat zusammen mit Mundrzyk an der vorerst letzten Verhandlung mit dem Daimler-Mutterkonzern teilgenommen. Der 52-Jährige fühlt sich von der Geschäftsleitung nicht ernst genommen. So sei ihnen im Gespräch beispielsweise verdeutlicht worden, dass eine Grippewelle im Werk am Stammsitz in Stuttgart-Untertürkheim für Daimler viel bedeutender sei, als ein Warnstreik in Wiedemar, berichtet Aehnelt.

Betriebsratsmitglied Peter Aehnelt spricht während des Warnstreiks mit dem Mitteldeutschen Rundfunk. Quelle: Mathias Schönknecht

Die weitere Botschaft des gut eineinhalb stündigen Gesprächs sei gewesen, dass es keine Rückkehr zur 37-Stunden- Woche geben wird, wie es sie in den ersten drei Jahren nach der Unternehmensgründung 2002 schon einmal gegeben hatte. Der Austritt von Cars aus der Tarifbindung bedeute damals für die gut 220 Mitarbeiter neben einer 40- statt 37-Stunden-Woche, auch zwei Tage weniger Urlaub, Urlaubs- und Weihnachtsgeld nur noch als freiwillige Prämie und keine oder nur noch gekürzte Lohnerhöhungen. Inzwischen betrage der Rückstand zum Tariflohn des Kfz-Gewerbes laut IG-Metall 184 Euro pro Monat – dies entspreche neun Prozent.

Betriebsrat sorgt sich um Zukunft von Cars

In Bezug auf die Verhandlungen sagt Gewerkschaftssekretär Steffen Reißig: „Obwohl sich bei den Entgeltbausteinen gute Kompromisse abzeichnen, wie die Lücke von rund neun Prozent zum Kfz-Handwerkstarifvertrag in den nächsten Jahren geschlossen werden kann, gibt es keine Bewegung beim Thema Arbeitszeitverkürzung. Unter den Prämissen die Wettbewerbsfähigkeit der Cars nachhaltig zu sichern und alle Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten zu verbessern, hat die IG Metall weitreichende Lösungsvorschläge zum Thema Arbeitszeit unterbreitet, die bisher alle abgelehnt wurden.“

Der Betriebsratvorsitzende Torsten Mundrzyk am 22. November beim dreistündigen Warnstreik der Daimler-Tochter Cars vor dem Werkstor in Wiedemar. Quelle: Mathias Schönknecht

„Wir wollen in der Region interessant für junge Fachkräfte bleiben“, fasst Betriebsratschef Mundrzyk die Situation zusammen. Es bringe nichts, wenn hier Daimler-Tochter draufstehe, aber Unternehmen woanders attraktivere Bedingungen bieten. Dann gingen die Leute aus der Region dennoch dahin. „Das bereitet mir Sorgen für die Zukunft“, sagt der 45-Jährige.

Die Cars Technik & Logistik GmbH in Wiedemar baut derzeit beispielsweise Mercedes-Benz-Autos zu Polizei-Einsatzfahrzeugen um und übernimmt den Lkw-Transport zum Kunden. Neben den 220 Mitarbeitern beschäftige die Firma laut Betriebsrat derzeit auch etwa 80 Leiharbeiter.

Von Mathias Schönknecht

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