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Delitzsch Ehe für alle: Erste Anträge in Nordsachsen
Region Delitzsch Ehe für alle: Erste Anträge in Nordsachsen
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07:00 26.10.2017
Gleichgeschlechtlichen Paaren steht es seit 1. Oktober frei zu heiraten. Quelle: dpa
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Nordsachsen

Die Nachfrage für die „Ehe für alle“ fällt im Landkreis Nordsachsen bescheiden aus. Nur sehr wenige Paare haben sich bisher entschlossen zu heiraten oder ihre Lebenspartnerschaft umschreiben zu lassen. Seit dem 1. Oktober steht im bürgerlichen Gesetzbuch: „Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.“ Dafür hatten schwule und lesbische Paare jahrelang gekämpft. In Nordsachsen ist davon aber wenig zu spüren.

Anruf im Delitzscher Standesamt

Dabei schien es zunächst, als ob in Delitzsch nur auf die Gesetzesänderung gewartet worden war. Schon 30 Minuten nach der Abstimmung im Bundestag sei der erste Anruf im Standesamt eingegangen, berichtet Christian Maurer, Pressereferent im Delitzscher Rathaus. Feste Terminreservierungen durften aber im Juli noch nicht vergeben werden, da das Gesetz noch nicht in Kraft war. Jetzt ist es das zwar, doch nun sagt Maurer: „Bislang haben sich keine gleichgeschlechtlichen Paare in Delitzsch trauen lassen. Auch entsprechende Terminanfragen blieben bislang aus.“

In Oschatz haben dagegen zwei der bisher sieben Paare in einer Lebenspartnerschaft den Antrag gestellt, diese in eine Ehe umzumünzen, berichtet Pressesprecherin Anja Seidel. Weitere Paare, die eine Eheschließung oder eine Umwandlung beantragt hätten, gebe es nicht, heißt es von Seiten der Stadtverwaltung.

Umschreibung nicht ganz einfach

Zurückhaltung herrscht in Eilenburg: „Es gab bisher keine Anfragen auf Umwandlungen“, sagt Julia Böhm von der Stadtverwaltung. Und wenn es diese zukünftig gibt, ist das problemlos im Eilenburger Standesamt möglich.“ Ein ähnliches Bild zeichnet sich in Dahlen. In der Heidestadt gebe es keine Paare mit eingetragener Lebenspartnerschaft, Anträge dazu auch nicht, berichtet Standesbeamtin Elfrun Finger.

In Bad Düben ist es „ganz ruhig“, sagt Standesbeamtin Birgit Pfuhl. Ein Paar mit einer eingetragenen Lebenspartnerschaft habe sich bisher über die rechtlichen Voraussetzungen für eine Umwandlung informiert. Denn diese seien „nicht ganz einfach“, so Pfuhl. In Bad Düben sei dies aber jederzeit möglich.

Woran liegt die geringe Nachfrage in Nordsachsen?

„Es ist simpel“, sagt Kathrin Darlatt vom Gleichstellungsreferat der Stadt Leipzig. „Im ländlichen Raum ist es nach wie vor schwieriger für queere Lebensweisen.“ Demzufolge ziehe es LGBTI (Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender and Intersexual Persons) in die Ballungsräume. Als Beispiel nennt Darlatt das Leipziger Standesamt. Dort seien die Dienstage für die Ummeldungen im Oktober bereits ausgebucht. Auch das erste gleichgeschlechtliche Paar wurde bereits in Leipzig getraut. Am 6. Oktober gaben sich Hendrik und Patricia Osterland das Ja-Wort.

Petra Köpping, Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration: „In einer weltoffenen und toleranten Gesellschaft sollen alle Menschen gleichberechtigt leben – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität. Ich frage mich eigentlich, warum wir in der heutigen Zeit überhaupt noch darüber diskutieren, ob zwei Menschen, die sich lieben, auch heiraten dürfen. Natürlich weiß ich, dass Homophobie und Diskriminierung immer noch Realität sind.“

Laut der Umfrage ‚Sachsen-Monitor 2016‘ hatten 32 Prozent der sächsischen Bevölkerung der Aussage zugestimmt, dass sexuelle Beziehungen zwischen Menschen des gleichen Geschlechts unnatürlich sei. „Und gerade deshalb ist die Öffnung der Ehe ein wichtiger Schritt, denn die Regierung setzte im Rahmen einer offenen Abstimmung mit dieser Regelung ein Zeichen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung“, so Köpping abschließend.

Von Mathias Schönknecht

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