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Ein Schwergewicht geht auf Reisen

Ein Schwergewicht geht auf Reisen

Delitzsch. Die Bauvorbereitungen an der Delitzscher Stadtkirche laufen seit gestern auf Hochtouren. Seit dem Morgen wuchs ein 52-Meter-Kran in die Höhe, mit dem in den nächsten Tagen das Gerüst errichtet werden soll.

Parallel kümmerte sich eine Fachfirma ums Geläut. Die älteste Glocke unterm Dach, ein bronzenes Schmuckstück aus dem Jahre 1363, soll zum Spezialschweißer, um sie fit zu machen für die nächsten Jahrhunderte. Allerdings gestaltete sich das Abseilen schwieriger als gedacht.

Es war das unverhofft hohe Gewicht, das dem Statiker und damit auch allen anderen Beteiligten Sorgen bereitete. Denn wie viel Masse sie tatsächlich hat, diese Bronzeglocke mit 1,43 Meter Durchmesser, das hatte sich erst am Dienstag herausgestellt, als ein Sachverständiger sie wog. Anders als bei den deutlich jüngeren Eisenhartguss-Glocken ließ sich das Gewicht nicht per Formel und Tabelle berechnen. 1,5 Tonnen, damit hatte man nicht gerechnet. Die ließen das Abseilen fast zu einem Tagwerk werden.

Doch zaudern galt nicht: Die Glocke musste raus. "Es gibt in Deutschland nur ein einziges Glocken-Schweißwerk, wie wir es brauchen. Dort haben wir jetzt einen Termin", schilderte Pfarrer Stephan Pecusa. Die Firma Lachenmeyer im bayerischen Nördlingen verweist selbst auf rund 4300 historisch wertvolle Glocken in Europa und den USA, die sie bereits bearbeitet habe. An dem Delitzscher Exemplar müssen Klöppel und Anschlag erneuert werden, zudem braucht es eine neue Krone. Die alte ist irgendwann weggebrochen, provisorisch wurden für die Aufhängung zwei Löcher gebohrt. "Wenn die Glocke wieder an einer Krone hängt, ist ihr Nachhall deutlich besser", freut sich der Pfarrer schon aufs Klang-Ergebnis. 25000 Euro stellte die Stiftung Denkmalschutz kurzfristig für diese Überarbeitung zur Verfügung. Damit seien auch die Aufarbeitung des Antriebsmotors zu bezahlen und natürlich der Werkstatttransport.

Gestern gegen 9 Uhr sollte das bronzene Schwergewicht im Inneren des Westturms herabgelassen werden. Doch es klappte erst nach 13 Uhr. Umfangreiche Statiksicherungen waren zuvor nötig. Ein Job vor allem für Statiker Roland Hagemeyer vom Hallenser Planungsbüro Projekt-Bau. "Wir müssen weitere Balken einziehen, um den Flaschenzug zu befestigen. Der vorhandene Dachbalken hält das nicht aus", erklärte er. Zudem galt es, Maßarbeit zu leisten: Durch die Öffnungen in den Turm-Zwischen-decken, die eigens von oben bis unten herausgesägt worden waren, passte die Glocke nur um Haaresbreite. Unten im Kirchenvorraum angekommen, landete das gute Stück zunächst auf Brettern, wurde per Hubwagen rausgeschoben und per Kran auf den Anhänger einer Kölledaer Fachfirma gehievt, die sich um den Transport gen Nördlingen kümmert.

Heute soll auch das Uhrwerk abmontiert werden. Ebenso die beiden Eisenhartgussglocken, denn der gesamte Glockenstuhl ist zu erneuern. Allerdings erst, wenn der Westturm seine neuen Hauben hat. Die beiden Gusseisernen waren 1958 als Ersatz für zwei Bronzeglocken in die Kirche gekommen, die im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen worden waren. Sie sind noch intakt, müssen nur aufgearbeitet werden. Mittelfristiges Ziel ist es, statt des aktuellen Dreier- ein Fünfergeläut zu installieren. Dafür wurde bereits eine weitere Glocke bei einer Gießerei in Lauchhammer bestellt, zudem soll die im Erker hängende Läuteglocke hereingeholt und durch eine noch zu gießende Halbschale ersetzt werden. Voraussichtlich zum Landeserntedankfest im September, prognostiziert Stephan Pecusa, könnte dann auch die bronzene Lady von 1363 vom Schweißer zurück sein.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.05.2013

Kay Würker

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