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Delitzsch Empfangsgebäude am Unteren Bahnhof macht traurigen Eindruck
Region Delitzsch Empfangsgebäude am Unteren Bahnhof macht traurigen Eindruck
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07:00 09.11.2018
Schmierereien an den Fassaden. Das Café an einem der Giebel ist seit voriger Woche erstmal zu. Quelle: Heike Liesaus
Delitzsch

Es sieht nicht wirklich gut aus am Unteren Bahnhof in Delitzsch: Und hört sich auch nicht gut an. Gleich dort, wo die Reisenden vor dem Bahnhofsgebäude auf den Bus warten, ist es laut. Die Leistungsfähigkeit mobiler Boxen macht es möglich: Die Bässe kommen aus dem Rucksack. Eine Gruppe Jugendlicher beschallt die Umstehenden. Passanten berichten davon, dass sie nicht nur laut sind, sondern auch pöbeln. Auch der Polizei ist bekannt, dass der Untere Bahnhof einer der Delitzscher Punkte des Drogenumschlags ist.

Die Farbe an der Fassade des Empfangsgebäudes blättert in traurigen Fladen ab. Irgendwann wurde hier mal offiziell ein Graffiti angebracht. Inzwischen gibt es ringsherum jede Menge Schmierereien. Seit voriger Woche ist nun auch die Café-Bar zu. Die Spielautomaten sind alle abtransportiert, hat ein Reisender beobachtet. Der Kasten, in dem sonst die Zettel mit gastronomischen Angeboten hängen, ist leer.

Unerwünschtes Graffiti bestimmt das Bild der Fassade. Quelle: Heike Liesaus

Fahrrad-Diebstähle

Immer wieder ist das Umfeld auch Diskussionspunkt in den sozialen Netzwerken: „Ich hatte mir im Sommer ein neues Rad gekauft und laufe lieber zum Bahnhof, damit es mir nicht geklaut oder zerstört wird“, erklärt eine Facebook-Nutzerin frustriert. „Seit ich in Delitzsch wohne, gebe ich mein ganzes Geld für Fahrräder oder Fahrradteile aus“, so eine andere. Erst war die Lampe weg, dann der Sitz, schließlich das ganze Fahrrad.

Hoffnung auf mehr Sozialkontrolle

Eigentümer des Bahnhofsgebäudes ist die Aedificia Infrastruktur- und Entwicklungsgesellschaft mbH (AIEG) mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie will sanieren und umbauen. Schon seit Jahren ist nun schon die Rede davon, dass die Volkshochschule aus der Wittenberger Straße in das Obergeschoss einziehen soll. Im Rathaus wird das als Glücksfall gewertet: „Wir hoffen damit auf stärkere Sozialkontrolle“, erklärt Oberbürgermeister Manfred Wilde (parteilos). Heißt: Mehr Normal-Betrieb im Gebäude könnte helfen, unliebsame Gruppen zu vergrämen. Zumal sich der Handelsstandort gleich nebenan als Anlaufpunkt längst etabliert hat.

Keine Bauaktivität

Das Gebäude in der Wittenberger Straße, in dem die Volkshochschule bisher untergebracht ist, zeigt schon seit langem Alterserscheinungen. Und vor einigen Monaten war die Rede davon, dass die Signale auf Grün stehen, dass ein Umzug zum Jahreswechsel geplant ist. Allerdings lässt sich am Bahnhof seit längerem keine Bauaktivität beobachten.

Frische Müllspuren finden sich in der Empfangshalle. Quelle: Heike Liesaus

Umzug in den Februarferien

„Der Vermieter hat uns jetzt aber signalisiert, dass weiter am Projekt gearbeitet wird“, erklärt Sven Keyselt, der Leiter des Eigenbetriebs Bildungsstätten des Landkreises Nordsachsen. „Jetzt sind die Februarferien für den Umzug avisiert. Wir richten uns darauf auch mit den Programmplanungen ein.“

Unwirtliche Halle

Die große Halle im Empfangsgebäude strahlt derzeit kahle Unwirtlichkeit aus. Nur der Eingang zum S-Punkt, in dem es Fahrkarten, Snacks und Zeitungen gibt, leuchtet ein bisschen freundlicher und grün aus einer der Ecken heraus. Es ist wahrnehmbar, dass sie regelmäßig gekehrt wird. Trotzdem sind achtlos fallen gelassene Essensreste und Verpackungen um die wenigen Sitzgelegenheiten herum verteilt.

Für die Volkshochschule wird gehofft, dass die bessere Erreichbarkeit am Unteren Bahnhof positive Auswirkungen auf die Kursnachfrage und die Entwicklung der Bildungsstätte haben könnte. Sodass Passanten wahrnehmen können, das es die Angebote überhaupt gibt und dass sie zudem besser erreichbar sind. Dazu gehört auch, dass es im neuen Gebäude einen Fahrstuhl geben sollte. Dank der guten Verkehrs-Anbindung könnte das VHS-Angebot bis nach Leipzig ausstrahlen.

Von Heike Liesaus

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