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Drogenabhängiger kommt aus dem Knast und begeht die nächste Straftaten

Strafverfahren Drogenabhängiger kommt aus dem Knast und begeht die nächste Straftaten

Fast zwei Dutzend Vorstrafen zählte der Staatsanwalt für den Angeklagten auf. Nun kommt eine weitere Verurteilung wegen Diebstahls, Hausfriedensbruch und Erschleichen von Leistungen hinzu. Das Eilenburger Amtsgericht verhängte gegen einen 35-jährigen Drogenabhängigen eine fünfmonatige Freiheitsstrafe, die nicht zur Bewährung ausgesetzt wird.

Öffentlich verhandelt.

Quelle: picture alliance / dpa

Eilenburg. Im November vergangenen Jahres wurde Fritz I. (Name geändert) nach 25 Monaten Haft aus dem Strafvollzug in Torgau entlassen. Keine sechs Wochen später beging er seine nächste Straftat. Diese und drei weitere führten jetzt zu einem nächsten Auftritt vor Gericht. Diesmal war es das Eilenburger Amtsgericht. Für den 35-Jährigen eine Premiere. „Hier bin ich das erste Mal“, sagte er, als ihn zwei Justizbeamte in Handschellen in den Sitzungssaal führten. Gegen den derzeit Obdachlosen wurde im März Haftbefehl erlassen, um seine Teilnahme am Gerichtsverfahren überhaupt zu ermöglichen. Der eher schmächtig wirkende Mann nahm die Situation zunächst gelassen hin, mit zunehmender Verhandlungszeit wurde er jedoch immer angespannter. Zur Eskalation kam es aber selbst bei der Urteilsverkündung nicht, auch wenn es ihm weitere Monate hinter Gitter einbrachte.

„Das mit dem Wodka war ich nicht“

Als die Staatsanwaltschaft ihm zwei Diebstähle, einen Hausfriedensbruch und Schwarzfahren vorhielt, reagierte er spontan, auch ein wenig aufgebracht und warf der Anklagebehörde ungefragt entgegen: „Das mit dem acht Flaschen Wodka war ich nicht. Das können sie mir nicht anhängen.“ Er beschuldigte einen anderen, er sei lediglich verwechselt worden. In der Beweisaufnahme und der Befragung von Zeugen stellte sich jedoch eindeutig heraus, dass genau er es war, der von den Detektiven festhalten wurde. Fritz I. habe sogar das Protokoll eigenhändig unterschreiben.

Geständnis des Angeklagten

Alle anderen Straftaten wie beispielsweise den Diebstahl von Lebensmitteln und Alkohol im Delitzscher Rewe-Markt, auch den Hausfriedensbruch im Supermarkt Kaufland in der Delitzscher Sachsenstraße gab er unumwunden zu. „Wenn ich Mist baue, dann stehe ich auch dazu. Aber das andere war ich nicht“, betonte er. Im Rewe-Markt war er kurz vor Weihnachten von einer Verkäuferin erwischt worden, als er Waren im Wert von etwa 63 Euro unbemerkt an der Kasse vorbeischleusen wollte. Der Verkäuferin war der Mann allein schon wegen seines Erscheinungsbildes aufgefallen, gab sie vor Gericht bekannt. Weil ihr das passende Wort zur Beschreibung nicht gleich einfiel, half der Angeklagte selbst: „Heruntergekommen.“ Offenbar kannte er seine damalige Situation ziemlich genau. Die Verkäuferin nickte nur. Sie habe daraufhin den Mann nicht mehr aus den Augen gelassen und dabei entdeckt, wie er sich Ware unter die Jacke steckte. „Den Schnaps haben wir dann auch noch im Rucksack gefunden“, erzählte sie weiter. Fritz I. leistete keinen Widerstand. „Auffällig war nur, dass er sehr viel redete. Als wäre er betrunken oder unter anderen Drogen.“

Seit früher Jugend drogenabhängig

Damit lag die Frau bei ihren Beobachtungen richtig. Seit früher Jugend ist der Angeklagte drogenabhängig. Diebstähle gehörten dazu, um seine Sucht zu finanzieren. Insgesamt 23 Vorstrafen listet das Bundeszentralregister auf. Mehr als die Hälfte gehen auf einschlägige Delikte wie Diebstahl zurück.

Im Supermarkt Kaufland in Delitzsch hatte Reinigungspersonal Fritz I. Mitte Januar kurz vor 5 Uhr schlafend auf der Damentoilette gefunden. Er hatte zuvor Alarm ausgelöst. „Ich weiß nicht, wie ich dort hingekommen bin. Ich war stinkbesoffen.“ Crystal Meth, Heroin und andere Drogen hätten ihn den Kopf vernebelt. Vermutlich war er nach Marktschluss nur eingeschlossen worden, denn Spuren für ein gewaltsames Eindringen oder für einen Diebstahl gab es nicht.

Keine Bewährung

Für die Staatsanwaltschaft stand zweifelsfrei fest, dass Fritz I. die ihm vorgeworfenen Taten begangen hat. Auch wenn der Schaden gering war – die gestohlenen Waren verblieben in den Märkten und die nicht gelöste Fahrkarte kostete 3,90 Euro – , beantragte sie eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten ohne Bewährung.

Als notwendig und ausreichend sah Richterin Carmen Grell eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten, allerdings auch ohne Bewährung. Auch für sie stand fest, dass für den ehemaligen Förderschüler keine günstige Sozialprognose bestand, obgleich sie einige Punkte zugunsten des Angeklagten werten konnte. Zum Beispiel sein Geständnis.

Fritz I. ist wieder auf freiem Fuß. Der Haftbefehl gegen ihn wurde aufgehoben. In Kürze wird ihn allerdings die Aufforderung der Staatsanwaltschaft zum Haftantritt erreichen. Vorausgesetzt, er findet einen festen Wohnsitz, wo ihm die Post auch zugestellt werden kann.

Von Ditmar Wohlgemuth

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