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Entsetzen am Werbeliner See: Zahlreiche Jungvögel getötet

Ermittlungen Entsetzen am Werbeliner See: Zahlreiche Jungvögel getötet

Umweltfrevel auf einer Insel im Werbeliner See: Unbekannte haben vor Ort zahlreiche Jungvögel getötet. Betroffen sind 31 Kormoranhorste. Die Untere Naturschutzbehörde hat den Fall an die Staatsanwaltschaft abgegeben, es laufen Ermittlungen. Die Polizei in Delitzsch sucht Zeugen und Hinweise.

Der Kormoran ist in der Fischereiwirtschaft unbeliebt. Nach starker Dezimierung in vergangenen Jahrzehnten hat sich der Bestand in Deutschland wieder erholt

Quelle: Gunter Pistora

Delitzsch. Der Streit um die Zukunft des Werbeliner Sees bekommt neuen Zunder. Unbekannte haben vor Ort zahlreiche Jungvögel getötet, wie jetzt bekannt wurde. Nach LVZ-Informationen handelt es sich um Kormorane. Der Fall liegt nun bei Polizei und Staatsanwaltschaft – und dürfte die Diskussion um das beabsichtigte Naturschutzgebiet weiter anheizen.

Ins Rollen gekommen sind die Ermittlungen durch eine Anzeige bei der Unteren Naturschutzbehörde Ende Mai. Demnach wurden auf einer im See gelegenen Insel zwei Brutbäume gefällt. 31 Nester wurden zerstört, die Jungvögel darin getötet. Lediglich drei Nester seien erhalten geblieben. Die Behörde, die sich erstmals mit einem Eingriff dieses Ausmaßes konfrontiert sieht, hat den Vorfall nach eigenen Angaben umgehend vor Ort geprüft und bestätigt gefunden. Umweltamtsleiterin Antje Brumm bewertete die Tat auf LVZ-Nachfrage als Verstoß gegen das Bundesnaturschutz- und Tierschutzgesetz. „Das Töten geschützter Arten ist eine Straftat. Die Untere Naturschutzbehörde hat die Anzeige an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet“, berichtete die Amtsleiterin.

Hintergründe liegen im Dunkeln

Über die Hintergründe des Umweltfrevels ist bislang offenbar wenig bekannt, auch der Zeitraum ist vage. In der Strafanzeige wird das Pfingstwochenende vom 14. bis 16. Mai benannt, jedoch als Vermutung. Fakt ist: Die gefällten Bäume waren noch da, als Mitarbeiter der Umweltbehörde eintrafen. Außerdem befindet sich die betroffene Insel etwa 300 Meter vom Ufer entfernt, ist nur per Boot zu erreichen. Deshalb erscheint es eher abwegig, dass es dem oder den Tätern nicht um die Vögel, sondern um das Holz ging.

Möglicherweise ging es ganz konkret um die Kormorane. Sie sind als Fischräuber verschrien, werden vielerorts gezielt vertrieben. Die Sächsische Kormoranverordnung erlaubt der Fischereiwirtschaft gar den Abschuss – allerdings mit Einschränkungen. Unter anderem dürfen Brutkolonien vom Beginn der Eiablage bis zum Flüggewerden der Jungvögel nicht gestört werden. Hinzu kommen diverse Genehmigungs- und Dokumentations-Vorschriften. Außerdem greift das Bundesnaturschutzgesetz. Bei Verstößen drohen Freiheits- und hohe Geldstrafen.

Polizei sucht Zeugen

Die Polizei in Delitzsch, mit den Ermittlungen betraut, sucht nun Zeugen des Vorfalls oder andere Hinweise. „Wir ermitteln in verschiedene Richtungen“, bestätigte Revierleiter Klaus-Dieter Kabelitz auf Anfrage. „Eine Verdachtsrichtung ist der vorsätzliche Angriff auf die Jungvögel.“ Nicht ausgeschlossen, dass Spaziergängern an dem vielbesuchten See etwas aufgefallen ist. Allerdings herrschte zu Pfingsten recht ungemütliches Wetter und somit wenig Begängnis.

Joachim Schruth vom Naturschutzbund Sachsen reagierte entsetzt auf die Zerstörung der Kormoranhorste. Erst vor Kurzem hatte er öffentlich die Landratsamtspläne befürwortet, vor Ort ein Naturschutzgebiet einzurichten – verbunden mit schärferen Sanktionen bei Eingriffen in Flora und Fauna. Die Umweltbehörde bekommt durch den Vogelmord neue Argumente für ihr Vorhaben. Anrainerkommunen, insbesondere die Stadt Delitzsch, wehren sich allerdings dagegen, pochen auf Kompromisslösungen. Nächste Woche soll der Delitzscher Stadtrat dazu eine „Delitzscher Erklärung“ beschließen.

Von Kay Würker

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