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Dreister Fall: Bankmitarbeiter bedient sich an Sparbuch einer Tauchaer Rentnerin

Amtsgericht Eilenburg Dreister Fall: Bankmitarbeiter bedient sich an Sparbuch einer Tauchaer Rentnerin

Weil ein Bankangestellter vom Sparbuch einer Seniorin aus Taucha 20 000 Euro abgehoben hat, muss er sich vor dem Amtsgericht Eilenburg verantworten.

Das Eilenburger Amtsgericht.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Was sich David K. (Name geändert) als Bankberater der Sparkasse Leipzig im Jahr 2016 geleistet hat, ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Er nutzte das Vertrauen einer damals 90-jährigen Frau schamlos aus, um sich zu bereichern. Dafür bekam er in zweifacher Hinsicht die Quittung. Zum einen war er nach Bekanntwerden der Tat – er hatte sich an dem Sparbuch der alten Dame bedient und 10.000 Euro abgehoben – sofort entlassen worden. Zwar versuchte David K. mit Hilfe seiner Eltern den Schaden möglichst außergerichtlich zu klären, doch die Bank ließ sich darauf nicht ein und zeigte ihn wegen Untreue an. Die Staatsanwaltschaft ging der Anzeige nach und beantragte einen Strafbefehl.

Strafbefehl wegen Untreue

Dem Antrag folgte das Eilenburger Amtsgericht im November 2017. Offenbar hielt das Gericht den damals 29-Jährigen für hinreichend verdächtig, die ihm vorgeworfene Straftat begangen zu haben. Die Beurteilung erfolgt lediglich nach Aktenlage und ohne Hauptverhandlung.

David K. ging fristgerecht in Einspruch, schien offenbar mit der Höhe der Strafe nicht einverstanden, woraus sich die Notwendigkeit einer Hauptverhandlung ergab. Die fand dieser Tage am Eilenburger Amtsgericht statt, den Vorsitz hatte Richterin Eva Gerczewski.

Kundin wollte mit Geld helfen

Staatsanwalt Thomas Kannegießer fasste die Vorwürfe zusammen. Demnach soll der Angeklagte in zwei selbstständigen Handlungen vom Konto einer Tauchaerin jeweils 10.000 Euro abgehoben haben. „Dazu war er weder beauftragt noch bevollmächtigt“, betonte der Staatsanwalt und warf ihm Untreue vor.

David K. war der langjährige Kundenberater der betagten Tauchaerin. Sie hatte großes Vertrauen in die Arbeit des Bankangestellten. Die Rentnerin zeigte sich jetzt bitter enttäuscht, als sie von den Verfehlungen erfuhr. Zumal sie angeboten hatte, David K. finanziell zu helfen. „5000 Euro wollte ich ihm geben, weil er mich früher ja auch unterstützte und gut beriet“, sagte die Frau als Zeugin aus. Doch David K. reichte die Summe nicht, er wollte und brauchte 10.000 Euro, um die Schulden, die aus seiner Spielsucht entstanden waren, zu begleichen. Diese Offenbarung kam für die betagte Rentnerin einem Schock gleich. „Ich konnte da gar nichts mehr sagen.“

Geldumschlag weggesteckt

David K. hatte daraufhin die Auszahlungsformulare ausgefüllt, offenbar auch von der Tauchaerin unterschreiben lassen, auch wenn die sich nicht mehr daran erinnern konnte. Mit einem Umschlag voller Scheine kam er vom Schalter zurück, zeigte sie der Kundin und ließ den Umschlag in seinem Schrank verschwinden. Ehe die Tauchaerin die Bank verließ, schärfte David K. ihr mehrfach ein, „keinem, wirklich keinem“ davon zu erzählen. Das hätte sie wohl auch nicht, wenn ihr Tage später nicht Ungereimtheiten bei ihren Auszügen aufgefallen wären. Weitere 10.000 Euro fehlten vom Sparbuch. Darauf stellte die Seniorin den Berater zur Rede, verlangte auch einen Schuldschein.

Geständnis

„Es stimmt, ich habe mich im zweiten Fall von dem Konto bedient“, räumte der Angeklagte ein. Die ersten 10.000 Euro empfand er eher als Schenkung, quasi als Dank für seine Leistung gegenüber der Kundin. Genau hier gehen die Auffassungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung auseinander. Und auch die Aussage der Betroffenen konnte keine Klärung herbeiführen. Es sei weder eine Rückzahlungspflicht noch eine Frist für die Rückzahlung vereinbart worden. Die Seniorin wurde von dem „unmoralischen“ Anliegen von David K. förmlich überrumpelt.

Gutachten bescheinigt Spielsucht

Ein Gutachten bestätigte dem Gericht, dass David K. ein Suchtproblem habe und deshalb seit einem Jahr in Therapie ist. Obgleich eine Tat wegen des Geständnisses des Angeklagten quasi strafrelevant ist, will das Gericht als auch die Staatsanwaltschaft geklärt wissen, wie ein Bankberater diese Tat begehen konnte ohne aufzufallen. Es steht die Frage: Haben Kontrollmechanismen versagt? Dazu sind weitere Zeugen geladen.

Ob die Tauchaerin jemals den gesamten Betrag von 20.000 Euro vom Angeklagten erhalten wird, ist offen. Eigenen Angaben nach hat David K., derzeit arbeitslos, mehrere 10.000 Euro Schulden angehäuft und kein Geld, diese zu begleichen. Er ist dem Vernehmen nach in die Privatinsolvenz gegangen.

Von Ditmar Wohlgemuth

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