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Delitzsch Elvira Janiszewski kümmert sich in Benndorf um Kirche und Denkmal
Region Delitzsch Elvira Janiszewski kümmert sich in Benndorf um Kirche und Denkmal
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15:15 19.05.2015
In ihrem eigenen Garten erinnert Elvira Janiszewski mit einem Findling ebenfalls an das verschwundene Paupitzsch. Quelle: Christine Jacob

Vor allem aber kümmert sie sich um die Erinnerung an das weggebaggerte Paupitzsch.

Erst verjagte sie der Kohlebagger aus Zscherne, dann Mitte der 1970er aus Paupitzsch. "In alle Winde sollten wir zerstreut werden", schüttelt Elvira Janiszewski heute noch den Kopf über die Ungerechtigkeit. Der Heimatverlust geht nicht weg, kann auch mit dem Neuanfang in Benndorf nicht gemildert werden, sagt die ehemalige Lokführerin im Tagebau. Dass es überhaupt möglich war, in der Nähe zu bleiben, ist dem "Rebell von Paupitzsch" zu verdanken. So nannte man sie damals. Weil Elvira Janiszewski den Mut hatte, ein Protestschreiben aufzusetzen. Und weil sie den Mut hatte, nach Berlin zu fahren, um dem Unrecht die Stirn zu bieten. "30 wollten mit, neun waren wir dann nur noch am Bahnhof", erinnert sie sich. Die Heimat konnte sie nicht retten. Aber dafür sorgen, dass die Paupitzsche neu bauen konnten und nicht in irgendwelche Neubauwohnungen irgendwo gesteckt wurden. "Trotzdem war es schwer genug", sagt sie heute. Dass nicht so viele wie gedacht mitkamen, kann sie verstehen. Angst kann sie verstehen. "Ich war ein ängstliches Kind. Keine Angst mehr zu haben, kam bei mir erst durch die erlebten Ungerechtigkeiten."

In Benndorf kümmerte sie sich dann ab 1988 um die Kirche, die lange in erbärmlichem Zustand war. Nach 1990 flossen nicht unerhebliche Fördergelder und Spenden für die Kirche. Das historische Bauwerk und das Friedhofsgelände samt Mauer konnten von Grund auf überholt werden. Zäh ging Elvira Janiszewski auch an das Projekt Paupitzsch. Das Erinnerungskreuz auf dem Gelände des verschwundenen Dorfes ist ihrer Initiative zu verdanken. Noch heute pflegt sie das Areal. Hilfe bekommt sie von ihrer 63 Jahre alten Tochter Sabine. "Ohne sie könnte ich vieles nicht schaffen." Seit dem Tod ihres Mannes 2009 ist sie allein. "Ich wollte damals alles aufgeben", sagt sie. Die Tochter half wieder auf. Gemeinsam haben sie sich in den vergangenen Tagen auch darum gekümmert, dass das Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen der Weltkriege würdevoll geschmückt wird. Dass es das Denkmal gibt, ist ebenfalls ihr zu verdanken.

Einen neuen Kampf anfangen, noch ein Projekt stemmen - das schaffe sie krafttechnisch nicht mehr, sagt sie. Aber sie will das Begonnene fortführen - bis sie umfällt, sagt sie. Christine Jacob

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.11.2013
Christine Jacob

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