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Dulig lädt in Delitzsch zum Diskutieren ein

Küchentisch-Tour Dulig lädt in Delitzsch zum Diskutieren ein

Martin Dulig hat seinen Küchentisch am Mittwochabend im Delitzscher Bürgerhaus aufgestellt. Der SPD-Chef und Wirtschaftsminister tourt seit Jahren mit seinem Tisch durchs Sachsenland und bittet zum Gespräch. 50 Delitzscher folgten der Einladung

Sachsens SPD-Chef und Wirtschaftsminister Martin Dulig macht in Delitzsch mit seinem Küchentisch Station und stellt sich den Fragen.

Quelle: Alexander Prautzsch

Delitzsch. Martin Dulig hat seinen Küchentisch am Mittwochabend im Delitzscher Bürgerhaus aufgestellt. Der SPD-Chef und Wirtschaftsminister tourt seit Jahren mit seinem Tisch durchs Sachsenland und bittet zum Gespräch. Die besten Berater des 42-Jährigen sind seine Frau und seine sechs Kinder, zuhause in Moritzburg am Küchentisch. So sei die Idee entstanden, an den Küchentisch einzuladen. Er stehe symbolisch für respektvolle Gespräche auf Augenhöhe. Getreu dem Motto: Wir bringen den Tisch mit und sie die Fragen. Dulig wolle Vertrauensarbeit leisten.

Ein Konzept, das offensichtlich funktioniert, gut 50 Delitzscher nahmen um den Tisch herum Platz. Dulig hatte sich mit Petra Köpping (Ministerin für Gleichstellung und Integration), den Delitzscher SPD-Bundestagskandidaten und Stadtrat Rüdiger Kleinke und den SPD-unverdächtigen Pfarrer Matthias Taatz ein wenig Unterstützung an den Tisch gesetzt.

Eileen Mägel moderiert

Moderatorin Eileen Mägel musste nicht lange bitten. Fabian Beuche aus Sprotta wollte wissen, was die SPD gegen die Altersarmut tun will. Die SPD sei am Mindestlohn „mit schuld“, dieser programmiere Altersarmut. „Wer heute 2000 Euro brutto oder weniger verdient, und das sind nach meiner Erkenntnis 40 Prozent der Beschäftigten, landet als Rentner in der Grundsicherung“, warf der Sprottaer in den Saal. Dulig outete sich als Verfechter der Agenda 2010 und bemühte sich um eine Antwort auf diese zugegeben sehr schwierige Frage. Er sprach von gerechter Entlohnung und davon, dass der Mindestlohn „eine Sittlichkeitsgrenze“ ist. Das Problem sei derzeit nicht gelöst. „Ich kämpfe um höhere Tarifanbindung. Viel mehr Menschen in Sachsen brauchen gute Bezahlung und gute Tarifverträge“, so der Minister. Dulig warb für „mehr Wertschätzung für die duale Ausbildung“. Rüdiger Kleinke, selbst Unternehmer (Ebrosia) und Arbeitgeber, beschäftigt 25 Mitarbeiter und zahlt „klar mehr als den Mindestlohn“. Unter anderem auch, weil inzwischen nicht nur Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt fehlen. Fazit: Arbeit müsse so entlohnt werden, damit Altersarmut erst gar nicht entsteht. Theorie.

Zu viele Zweckverbände

Robert Lehmann, Geschäftsführer von Railmaint Delitzsch, kritisierte die Organisation des Nahverkehrs in Sachsen. Hier gibt es fünf Verkehrsverbünde und damit fünf Geschäftsführer, die bezahlt werden, und fünf Ansprechpartner. Das wesentlich größere Berlin-Brandenburg löse das beispielsweise mit einem Verband viel effektiver. Dulig stimmte schnell zu, outete sich als Insider zur Freude von Lehmann. „Fünf Zweckverbände sind zu viele. Wir brauchen eine Vereinheitlichung des Tarifsystems, müssen die Attraktivität des Öffentlichen Personennahverkehrs erhöhen.“ Daran werde gearbeitet.

Wovon im Alter leben?

Antje Neumann aus Delitzsch ist alleinerziehende Mutter, hat eine geistig behinderte Tochter. 1988 musste sie ihre Arbeit aufgeben, pflegt seitdem ihre Tochter. 850 Euro Unterhalt gibt es vom geschiedenen Mann, 470 Euro bekommt die Tochter. Am Küchentisch fragte sie: „Nach aktuellem Stand bekomme ich einmal 345 Euro Rente. Wovon soll ich als Rentnerin leben? Wirkliche Antworten gab es nicht. Das Problem der Delitzscherin soll im Nachgang aufgearbeitet werden. Ministerin Köpping sprach davon, dass die Rentenproblematik aufgearbeitet werden müsse. Dabei dürfe nicht ständig die Frage nach der Bezahlung im Vordergrund stehen. „Große Reserven“ sehe sie zudem in der Besteuerung von Firmen.

Delitzscher Gymnasiasten bieten Geld an

Delitzscher Gymnasiasten hatten bei einem Kuchenbasar 177,06 Euro gesammelt. Das war eine Aktion gegen Lehrermangel. „Wenn sie eine Idee haben, was sie mit dem Geld machen können, dann kriegen sie es von uns!“, so das Angebot der Schüler an Dulig. Applaus.

Eileen Mägel sprach am Ende die eingangs erwähnte Vertrauensarbeit an. Wo stehen wir in zwei Jahren mit der Vertrauensarbeit? Pfarrer Taatz sei immer optimistisch, er sagte: „Wir sind auf einem guten Weg, miteinander zu reden und nicht zu schreien.“ Rüdiger Kleinke sieht einen Anfang gemacht. „Wir reden und werden Ergebnisse sehen.“ Petra Köpping hofft, dass in zwei Jahren geerntet werden kann, was heute gesät wurde. Und Martin Dulig möchte in zwei Jahren sagen: „Hier ist etwas entstanden, hier wird miteinander geredet“.

Neben Antje Lehmann erwarten weitere Fragensteller Post aus Dresden. Auch die Themen Grundwasseranstieg, antiquiertes Kommunalrecht und finanzielle Belastungen für Freie Träger gingen in die Verlängerung. Die nächste Küchentischtour in Nordsachsen führt Martin Dulig übrigens am 24. April nach Taucha.

Welches Erlebnis am Küchentisch werden Sie nicht vergessen, Herr Dulig?

In Aue setzte sich eine Frau an denTisch, die das, was ihr unter den Nägeln brannte, schriftlich vorbereitet hatte, um es am Tisch vortragen zu können. Inhaltlich lagen wir an einigen Stellen weit auseinander. Aber ihre ehrliche und sachliche Art ermöglichte es uns, uns gegenseitig besser zu verstehen. Auch wenn die Meinungen an einem Abend weit auseinander gehen, schaffen wir es, uns gegenseitig zuzuhören. Das muss uns auch insgesamt wieder mehr gelingen.

Was möchten Sie nie wieder am Küchentisch erleben?

Ich möchte nicht zu lassen, dass die Grenzen des Anstandes im Umgang miteinander verletzt werden. Insgesamt verlaufen unsere Küchentischveranstaltungen sehr gut. Es kann schon mal passieren, dass die Debatte am Tisch etwas lauter wird. Viele Menschen wenden sich mit Zorn und Groll von der Politik ab, das merken wir auch am Ton. Gerade deshalb ist es aber wichtig, dass wir zuhören und sachlich und ehrlich auf Augenhöhe diskutieren.

Was passiert bei Duligs zu Hause am Küchentisch

Die Küche ist wie bei vielen anderen Familien in Sachsen auch der kommunikativste Ort und das absolute Familienzentrum. Es wird gespielt und gelacht. Hier tagt der Familienrat, es wird gemeinsam gegessen und Hausaufgaben gemacht.

Von Frank Pfütze

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