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Erinnerung an Späße und Einträge

Erinnerung an Späße und Einträge

Delitzsch. 1953 verließen rund 40 junge Menschen mit dem Abiturzeugnis in der Tasche die Delitzscher Oberschule, das heutige Christian-Gottfried-Ehrenberg-Gymnasium.

Heute leben sie in allen Teilen der Republik. Am Mittwoch kamen viele von ihnen zum 60-jährigen Abi-Treffen nach Delitzsch, besuchten ihre ehemalige Schule. Dabei wurde so manche Erinnerung wieder ausgegraben.

Erinnerung ist ein wertvolles Gut. Mit diesem Gedanken begrüßte Frank Werner, Schulleiter des Ehrenberg-Gymnasiums, die ehemaligen Pennäler an alter Wirkungsstätte. Sprach von den schönen Erinnerungen, die mit zunehmendem Alter immer weiter nach vorn rücken und von schlechten, die im Laufe der Zeit immer mehr verblassen, wobei der Schulleiter auf die schrecklichen Kriegs- und Nachkriegsjahre anspielte, in der die Generation der heute knapp 80-Jährigen aufgewachsen ist. Und er überraschte seine Gäste nicht nur mit einer Erinnerungsurkunde, sondern auch mit einem Zufall: "Genau am Mittwoch vor 60 Jahren haben Sie Ihr Mathe-Abitur geschrieben, und am heutigen Mittwoch haben das auch die Schüler des diesjährigen Abiturjahrganges getan", so der Schulleiter.

Natürlich hatte er zur Freude der Besucher deren alte Klassenbücher mitgebracht. Den Namen Wendt habe er mehrfach gefunden. "Schüler Wendt beschäftigt sich im Unterricht mit anderen Dingen", zitierte Frank Werner einen Eintrag aus dem Buch der damaligen Klasse 12b.

Und auch diesmal tanzte Eberhard Wendt aus der Reihe. Als Christine Genest sich nämlich in der Aula an den Flügel setzte, um zwei Dankeslieder für den herzlichen Empfang anzustimmen, hielt sich "Schüler Wendt" vornehm zurück. "Ich durfte schon damals nicht mitsingen, weil ich den Ton nicht halten konnte", scherzte er. Sein Talent liegt woanders, denn er ist Grafiker geworden. Weil er oft zu Unrecht beschuldigt worden sei, interessierte ihn dann aber brennend, was in den Klassenbüchern außer den Noten noch so eingetragen wurde.

Christine Genest wartete derweil mit einer kleine Episode zum alten Blüthner in der Aula auf. "Auf diesem Instrument hat 1920 schon mein Vater gespielt." Hermann Curth war seinerzeit Zeichen- und Musiklehrer an dieser Schule. Auch Dr. Reinhart Bindseils Vater Werner unterrichtete an dieser Einrichtung. "Vier Jahre hatte ich bei ihm Chemie. Und wenn die anderen über meinen Vater lachten, geriet ich immer in einen Zwiespalt", kramt Reinhart Bindseil, den alle Strippe nennen, in seinen Erinnerungen. Beruflich schaffte er es ins Auswärtige Amt, war zuletzt Botschafter in Taschkent und lebt heute in Bonn.

Hans Haschkes Interesse galt besonders einer Tür, die von der Aula ins dahinterliegende Klassenzimmer führt. Seinerzeit sei sie immer verschlossen gewesen. Die Schüler hatten sich aber einen passenden Schlüssel besorgt, um mit ihrer Biologielehrerin Schabernack zu treiben. "Wir schlichen uns in die Aula und warteten ab. Angesichts des leeren Klassenraums eilte unsere Lehrerin zum Direktor, währenddessen wir ins Klassenzimmer zurückgingen", freute sich Hans Haschke auch nach 60 Jahren noch über den Spaß.

Der Krostitzer Gerhard Hamann ist einer der wenigen des 1953er Abi-Jahrgangs, der im Altkreis Delitzsch geblieben ist. Seine Entwicklung hat etwas Besonderes, denn nach dem Abitur wurde er sofort in Krostitz als Lehrer eingesetzt. "Erst später habe ich im Fernstudium die Qualifikation dazu nachgeholt - vier Jahre in Potsdam und drei in Dresden", schildert er die Ereignisse. In Erinnerung ist ihm eine Schulzeit geblieben, die nicht so stressig war wie die heutige. "Es gab viele sportliche und kulturelle Veranstaltungen. Wir hatten einen guten Schulchor und ein Schulorchester. Regelmäßig fuhren wir ins Landestheater nach Halle und Dessau", berichtete der 78-Jährige, der mit den anderen das Treffen in geselliger Runde ausklingen ließ.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.04.2013

Thomas Steingen

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