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Eisenbahn-Liebe im Delitzscher Bürgerhaus

Eisenbahn-Liebe im Delitzscher Bürgerhaus

Volles Haus im Bürgerhaus: Traditionell am ersten Novemberwochenende haben sich am vergangenen Sonnabend bereits zum 14. Mal dutzende Anhänger der Eisenbahner-kultur getroffen.

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Ingo Tippold, Dorothea Dost und Michael Sinnig (v.l.) an ihrem Stand mit Originalteilen.

Quelle: Julia Wick

Delitzsch. Unter der Überschrift Eisenbahnuniform-Sammlertreffen – kurz: Eust – waren wieder Aussteller und Besucher aus ganz Deutschland zu Gast, Und hinter so manchem Dienstkleidungsstück verbarg sich eine besondere Geschichte.

Schon beim Betreten des Saals des Bürgerhauses offenbarte sich eine Welt aus Waggonschildern, Mützen, Aufnähern, Fahrkarten und unzähligen weiteren Sammelstücken, die auf insgesamt 60 Tischen präsentiert wurden. „So viel hatten wir noch nie, und mehr würde hier auch definitiv nicht reinpassen“, sagte Hartmut Schöttge schmunzelnd, der die Eust-Idee gebar und jährlich in die Tat umsetzt. Zufrieden schaute er in die Runde, beobachtete das Getümmel um die Ausstellungsstücke in den schmalen Gängen.

Mittendrin in dieser zumeist Männerdomäne: Dorothea Dost und Angelika Grauba. Zwei Frauen in schicken Uniformen, die mehr oder weniger beide der Liebe wegen beim Sammlertreffen in Delitzsch waren. Dorothea Dost kam vor einigen Jahren über die Harzer Schmalspurbahn zu ihrer Eisenbahnleidenschaft. „Ich bin oft mit Sonderfahrten auf den Brocken gefahren und dabei mit Eisenbahnern ins Gespräch gekommen.“ Dadurch sei sie irgendwann der Interessengemeinschaft Schmalspurbahn beigetreten und durfte bald darauf das erste Mal in einer richtigen Lokomotive mitfahren. „Das ist überhaupt das Tollste, ich kann es gar nicht wirklich beschreiben, aber es ist faszinierend“, schwärmte die 46-Jährige.

Die Eisenbahn ist für sie die Kombination aus mehreren ihrer Hobbys. „Ich reise gerne, bin aber auch geschichtlich sehr interessiert und von Technik angetan.“ Nachdem sie in die Eisenbahnerszene eingestiegen war, besuchte sie bald die ersten Börsen und verfolgte einen Plan: sich eine Uniform zu kaufen. Nach langer Suche fand sie schließlich eine Mütze, die ihr gefiel – und nicht nur die Kopfbedeckung, sondern auch deren Verkäufer. Denn, wie das Leben so spielt, fand die Aachenerin durch ihre neue Eisenbahnleidenschaft auch gleich noch ihre neue Liebe. „Ich habe den Mann quasi gleich mitgekauft“, erzählte Dorothea Dost glücklich. Und auch Michael Sinnig aus Berlin, der Mützenverkäufer, strahlte am vergangenen Sonnabend: „Eine Frau zu haben, die die gleiche Leidenschaft teilt, das ist wie ein Sechser im Lotto!“ 

Anders als Dorothea Dost, die aus eigenem Antrieb die Börsen besucht, war Angelika Grabau vergangenen Sonnabend vor allem deshalb in Delitzsch, weil sie das Hobby ihres Mannes Klaus teilt. Dieser ist seit seiner Lehre zum Elektromonteur bei der Bahn ein echter Eisenbahner und begann vor gut zehn Jahren, Mützen, Aufnäher und Originalteile zu sammeln. Das Haus der Grabaus in Erfurt gleicht teilweise einem kleinen Museum. „Wir haben verschiedene Vitrinen und Rahmen, in denen wir ganz besondere Schätze aufbewahren“, beschrieb die 49-Jährige, die sich inzwischen schon recht gut in dem Metier auskennt. „Ich selbst wäre wahrscheinlich nicht auf die Idee gekommen, mich für all diese Utensilien zu interessieren, aber meinem Mann zuliebe teile ich das Hobby.“

Ein besonderes Augenmerk des 14. Eust lag auf der Uniformausstellung, die in diesem Jahr Dienstkleidung höherer Eisenbahnbeamter zeigte. Die Schwierigkeit lag allerdings nicht darin, die passenden Jacken, Hemden oder Knöpfe zu finden, sondern in der Recherche, wie die Beamten der jeweiligen Epoche tatsächlich aussahen. „Das konnte ich durch intensive Archivarbeit erfahren“, berichtete Hartmut Schöttge, der durch die Hilfe anderer Eisenbahnliebhaber letztlich insgesamt acht vollständig originalgetreue Komplett-Uniformen zusammenstellen konnte.

Julia Wick

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