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Ehrenberghaus wird Seniorenresidenz - auf engstem Raum

Ehrenberghaus wird Seniorenresidenz - auf engstem Raum

Das Geburtshaus des Delitzscher Naturforschers Christian Gottfried Ehrenberg wird nach historischem Vorbild wieder aufgebaut. Vor allem Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos) hat sich dafür stark gemacht, im Stadtrat stieß das Vorhaben allerdings auf Skepsis.

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Vom Ehrenberghaus existiert nur noch das Erdgeschoss.

Quelle: Kay Würker

Delitzsch. Nur mit knapper Mehrheit fiel am Donnerstagabend der Baubeschluss (wir berichteten).

Im Kern drehte sich die Debatte um zwei Fragen: Lässt sich das Haus in der Halleschen Straße 36 trotz beengter Platzverhältnisse sinnvoll nutzen? Und sind die 678 000 Euro, die der Wiederaufbau kostet, an dieser Stelle gut investiert? Bekanntermaßen ist es die Wohnungsgesellschaft Delitzsch (WGD), die von OBM Wilde gebeten wurde, ein Konzept zu erarbeiten. Das Ergebnis in Eckdaten stellte deren Geschäftsführer André Planer im Stadtrat noch einmal vor - zuvor hatten nur Mitglieder des Verwaltungs- und Finanzausschusses Einblick bekommen. Demnach sollen in dem Gebäude drei Zwei-Raum- sowie zwei Ein-Raum-Wohnungen integriert werden, 35 bis 48 Quadratmeter groß, anmietbar für 6,50 Euro pro Quadratmeter kalt. Um die Quartiere aufzuwerten, sollen sie teilweise mit verschiebbaren Trennwänden ausgestattet werden.

Platzsparend bauen, lautet die Maßgabe. Das Grundstück des Ehrenberghauses ist lediglich 125 Quadratmeter groß, eingezwängt zwischen Straßen und Nachbarbauten. "Eine Herausforderung", urteilte Planer. Die Baukosten pro Quadratmeter seien höher als bei einem Neubau auf freier Fläche. "Trotzdem sehe ich es auch als Möglichkeit, einem namhaften Bürger unserer Stadt Rechnung zu tragen." Zudem habe eine Berechnung ergeben, dass das Vorhaben wirtschaftlich darstellbar ist. Ausschlaggebend seien die Fördermittel, mit 352 000 Euro knapp die Hälfte der kalkulierten Baukosten. Die WGD schießt 238 000 Euro zu, die Stadt Delitzsch gibt 88 000 Euro.

Verwiesen wird zudem auf eine Kooperationsvereinbarung mit der Stiftung St. Georg Hospital, die in der Nachbarschaft ein Altenpflegeheim und - mit der Diakonie - eine Sozialstation betreibt. Da das Ehrenberghaus künftig vor allem betreutem Wohnen dient, sollen verschiedene Betreuungs- und Versorgungsleistungen übers Hospital angeboten werden. Der Kontrakt ist noch nicht unterschrieben, Stiftungs-Geschäftsführer Tobias Münscher-Paulig steht dem Ansinnen aber aufgeschlossen gegenüber, wie er auf LVZ-Nachfrage signalisierte. Allerdings wies er auf nötige Vorkehrungen hin, zum Beispiel Stellflächen für Rollatoren oder Rollstühle.

Die absehbaren Platzprobleme beschäftigten auch den Stadtrat. "Bekommt das Haus einen Fahrstuhl?", fragte Frank Schade (Freie Wähler). Nein, aber einen Treppenlift. Das sei raum- und kostensparender, antwortete André Planer. Uwe Bernhardt (Freie Wähler) rügte stellvertretend für seine Fraktion das Bauprojekt als unnötige Investition, "für viele Bürger nicht nachvollziehbar". Gerhard Schladitz (CDU) sieht die Mittel der Stadt zum Beispiel in Sportplätzen besser angelegt.

Die Stadtverwaltung verwies allerdings darauf, dass das Ehrenberghaus schon für einen Wiederaufbau vorgesehen ist, seit es in den 1990er-Jahren wegen Baufälligkeit bis aufs Erdgeschoss abgebrochen werden musste. Für die Sicherung flossen damals Fördermittel, deren Rückforderung drohe. Eine Reihe von Stadträten folgten diesem Argument - der Beschluss ging knapp durch. Im Dezember soll nun Baubeginn sein, die ersten Mieter im Sommer 2016 einziehen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.10.2014
Kay Würker

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