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Ein Hauch von Hollywood

Ein Hauch von Hollywood

„Spaß erwächst aus eigenem Tun und nicht daraus dummes Zeug zu erzählen“, erklärt Winni Rühle und setzt seine Worte sogleich in die Tat um: „Alle an ihre Plätze.

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Die Filmcrew rund um Winni Rühle (hinten) und Enno Wilde (rechts) am Set.

Quelle: Jeannine Steinbrecher

Delitzsch. “ Der Leiter des Ferienprojekts „Klappe und Action“ im Familienzentrum in der Delitzscher Mauergasse, weist den acht Teilnehmern ihren Platz vor oder hinter der Kamera. Er bittet um Ruhe für den Dreh der dritten Szene. „Kamera?“, „Läuft!“, „Ton?“, „Läuft!“, Klappe?“ „Weiße Frau, Szene 3, Take 1.“

Regisseurin Hanna Lemp, Kameramann Jonathan Roth, Tonbeauftragte Elisa Ronneberger  und Klappenbeauftragte Luisa Romonsky verrichten ihre Dienste am zweiten Tag der Medienwoche bereits wie die Profis. Begriffe wie ND`s (Neutral Density = Graufilter), Blende, Ton, Licht und Schnitt verwenden die 10 bis 14-jährigen als wären sie schon Jahre im Filmgeschäft. Die Betreuer Enno Winde und Winni Rühle vom Verein Medienwerkstatt Dresden geben nur noch ein paar Tipps  zum Beleuchtungsgrad, zur richtigen Kameraeinstellung. Ob die weiße Frau (gespielt von der zehnjährigen Christina Lemp) schneller oder langsamer im Hintergrund erscheinen soll, in welche Richtung die zwei männlichen Darsteller Nick Gabor und Karl Wagner bei der Szene gucken sollen, das entscheiden die Kinder am Set selbst. Schließlich haben sie sich die Story auch selbst ausgedacht, das Storyboard und das Drehbuch selbst erarbeitet.

Natürlich erfolgt die Produktion des Kurzfilms unter schwierigen Bedingungen. Während bei einem normalen Filmdreh 40 bis 45 Leute ihre Aufgaben erfüllen, müssen sich die Kinder hier zu acht engagieren. In einer Woche entstehen  höchstens acht Minuten Film. „75 Prozent der Schauspielerei besteht aus Warten. Gefühlt sind es 90 Prozent“, meint Karl dann auch etwas ungeduldig vor dem Dreh der vierten Szene. Trotzdem möchte er Schauspieler werden. „Manchmal dauert die Vorbereitung  eine ganze Stunde. Es ist interessant zu sehen, mit wie viel Aufwand  gedreht wird“, verrät Luisa. Und genau das sollen die Kinder auch lernen.

„Wir wollen die Heilige Kuh Fernsehen schlachten, indem wir Medienkompetenz vermitteln. Fernsehen und Film werden von den meisten Menschen teilnahmslos konsumiert und als Realität empfunden. Die Medienwerkstatt Dresden als gemeinnütziger Verein möchte das Spannungsfeld zwischen Traumfabrik und Manipulationsmöglichkeit erhellen“, sagt Winni Rühle. Kreativ und phantasievoll gehen die Kinder an die Arbeit, wachsen über sich hinaus und haben sichtlich Freude daran, etwas zu schaffen, statt in den Ferien vorm Fernseher zu sitzen. Das Team um Winni Rühle leistet mit dem  Medienmobil, entsprechender Technik und Know-how seit 20 Jahren vor allem im ländlichen Raum medienpädagogische Arbeit. Unterstützt wird es vom Landratsamt. Uta Przikopp vom Jugendamt vermittelt  im Rahmen des präventiven Jugendschutzes  die Projekte an Schulen  und Vereine.

In Delitzsch werden unter anderem eine Pension in der Mauergasse, die Räume des Zentrums und die Mauergasse selbst zum Drehort. Zur Story soll nur verraten werden, dass es gruselig wird. Damit kommt vor allem Nick Gabor, einer der drei Hauptdarsteller, auf seine Kosten. Er mag Horrorfilme. Außerdem ist er begeistert von dem teuren Profiequipment. „Die Software allein kostet 3000 Euro. Die Kopfhörer, die Elisa trägt, kosten 250 Euro“, schwärmt er. Und das Bedürfnis des quirligen 14-Jährigen zur Freisetzung und Bekanntmachung seiner „künstlerischen Aura“ dürfte er spätestens zur Filmpremiere an diesem Freitag im Familienzentrum befriedigt haben, die für das Team organisiert wird. Vielleicht kann er sich und den fertigen Film aber auch bald im Internet auf  www.youtube.com/MedienwerkstattDD ansehen.

              

Jeannine Steinbrecher

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