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Die Zählerin der Rackwitz-Millionen

Die Zählerin der Rackwitz-Millionen

Doppik – dieser Kurzbegriff für die Einführung der doppelten Buchführung in der öffentlichen Verwaltung macht seit geraumer Zeit die Runde. In den Rathäusern beschäftigt die Neuerung teilweise ganze Mitarbeiterstäbe, bereitet vielfach Kopfzerbrechen.

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Computer, Akten und Taschenrechner sind ihr Handwerkszeug: Kathleen Stahnisch lotst Rackwitz ins Zeitalter der doppelten Buchführung.

Quelle: Kay Würker

Rackwitz. In Rackwitz allerdings bucht und inventarisiert Kathleen Stahnisch schon auf der Zielgeraden. Im August oder September will die Sachgebietsleiterin dem Gemeinderat die Eckdaten der Eröffnungsbilanz präsentieren – früher als die Verwaltungen in den meisten anderen Kommunen. Das Fazit ist schon absehbar: Rackwitz besitzt Millionenwerte und schwimmt doch nicht im Geld.

Kathleen Stahnisch macht nicht den Eindruck, als sei sie von Zahlen zermürbt. Im Gegenteil: Sie lächelt viel, plaudert munter, lehnt sich im Gespräch auch mal entspannt zurück. Sie liegt gut in der Zeit, so viel ist sicher. Bereits seit 2005 hat sie das Thema Doppik in Bearbeitung – mal mehr, mal weniger intensiv. Und dass sie in den nächsten Wochen den Hauptteil der Mammutaufgabe abschließen wird, stimmt sie zufrieden. Zum 1. Januar 2012 soll die Rackwitzer Gemeindeverwaltung offiziell auf die doppelte Buchführung umgestellt werden. Viele andere Kommunen hingegen schöpfen die gesetzliche Frist bis 2013 voll aus.

Hinter Kathleen Stahnisch liegen anstrengende Monate. Alles, was in jüngster Zeit in Sachen Doppik in Rackwitz zu erledigen war, landete früher oder später auf ihrem Tisch. „Die Umstellung ist in erster Linie eine Fleißaufgabe“, schildert die 27-Jährige. Die doppelte Buchführung soll mehr Transparenz in Bezug auf Kosten und Vermögen bringen. Eine wesentliche Bedingung dafür sind Inventuren. „2008 sind wir als erstes in die kommunalen Einrichtungen gegangen“, erklärt Stahnisch, die dabei unter anderem Unterstützung von Kämmerei-Mitarbeiterin Ellen Rackwitz erhielt. In Kitas, Schulen, Feuerwehren, Bibliotheken und natürlich im Rathaus selbst: Überall wurde das Inventar dokumentiert. „Wir sind mit Zähllisten rein, haben alles Vorhandene aufgeschrieben, mit Barcode-Etiketten versehen, in den Computer eingegeben und danach in alte Rechnungen geguckt, um einen aktuellen Wert der Gegenstände zu ermitteln.“ Insbesondere die Bewertung sei enorm aufwendig gewesen, sagt die Verwaltungsexpertin und zeigt auf lange Reihen von Stehsammlern auf dem Wandschrank, die mit Tausenden Rechnungsbelegen gefüllt waren.

2009 folgte dann die Befahrung der Gemeindestraßen per Videowagen, wie sie kürzlich in Krostitz stattfand (wir berichteten). Zwar agierte dabei eine Fremdfirma, doch auch sie fragte zur Bewertung nach Rechnungen für sanierte Straßenabschnitte. Kathleen Stahnisch wechselte zwischendurch Schreib- gegen Wickeltisch, nahm ein Jahr Elternzeit. Doch seit Oktober 2010 steht sie in der Rackwitzer Doppik-Offensive wieder in vorderster Position. Zuletzt ermittelte sie die Sachwerte der kommunalen Gebäude und unbebauten Grundstücke. „Ich habe mich in das Thema gut gefunden, da ich schon in der Ausbildung damit konfrontiert war“, erzählt sie. Die Krostitzerin, die im Rackwitzer Rathaus den Beruf der Verwaltungsfachangestellten lernte und danach Job begleitend Verwaltungsbetriebswirtschaft studierte, besuchte schon ab 2005 erste Infoveranstaltungen zur Doppik. 2008 wurde sie Doppik-Projektleiterin, soll nun als Sachgebietsleiterin für Bilanzierung und Kostenmanagement die doppelte Buchführung dauerhaft überwachen.

Ihre aktuellen „Baustellen“: „Ich habe gerade vom Gutachterausschuss des Landkreises neue Bodenrichtwerte bekommen. Die müssen eingearbeitet werden. Außerdem läuft noch die Bewertung der Plattenbauten im Neubaugebiet.“

Es sind die letzten Zahlen, die ihr zur sogenannten Eröffnungsbilanz noch fehlen. Dann wird offengelegt, wie groß das Vermögen der Gemeinde ist. Einige Millionen Euro kommen zusammen, das steht fest. Ist Rackwitz also auf einen Schlag alle Finanzsorgen los? „Natürlich nicht“, sagt die Vermögensverwalterin. „Das meiste lässt sich nicht mal eben zu Geld machen, weil es gebunden ist. Nur fünf Prozent des Gesamtvermögens sind bewegliche Objekte. Und Sachwerte von Häusern und Grundstücken entsprechen in der Regel nicht den Verkehrswerten.“

Immerhin: Das Vermögen deckt die Schulden auf der Gegenseite. Die Gemeinderatsmitglieder werden sich davon demnächst überzeugen können. Dann bekommen sie auf zwei Din-A4-Seiten präsentiert, was Kathleen Stahnisch und ihre Unterstützer in mehreren Jahren erarbeitet haben.

Kay Wuerker

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