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Delitzsch Entwickelt sich Delitzsch zur Wohnstadt für Pendler?
Region Delitzsch Entwickelt sich Delitzsch zur Wohnstadt für Pendler?
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00:18 26.02.2017
Dem Leerstand wirkt die WGD auch durch Rückbau entgegen: Der Abriss der Rudolf-Breitscheid-Straße 59-65 ist für Ende 2017 geplant. Quelle: Wolfgang Sens
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Delitzsch

Es herrscht Landflucht. Wo die Menschen aus den ländlichen Gebieten in die boomenden Städte fliehen, lassen sie leere Wohnungen zurück. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung schätzt in einer gerade veröffentlichten Erhebung für das Jahr 2015 den Wohnungsleerstand in Sachsen auf 10,1 Prozent. Das liegt über dem Bundesdurchschnitt von 4,5 Prozent. Auch diese Studie stellt ein Auseinanderklaffen von den Großstädten, in denen es immer weniger freien Wohnraum gibt, und den ländlichen Kreisen fest. Der stellvertretende Leiter des ifo-Instituts Dresden, Joachim Ragnitz, warnte in einem MDR-Interview, dass der Leerstand in Ostdeutschland sich bis 2030 fast verdoppeln könnte.

Delitzsch auf Weg zur Wachstumsstadt

Ganz so düster blickt André Planer, Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsgesellschaft Delitzsch (WGD), nicht in die Zukunft: „Eine Verdopplung des Leerstands sehen wir für Delitzsch nicht.“ Er verweist auf die 2016er empirca-Studie, die unter anderem der Verband Sächsischen Wohnungsgenossenschaften in Auftrag gegeben hatte. Auch diese stellt ein Schwarmverhalten fest, eine Abwanderung vom Land in die florierenden Großstädte. In deren Nähe gebe es aber durchaus „versteckte Perlen“ und sogar Wachstumsstädte, die sich gegen deren Sog behaupteten. Delitzsch sehe er auf dem Weg zur Wachstumsstadt. Allein die Sterbeverluste führten dazu, dass die Zuwanderung noch nicht ganz die Abwanderung aufwiege. „Weil wir so nah dran sind, glaube ich, dass es sich für kaum einen lohnt, nach Leipzig zu ziehen.“ Er könne sich auch vorstellen, dass Delitzsch zukünftig als „Wohnstadt“ für Pendler attraktiver werde. Dass sich die Stadt so entwickelt, war nicht abzusehen.

Rückbau statt Leerstand

Von ursprünglich 3600 Wohnungen in den 1990er-Jahren wurde bei der WGD bereits auf einen Bestand von 2500 Wohnungen verringert. Trotzdem gibt es auch dort Leerstand. Aktuell liegt er bei 7 Prozent. Damit er sich nicht vermehrt, plant die Genossenschaft einen weiteren Block abzureißen. Daneben setzt sie auf Nachhaltigkeit, rüstet Wohnungen altersgerecht nach. „Ein Problem aller Genossenschaften ist auch das Alter der Mieter“, sagt Anette Pittschaft von der Wohnungsbaugenossenschaft „Aufbau“ (WBG). Viele sind deutlich älter. Daher versucht auch die WBG ihre Häuser an deren Bedürfnisse anzupassen. Badewannen werden durch Duschen ersetzt oder es entstehen ebenerdige Fahrradstellplätze oder Rollatorboxen. Das ändere nicht das Problem, der Überalterung der Genossenschaft.

Flexibilität statt langfristige Bindung

Der aktuelle Leerstand liege bei etwa 15 Prozent. Die Wohnungen liegen im Delitzscher Norden und Osten meist in direkter Nachbarschaft zu den WGD-Blöcken. Zudem vermietet die WBG auch in Rackwitz. Obwohl das noch näher an Leipzig liegt, bestehe dort praktisch keine Nachfrage, sagt Pittschaft. Im Bestand der Genossenschaft sind es wie auch bei der WGD die Wohnungen im fünften Stock, die sich schlecht neu vermieten lassen, wenn kein Aufzug vorhanden ist. Selbst die Jugend sei wählerisch – weil sie es sein kann. „Es gibt noch immer zu viele Wohnungen für die Nachfrage in Delitzsch“, stellt Pittschaft fest. Zudem laufe der Zeitgeist der Genossenschaftsidee, gemeinsam bezahlbaren Wohnraum zu unterhalten, zuwider: Die Leute reisen der Arbeit hinterher und binden sich weniger an eine Wohnung. Bei der WBG denke man daher auch darüber nach, in Leipzig offensiver zu werben.

Eine multimediale Reportage zum Thema Pendler in Sachsen finden Sie hier.

Von Manuel Niemann

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