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"Einen Weihnachtsbaum muss man selber schlagen und schleppen"

"Einen Weihnachtsbaum muss man selber schlagen und schleppen"

ZSCHERNITZ/DOBERSTAU. Parkplatzirrsinn wie beim Ausverkauf, Volksfeststimmung zwischen Ponyreiten und Bratwurstgrill - und Offenbarungseide, die nur Frauen im weihnachtlichen Nestbautrieb von sich geben können: "Nein, Schatz, nicht gleich den Ersten", "Der da drüben ist doch schöner", "Nein, der ist es doch nicht .

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Jenny Thies und Martin Filip haben ihren Baum schnell gefunden.

Quelle: Christine Jacob

...".

Massen strömten am Wochenende zur Zschernitzer Christbaum-Messe, holten tausendfach die Bäume aus der Plantage der Sächsischen Christbaum-GbR. "Alle Jahre wieder, so soll es sein. Das ist das Wochenende, an dem die Leute kommen sollen", sagt Inhaber Ulrich Haberland. Alle Jahre wieder am dritten Adventswochenende lädt der Familienbetrieb zum großen Suchen nach dem perfekten Baum ein, kommen die Säge- und Kaufwilligen nicht nur aus Nordsachsen, sondern vor allem aus Leipzig und Halle. Am vergangenen Wochenende herrschte so zum 17. Mal Tannentrubel. In den wenigen Wochen vor Weihnachten und vor allem an diesem Wochenende wird hier die Arbeit von sieben bis zehn Jahren geerntet. So lange dauert es, bis die hier seit 1992 hauptsächlich angebauten Nordmanntannen und Blaufichten geschlagen werden können. Arbeit bedeutet dieses Geschäft nicht nur zum Fest: "Dünger streuen, Unkraut fernhalten, Bäume markieren und natürlich pflanzen", zählt Haberland nur ein paar Schritte auf, die es über das Jahr braucht, um die Kultur gepflegt wachsen zu lassen. Vor dem Fest ist Hochsaison und wird geerntet sowie auch zahlreich schon in Netze verpackt, was der Kunde später unkompliziert nach Hause bugsieren darf.

Dabei ist Bequemlichkeit bei vielen in Sachen Baum offenbar gar kein Trumpf. "Einen Weihnachtsbaum muss man selber schlagen und schleppen", ist Annette Schwarze überzeugt. Seit fünf Jahren, so die Landsbergerin, sei der Ausflug auf die nordsächsische Plantage nun schon Familientradition. Und man könne damit einen Betrieb aus der Region unterstützen, so Sohn Jürgen. Diesmal waren die zwei Bäume, einer für Annette Schwarze und ihren Mann, der andere für die junge Familie des Sohnes, in nur 15 Minuten gefunden. "Wir haben aber auch schon mal eine Stunde gesucht", so Annette Schwarze. Es scheint die Mühe wert: "Das ist ein Erlebnis für uns und man kann sicher sein, dass der Baum absolut taufrisch ist und sich lange hält." Dass es so ist, kann Haberland versprechen. "Frisch geschlagen ist der Baum optimal haltbar, den können sie viele Wochen im Wohnzimmer haben, ohne dass er nadelt", weiß der Experte. Aber auch an den Verkaufsständen - von Halle bis Leipzig sind die verteilt, in Delitzsch verkauft das Unternehmen auf dem Roßplatz - könne man als Kunde sicher sein, dass bei den sehr kurzen Logistik wegen auch ein gutes und frisches Produkt zu haben ist. Haberland selbst hat sich seinen Baum schon unter Tausenden auf dem Gelände, zur genauen Zahl macht der Betrieb keine Angaben, ausgesucht und wird ihn am 23. Dezember schlagen. Stehen bleiben soll er wie alle Jahre wieder bis Februar. Für Haberland ist der Weihnachtsbaum mehr als nur ein Schmuckstück: "Jede Phase vom Kauf, über das Schmücken bis zum davor sitzen ist wichtig", findet er. Dass so viele Menschen Familienausflüge machen, um sich bei ihm ein Nadelgewächs zu holen, versteht er auch als Beitrag zur Entschleunigung, als wichtige Zeremonie für Familien und Paare in der Adventszeit.

So verstehen es auch Jenny Thies und Martin Filip, ein Studentenpaar aus Halle. "Es ist ein Erlebnis, selbst den Baum zu schlagen", findet die junge Frau. Ausgestattet mit Säge, gut beschuht mit Gummistiefeln und Arbeitshandschuhen in der Tasche ist der Baum ganz schnell gefunden. "An dem laufen doch sonst bestimmt alle einfach vorbei", deutet die Hallenserin auf ein gut 1,65 Meter hohes Bäumchen mit dichtem Wuchs. Tatsächlich stapfen die meisten einfach weiter hinein in den Tannenwald mit schlammigen Wegen, verlieren sich dort in den "Nadelstreifen" der Familie Haberland. Nach kurzer, kaum fünfminütiger Sichtung weiterer Exemplare geht es bei den Hallensern dieser ersten Liebe mit vereinten Kräften an den Stamm. Angespitzt und verpackt in ein Netz, das gehört zum Service der Fasanerie, geht es dann nach Hause.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.12.2014
Christine Jacob

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