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Eine Kleine, die groß rauskommt: Löbnitzer Orgel ist wieder bespielbar

Restaurierung Eine Kleine, die groß rauskommt: Löbnitzer Orgel ist wieder bespielbar

Die Löbnitzer Orgel in der evangelischen Kirche ertönt wieder. Gut ein halbes Jahr hat die Restaurierung des 1885 gebauten Musikinstrumentes gedauert und etwa 60000 Euro gekostet. „Dass es dazu kam, ist vielen Förderern, Unterstützern, aber vor allem aber den vielen Spendern zu danken“, erklärte Kantorin Christiane Hentsch.

Auch die Holzfassung der Löbnitzer Orgel wurde wieder in den Originalzustand gebracht.
 

Quelle: Ditmar Wohlgemuth

Löbnitz.  Die Löbnitzer Orgel ertönt wieder. Gut ein halbes Jahr hat die Sanierung des Musikinstrumentes gedauert, die von der Firma Orgelbau Hüfken aus Halberstadt vorgenommen wurde. „Dass es überhaupt dazu kam, ist vielen Förderern, Unterstützern, vor allem aber vielen Spendern zu danken“, erklärte Kantorin Christiane Hentsch. Die erste Vorsitzende des Vereins Kantorei Löbnitz, Siglinde Wohlschläger, sprach von einer beeindruckenden Gemeinschaftsarbeit, die am 11. September mit einer Dankeschönveranstaltung in der Kirche gewürdigt werden soll.

Die Orgelsanierung hat etwa 60 000 Euro gekostet und ist zugleich Abschluss eines seit 2008 begonnenen umfangreichen Restaurierungsprozesses der gesamten Kirche, die bekannt für ihre Renaissance-Holzkassettendecke mit 250 Bildern aus dem alten und neuen Testament ist. „Die Löbnitzer Offenhauer-Orgel besitzt einen hohen Denkmalwert“, stellte jüngst Horst Hodick, Orgel- und Glockensachverständiger des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen, fest. „Das Instrument ist bis auf seine Prospektpfeifen original erhalten geblieben. Die Originalität gilt es zu bewahren“, betonte auch Roland Hentzschel, Orgelsachverständiger. Das Instrument sei von guter handwerklicher Qualität und das, obwohl die Firma Oppenhauer nicht besonders bekannt sei.

Sie zeichnet sich aber auch dadurch aus, dass der Delitzscher Orgelbauer Gotthelf Eduard seiner Zeit offenbar voraus war. „Ungewöhnlich und in dieser Zeit sehr selten anzutreffen ist der frei vor der Orgel stehende Spieltisch mit Blickrichtung des Organisten zum Altar“, erklärte der Denkmalexperte. Offenhauer hatte zudem mit dem Löbnitzer Instrument eine Wende im Orgelbau eingeleitet – weg von der einfachen Mechanik hin zur Pneumatik. Auch wird der benötigte Wind zum Anblasen der Pfeifen schon per Motor hergestellt. „Unabhängig davon kann der Blasebalg aber auch mechanisch betrieben werden“, sagte Hubertus Böhm. Er hat sich ausführlich mit der Geschichte der Löbnitzer Orgeln, aber auch mit dem Orgelbauer selbst beschäftigt und seine Erkenntnis schriftlich festgehalten. So ist die jetzt wiederhergestellte Orgel nicht die erste, die im diesem Gotteshaus ertönte. „Bereits 1626 besaß die Kirche ein solches Instrument“, sagte Böhm. Diese Orgel spielte bis 1877. Der Neubau von Offenhauer Orgel stand jedoch unter keinem guten Zeichen. Bereits kurz nach der Fertigstellung wurde sie bei einem Blitzeinschlag beschädigt. Die zweimanuale Orgel mit 15 Registern musste erstmals 1878 instandgesetzt werden. Im Ersten Weltkrieg wurden sieben Prospektpfeifen ausgebaut. Sie und zwei Glocken dienten als Metallspende. Erst 1936 wurde die Orgel als rekonstruktionsfähig beurteilt. Erst 1946 wurde sie in Auftrag gegeben und von der Harmoniumfabrik Köhler in Pretzsch ausgeführt.

Eigentlich ist die rekonstruierte Orgel für die Größe der Löbnitzer Kirche zu klein. Oppenhauer sei es dennoch gelungen, „ein Optimum an spiel- und klagtechnischen Möglichkeiten zu bieten“. Hubertus Böhm findet, dass sie „durchgreifend ist“. Sie setze sich durch gegen die Stimmen des Chores. Christiane Hentsch, sie leitet die Kantorei mit 30 Sängerinnen und Sänger, bestätigte den ersten Eindruck. Vom Klang her seien zwar noch einige Feinarbeiten zu leisten, dennoch sei sie froh, endlich wieder darauf spielen zu können.

Von Ditmar Wohlgemuth

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