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Delitzsch Ein Jahr Stadtwerke Delitzsch: Geschäftsführer spricht über Kurskorrekturen
Region Delitzsch Ein Jahr Stadtwerke Delitzsch: Geschäftsführer spricht über Kurskorrekturen
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06:00 30.09.2016
Robert Greb führt die Stadtwerke Delitzsch seit 1. Oktober 2015. Quelle: Daniel Kaiser
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Delitzsch

Vor einem Jahr begann bei Delitzschs kommunalem Energieversorger ein neues Zeitalter. Die Technischen Werke wurden am 1. Oktober 2015 wieder zu Stadtwerken, als letzter Schritt einer Neustrukturierung. Zeitgleich startete Robert Greb als neuer Geschäftsführer. Er habe seitdem einiges unternommen, um das Unternehmen noch besser für die Zukunft zu rüsten, sagt der 48-jährige Wirtschaftsingenieur und promovierte Betriebswirt. Und spricht im Interview über Vertriebswege, Kostendruck und ein Strategieprogramm.

Was hat Sie beschäftigt in den vergangenen zwölf Monaten?

Es gab, neben dem allgemeinen Kennenlernen von Region und Leuten, einige operative Dinge zu klären. Wir bewegen uns in einem dynamischen Umfeld, auf das wir uns einrichten müssen.

Wo liegen die Herausforderungen?

Vor allem in der Digitalisierung und Dezentralisierung. Die Energielandschaft steckt im Umbau, weil das klassische Modell zentraler Kraftwerke durch die erneuerbaren Energien überholt worden ist. Der liberale Energiemarkt mit digitalen Vertriebswegen bedeutet zudem mehr Wettbewerb.

Wie gehen Sie’s an?

Ich habe ein Strategieprogramm angestoßen. Ausgangspunkt waren Gespräche und Workshops mit Mitarbeitern, moderiert von zwei Spezialisten, die bereits andernorts Umbauprozesse von Stadtwerken begleitet haben. Daraus reifte die Erkenntnis, dass wir einerseits in unseren traditionellen Aufgaben sehr gut sind, also im Verkauf von Wärme, Strom und Gas und im Netzbetrieb. Andererseits müssen wir uns neuen Herausforderungen stellen. Zum Beispiel, wie wir junge Leute erreichen, die vornehmlich übers Internet kommunizieren, und wie wir neue, dezentrale Vertriebswege ausbauen. Wir haben damit bereits begonnen, indem wir Hauseigentümern Anlagen zur Energieerzeugung anbieten, die den Eigenbedarf decken – samt Wartung und Instandhaltung. Wir haben inzwischen drei Mieterstromprojekte mit kleinen Blockheizkraftwerken, die Strom und Wärme erzeugen. Dadurch sind wir nicht nur Versorger, sondern auch Dienstleister.

Dieses Mini-Blockheizkraftwerk der Stadtwerke versorgt zwei Wohnblöcke in Döbernitz mit Wärme und Strom Quelle: Alexander Bley

Sind in dieser Hinsicht auch Solaranlagen ein Thema?

Ja, auch dort wollen wir Angebote schaffen. Das kann auch ein größeres Quartiersprojekt in einer der neuen Eigenheimsiedlungen werden. Außerdem planen wir einen erneuten Anlauf für mehr Bürgerbeteiligung, wie zum Beispiel eine Solarenergiegenossenschaft. 2010 ist diese Idee in Delitzsch gescheitert, aber inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Wir möchten, insbesondere vor dem Hintergrund der Weltkulturerbe-Entscheidung im November, das bürgerschaftliche Engagement im Bereich Genossenschaften stärken. Ziel ist ein Projekt, das neben der Kostendeckung auch eine attraktive Verzinsung gewährleistet. Als Standorte für die Photovoltaikanlagen sind die Dächer der Oberschule Nord und unseres Verwaltungsgebäudes im Gespräch.

Stichwort Rendite: Viele Stadtwerke stöhnen unter wachsendem Kostendruck, weil sich im Energievertrieb und im Netzbereich immer weniger verdienen lässt. Wie steht es um Ihr Unternehmen und die Stadt als Empfänger von Gewinnausschüttungen?

Wir können uns der Tendenz rückläufiger Ergebnisse, wie sie in der Gesamtbranche besteht, nicht entziehen. Wir müssen liquide Mittel auch nutzen, um zu investieren und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Aber wir sind gut aufgestellt, nicht zuletzt durch die seit einem Jahr wieder schlanke Struktur durch weniger Tochtergesellschaften. Es wird in den Ergebnissen keine abrupten Sprünge nach unten geben, so viel kann ich sagen. Wir haben in den vergangenen Monaten über Altersteilzeit Personal abgebaut – mit einem aktuellen Bestand von rund 50 Mitarbeitern ist dieser Prozess abgeschlossen. Das Team ist motiviert und arbeitet effizient. Investiert wird in den nächsten Jahren auch weiter in die Modernisierung der Netze speziell in den Ortsteilen. Störungsanfällige Freileitungen werden beseitigt und Trafostationen umgerüstet.

Wie sieht der Stadtwerke-Strompreis 2017 aus?

Das kann ich noch nicht absehen. Wir wissen erst im Oktober, wie sich die Steuern, Umlagen und Netzentgelte entwickeln, die rund 80 Prozent des Preises ausmachen. Die liegen nicht in unserer Hand.

Von Kay Würker

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