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Delitzsch Ein Wohnviertel als Wärme-Insel
Region Delitzsch Ein Wohnviertel als Wärme-Insel
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16:10 19.05.2015
Per Montage hat der LVZ-Fotograf sie ins Bild geholt, die potenzielle neue Nahwärme-Insel in der Delitzscher Innenstadt. Ganz links ist die Bitterfelder Straße zu sehen, rechts davon die Limonadenfabrik und die Marienstraße. Quelle: Alexander Bley

In energetischer Hinsicht denkt die Stadtverwaltung in noch größeren Dimensionen: Das gesamte Wohnviertel ist eventuell reif für die Insel - für die Nahwärme-Insel. Erste Vorbereitungen laufen.

Wo einst Limonade in Flaschen rauschte und später jahrelang Spinnen in ihren Netzen vereinsamten, herrscht plötzlich Aufbruchstimmung. Das Fabrik-Areal samt diverser Gebäude in der Nachbarschaft könnte zum Modellquartier für energieeffizientes Wohnen und Arbeiten werden. "Die Wohnungsgesellschaft WGD muss ihren Neubau in hohem energetischem Standard errichten. Da lohnt es sich, auch einen Blick auf die Energieversorgung der Nachbargebäude zu werfen, neue Lösungen zu prüfen", sagt Delitzschs Energieeffizienzmanager Tillman Bruns.

Zunächst allerdings müssen die Altlasten weg. Die Finanzierung des Abrisses der Limonadenfabrik ist, wie berichtet, durch städtische Gelder und Fördermittel aus dem Programm der Brachflächen-Revitalisierung gesichert. Verschwinden soll ab September nicht nur die oberirdische Bausubstanz, sondern auch der Kellertrakt. Zurück bleibt dann eine tiefe Baugrube, in der ab Frühjahr nächsten Jahres das neue Wohngebäude des kommunalen Großvermieters wachsen soll - samt Tiefgarage. "Der entsprechende Aufsichtsratsbeschluss der WGD wurde Anfang Juli gefasst", berichtet Aufsichtsratsvorsitzender und Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos). 2015 soll das Objekt stehen.

Mit gewisser Wahrscheinlichkeit wird gleich nebenan ein weiterer Abriss realisiert. Die ehemalige Autopolsterei in der Marienstraße 8 soll weichen. Wie OBM Wilde auf LVZ-Anfrage bestätigte, wurden auch für dieses Gebäude Fördermittel aus der Brachflächen-Revitalisierung beantragt, allerdings noch nicht genehmigt. "Das Grundstück war ursprünglich im städtischen Eigentum, wurde dann der Stadttochter WGD zugeordnet. Es steht seit Längerem leer, die Prüfung auf mögliche Sanierungsoptionen hat ergeben, dass sich hier nur der Rückbau lohnt", so Manfred Wilde. Auch an dieser Stelle avisiere die WGD ein neues Gebäude - und damit einen weiteren Kandidaten für ein übergreifendes Energiekonzept.

Die Idee: Im Keller des geplanten 40-Wohnungen-Komplexes an der Marienstraße wird ein Blockheizkraftwerk (BHKW) installiert, das nicht nur dieses Objekt versorgt, sondern auch Häuser im näheren Umkreis. "Solch ein BHKW lohnt sich umso mehr, je mehr Verbraucher daran angeschlossen sind", erklärt Tillman Bruns. Das Kraftwerk produziert Wärme und Strom. Gerade im Winter, wo viel Heizwärme benötigt wird, fällt folglich auch viel Strom an, "der möglichst vor Ort verbraucht werden sollte, weil sich das Einspeisen ins Netz immer weniger rechnet", sagt der Energieeffizienz- manager. Die Übertragung von Wärme sei in diesem Fall zwar nur bis zu einer begrenzten Distanz wirtschaftlich, aber eine Reihe von Gebäuden ließe sich eventuell durchaus in die Nahwärme-Insel einbinden: die Feuerwache am Schäfergraben, das Gymnasium am Gerberplan, 28 bestehende WGD-Wohnungen in der Bitterfelder Straße. Konzipiert werden könne so ein BHKW als Grundlast-Heizung - an besonders kalten Tagen mit Spitzenlast sei eine zusätzliche Erdgasheizung sinnvoll. "Außerdem gibt es theoretisch die Möglichkeit, das BHKW im Sommer abzuschalten und stattdessen Solarthermie zu nutzen", sagt Tillman Bruns.

Allerdings sei all das noch mit vielen Fragezeichen versehen. Möglichkeiten, energetische Lösungen im Detail auszugestalten, gibt es reichlich. Die Varianten zu prüfen, sei nun die Aufgabe für die nächsten Monate. Laut OBM Wilde hat die Stadtverwaltung diese Woche einen Fördermittelantrag abgeschickt, um diese sogenannte energetische Quartiersuntersuchung teilweise von der KfW-Bank finanzieren zu lassen.

Um Fördermittel geht es im Übrigen auch bei der Bitterfelder Straße, die sich mitten durchs Untersuchungsgebiet zieht. Speziell der Abschnitt zwischen Roßplatz und Gerberplan sei in hohem Maße förderfähig, weil dieser Bereich in das Anfang der 1990er-Jahre abgesteckte Sanierungs- gebiet falle, erklärt Bürgermeister Thorsten Schöne (parteilos). "Nur noch bis 2014 ist eine 75-prozentige Förderung des Straßenbaus an dieser Stelle möglich. Deshalb ist es ratsam, bis September dafür den Antrag einzureichen." Die Trasse hat einen grundhaften Ausbau dringend nötig.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.08.2013

Kay Würker

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