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Dunkle Wolken statt Sunset

Dunkle Wolken statt Sunset

Löbnitz. Bernhard Schwarz versteht die Welt nicht mehr. Seit Anfang März arbeitet der 34-Jährige an der Verwirklichung eines Traumes.

Nun droht er zu scheitern, weil ihm die Bauordnungsbehörde des Landkreises Nordsachsen die Genehmigung zum Aufstellen eines mobilen Imbisswagens verweigert. Die schriftliche Begründung liegt ihm mittlerweile vor. Erleuchtet wurde der Existenzgründer davon aber auch nicht.

Für das Kopfschütteln und die Ablehnung hat sich die Behörde viel Zeit gelassen. Für ein vergleichsweise kleines Vorhaben nutzte sie den gesetzlichen Rahmen von drei Monaten fast bis zum letzten Tag aus. Im Mai hatte Schwarz den Antrag gestellt. "Ich will nur einen mobilen Imbissanhänger aufstellen, kein Einkaufscenter mit Tiefgarage errichten", betont Schwarz, der gelernter Bäcker und Löbnitzer ist. Er jedenfalls habe den Eindruck, dass die Behörde da keinen Unterschied sehe. Er musste für sein Vorhaben einen kompletten Bauantrag einreichen, "so, als würde ich hier ein festes Gebäude errichten". Doch an dem ist es wirklich nicht. Schwarz hat sich einen ehemaligen Verkaufswagen so hergerichtet, dass dieser völlig autark ist. Für Strom sorgt eine Fotovoltaikanlage, Wärme erzeugt er mit Gasbrennern, Wasser und Abwasser sind in entsprechenden Tanks gebunkert. "Ich bringe alles mit und lasse nichts zurück", beschreibt Schwarz. Seine "Speisekarte" ist überschaubar, Wurst und Bulette, auch Pommes sind möglich, dazu werden Getränke gereicht.

250 Quadratmeter Fläche stellt ihm der Bergbausanierer LMBV zur Verfügung. Einen entsprechenden Pachtvertrag hat er in der Hand, die Nutzung ist ausschließlich auf den mobilen Imbiss-Stand und auch zeitlich beschränkt. "Ich bin, so weit ich weiß, der einzige, der einen solchen Vertrag von der LMBV am Seelhausener See bekommen hat", sagt Schwarz und war sich schon deshalb "ziemlich sicher", dass sein Vorhaben Früchte tragen könnte.

"Bislang war die LMBV mit solchen Verträgen eher zurückhaltend", erinnert sich der Löbnitzer Bürgermeister Axel Wohlschläger (CDU). Umso mehr freue es ihn, dass er zustande gekommen ist. "Es handelt sich ohnehin nur um einen befristeten Zeitraum, um eine Übergangslösung", so der Bürgermeister. Sobald der Flächenerwerb von der LMBV an die Gemeinde erfolgt, würde der Weiterverkauf an einen Investor passieren, der dann wiederum einen B-Plan im Auftrag der Gemeinde aufstellt. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Löbnitzer Gemeinderat erst kürzlich (wir berichteten). "Bis zu diesem Zeitpunkt ist ein Betreiben des mobilen Imbiss an dieser Stelle des Ufers am See aus unserer Sicht unproblematisch. Das letzte Wort hat aber die Genehmigungsbehörde und die sind nicht wir", bedauerte Wohlschläger fast.

Gut 20 000 Euro hat Schwarz bereits in sein Vorhaben investiert, dafür Fördermittel der Europäischen Union und ein zinsgünstiges Darlehn der Sächsischen Aufbaubank bekommen. Auch die Agentur für Arbeit unterstützte ihn in seinem Entschluss, gewährte einen Existenzgründerzuschuss. "Ich habe das Geld bereits ausgegeben, kann aber keinen Umsatz machen", schildert der groß gewachsene Mann, der seinen Weg in die Selbstständigkeit offenbar gut geplant hat, nun aber ausgebremst wird. "Ich will für meinen Lebensunterhalt selbst aufkommen", sagt er. Mit Lebensgefährtin und Kind ist er zusammen, will sorgenfrei in die Zukunft schauen. "Das gelingt so nicht", sagt er.

Unverständnis löste die Entscheidung der Behörde auch bei Erhard Kunde aus. Der Ingenieur aus dem gleichnamigen Delitzscher Planungsbüro hatte für Schwarz die entsprechenden Dokumente zusammengestellt und fast sicher mit einer "unkomplizierten" Genehmigung gerechnet. "Das kann ich jetzt nicht begreifen." Eine "Beeinträchtigung der öffentliche Belange" wie es in der Begründung des Bauordnungsamtes heißt, könne er sich schon gar nicht vorstellen. Auch eine sogenannte Vorbildwirkung, die die Behörde befürchtet, schließe er aus - schon wegen der befristeten Genehmigung. "Hier hätte ein Zeichen gesetzt werden können, das für die Entwicklung der Region wichtig gewesen wäre", erklärte Kunde.

Für Bernhard Schwarz geht es abermals um die Existenz. Schlimmstenfalls müsse er Fördermittel zurückzahlen. Nur womit? "Warum ist in Sachen etwas unmöglich, was in Sachsen-Anhalt klappt", fragt er sich. Die Radlertanke auf anhaltischem Gebiet brauche keine Baugenehmigung, weiß er.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.08.2013

Ditmar Wohlgemuth

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