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Delitzsch Ein Kantor, der Unterricht singend bezahlt
Region Delitzsch Ein Kantor, der Unterricht singend bezahlt
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16:42 08.01.2012

. Gottes Segen erteilte er am Freitagabend zunächst dem bereits seit einem Jahr im Amt befindlichen Geschäftsführer der Stiftung St. Georg-Hospital, Tobias Münscher-Paulig, (siehe Beitrag im Kasten) und am Sonntag dann dem neuen Kantor der evangelischen Kirchengemeinde, Jörg Topfstedt. Er wird hier näher vorgestellt.

In die Wiege, die in einem kleinen thüringischen Dorf zwischen Saalfeld und Rudolstadt stand, war Jörg Topfstedt seine Laufbahn als Kirchenmusiker jedenfalls nicht gelegt worden. Denn beide Eltern seien eigentlich gar nicht musikalisch. Auch bei ihm habe sich das Bedürfnis nach Musik, so der heute 27-Jährige, erst sehr spät eingestellt. Dass es dann Kirchenmusik wurde, habe mit dem Pfarrer zu tun. „Er hat mir als 15-Jährigem angeboten, mich kostenlos auf der Orgel zu unterrichten, wenn ich dafür im Kirchenchor mitsinge." Jörg Topfstedt nahm das Angebot an, und dürfte damit einer von ganz wenigen Musikern sein, die gleich an der Orgel losgelegt haben. Das Instrument begeistert ihn noch heute, auch wenn es mit unheimlich viel Üben verbunden ist. Dass er sich in harter Arbeit viel selbst beibringen musste, das sieht der Kirchenmusiker, der nach dem vierjährigen Grundstudium gerade die Endphase des anschließenden zweijährigen Aufbaustudiums an der Hochschule für Kirchenmusik in Halle absolviert, heute als Vorteil. „Ich kann mich gut reinversetzen, wenn einer mal nicht gleich was kann", so der junge Musiker. Am meisten freut sich Jörg Topfstedt auf die Arbeit mit den beiden Kinderchorgruppen und der Kantorei. „Ich habe schließlich schon während meiner Studienzeit mehrere Chöre geleitet, war zudem als Chorassistent der Hochschule für die Stimmbildung zuständig. Singen kann jeder, denn es lässt sich trainieren", ist der Kantor überzeugt, der zugleich für die Chöre wirbt. Treffpunkt für die Kinder ab 5 Jahre sei ab 17. Januar immer das Gemeindehaus in der Schloßstraße 6 dienstags um 15 Uhr. Die Erwachsenen würden immer montags ab 19.30 Uhr proben.

Um den Posaunenchor so richtig unter die Fittiche nehmen zu können, will Jörg Topfstedt jetzt extra noch Tuba lernen. „Ich bin beeindruckt, dass so viele Jugendliche dabei sind, und wenn ich selbst Tuba spielen kann, dann kann ich mich in das Ganze einfach besser reinfühlen." Langeweile wird der junge Mann, der im Sommer seine Konstanze heiratete, jedenfalls nicht haben. Bald kommt ihm da der kürzere Arbeitsweg zugute. „Fest steht nämlich schon, dass ich mit Konstanze, die derzeit noch als Kantorin in Halle arbeitet, im Sommer nach Delitzsch ziehe." Die freundliche Aufnahme am Lober habe dem jungen Paar die Entscheidung einfacher gemacht. Doch nicht nur Leute heißt es kennenlernen. Auch die in diesen Tagen geschlossenen ersten Bekanntschaften mit den Orgeln in Delitzsch, die der Kantor zu Gottesdiensten und Konzerten spielen wird, sind zu vertiefen. „Ich könnte mir aber auch vorstellen, im Sommer mal einen kleinen Orgelspaziergang zu machen", führt er weiter aus. Dann würde die neobarocke Orgel der Marienkirche, die barocke der Hospitalkirche und die romantische der Stadtkirche für kurze Intermezzos an einem Abend erklingen können.

Und wer weiß, vielleicht klopft ja auch mal bei Jörg Topfstedt ein Mädchen oder Junge mit dem Wunsch, Orgel zu spielen, an der Tür. Die Lehrbefähigung dafür hat er. Spannend wäre dann die Antwort auf die Frage, ob dafür auch mit Singen im Kirchenchor gezahlt werden kann ...

Ilka Fischer

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