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Delitzsch Die „Schuldfrage“ um Fällungen am Wallgraben in Delitzsch
Region Delitzsch Die „Schuldfrage“ um Fällungen am Wallgraben in Delitzsch
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08:00 26.02.2019
Unsere Reporterin traf sich zum Kaffee mit Matthias Mittmann, Anwohner und Kenner des Delitzscher Wallgrabens. Quelle: Gerda Mittmann
Delitzsch

Aufregende Themen gibt es immer – und Menschen, die sich einmischen, kritisieren, etwas ändern wollen. Die LVZ nimmt sich die Zeit und hört Ihnen zu. In der Serie „Auf einen Kaffee mit“ stellen wir Sie und Ihre Themen in loser Folge vor. Wir bringen den Kaffee gerne mit – und wollen von Ihnen hören, was Sie bewegt. Heute: Matthias Mittmann vom Schalom-Begegnungszentrum, Wallgraben-Anwohner.

Delitzscher will ordentlichen Wallgraben

Es wurde und wird viel diskutiert um die Wallgraben-Sanierung seit 33 Bäume gefällt wurden, um Baufreiheit zu schaffen. Viele Delitzscher sind sauer auf die Verwaltung. Kürzlich tauchten Plakate mit der Aufschrift „Wallgraben 2019 Schämt Euch!“ auf. Matthias Mittmann hat das ins Grübeln gebracht. Der 58-Jährige ist keiner, der wild drauflos schimpft, kein Krakeeler. Er sieht die Baumfällungen auf seine besonnene Art kritisch. Die Reaktionen darauf aber auch. Die Plakate mit dem „Schämt Euch!“ entdeckte er just, als er mit seinem fast drei Jahre alten Enkel auf dem Weg zum Spielplatz lief. „Die Baumstümpfe mit ihren großen Baumscheiben waren noch gut erkennbar und zogen die aufmerksamen Blicke meines Enkelsohnes an“, berichtet Matthias Mittmann. Angesichts der Plakate aber blieb für Matthias Mittmann auch die Frage, wie er all das seinem Enkel kindgerecht erklären könnte. „Ich habe mich gefragt: Bin auch ich gemeint? Soll ich mich jetzt auch schämen? Schämen, weil ich Baumalleen liebe und einen jahrzehntelangen Wildwuchs nicht verhindert habe?“, fragt sich der engagierte Delitzscher, „schämen, weil ich oft über ein unsauberes, ungepflegtes Delitzsch schimpfe und mich doch viel zu selten nach Unrat und Schmutz bücke? Schämen, weil ich es zulasse, dass viele Bürger achtlos tausende Kippen wegwerfen, und Papierkörbe sinnlos zerstört werden?“ Es sind zahlreiche Fragen, die im Kopf des Delitzschers umhergeistern.

Plakate wie dieses tauchten am Delitzscher Wallgraben auf Quelle: Christine Jacob

Matthias Mittmann weiß, dass es kein Schwarzweiß und allzu einfache Antworten gibt. „Wir wünschen uns Städte mit gepflegten Anlagen und Gärten; und alles soll schön aussehen, vielleicht wie in den meisten Privatgärten“, hat der Familienvater beobachtet. Aber er sagt auch: „Alles braucht sehr, sehr viel Pflege und bedarf der Erneuerung, von der leider oft erst die nächsten Generationen profitieren werden.“ So eine Sanierungsmaßnahme stellt vielleicht der geplante Bau am Wallgraben dar. So kann er den Schmerz nachvollziehen, der für viele mit der Fällung der Bäume verbunden ist. „Ich kann mich gut an die Zeit erinnern, als ich mit meiner großen Liebe, meiner Frau, vor über 30 Jahren an der Wallgrabenpromenade gesessen habe und alles war wild und zugewuchert. Wir fanden es schön. Aber leider wird das nicht der Vorstellung von einer gepflegten Kulturlandschaft gerecht.“ Als die Stadtverwaltung Anfang Februar die Fällaktion angekündigt hatte, sei er schnell losgelaufen, um alles noch einmal im Bild festzuhalten.

Traurig über Fällungen

„Ja, ich habe getrauert und war wütend“, gibt der Delitzscher zu, „diese schönen alten Bäume!“ Die Wallgrabenpromenade zähle für ihn zu den Attraktionen der Stadt. Probleme gibt es nicht erst jetzt, erinnert Matthias Mittmann: „Ich habe getrauert, weil alte, ehrwürdige Ulmen in den vergangenen Jahren gefällt wurden, weil sie von einem Pilz befallen waren und über viele Jahre hinweg ganz langsam starben. Es stehen noch mehr von den sterbenden Ulmen an der Promenade.“ Seit Jahren schaue er sich den sterbenden Wallgraben an, der zuwuchert, „mit Tonnen von Müll zugeschüttet ist, der den Lebensraum des Fischbestandes stark einschränkt“. Und so komme er nicht umhin, angesichts solcher Sprüche auch von Scham zu sprechen. „Ich schäme mich, weil ich mich zwischen ,nicht gut‘ und ,nicht gut‘ entscheiden muss“, findet Matthias Mittmann weder die weitere Verschlammung des Wallgrabens noch die Fällungen gut. Er wolle aber die Schuld nicht an andere geben: „Ich will es besser machen und für eine Zukunft meiner Enkel sorgen.“

Von Christine Jacob

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