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Erleichterung für Pilzsammler: Keine Uran-Gefahr in Delitzsch

Nach dem Fund in Eibenstock Erleichterung für Pilzsammler: Keine Uran-Gefahr in Delitzsch

Während in Eibenstock vergangene Woche ein Uran-Behälter im Wald gefunden wurde, können die Pilzsammler aus Delitzsch und Umgebung aufatmen: Es besteht keine Gefahr in Nordsachsen. Allerdings warnt Pilzexpertin Christel Moltrecht, sich vor bleihaltigen Abgasen in Acht zu nehmen.

Wahre Schätze: In der Goitzsche und der Dübener Heide lassen sich viele Pilze finden. Doch sind sie auch alle genießbar?

Quelle: dpa-Zentralbild

Delitzsch. Damit hatte Christel Moltrecht nicht gerechnet: Dass in Eibenstock ein Uran-Behälter von Pilzsammlern gefunden wird, so wie es vergangenen Donnerstag passiert war (wir berichteten). „Das ist ja eine Unverschämtheit, was dort in die Natur geworfen wird“, echauffiert sich die Pilzberaterin aus Delitzsch, die auch die Pilzsammler in Bad Düben und Eilenburg betreut.

„Uran kommt hier nicht infrage“, stellt Moltrecht klar. Es handle sich in Nordsachsen um eine Ackerbaulandschaft. Daher sei hier nicht wie in Eibenstock bis zur Wende durch DDR-Bergbau-Unternehmen Uran aus der Gebirgslandschaft abgebaut worden. Auch in den Regionen Schweta und Taura geben Pilzberater Entwarnung. Wolfgang Berger, Pilzberater aus Schweta, ist überzeugt: Auch was die Langzeitfolgen von Tschernobyl betrifft, bräuchten sich Sammler in hiesigen Wäldern keine Gedanken machen.

Keine Uran-Bestrahlung, aber Blei gefährdet

Nur vor dem Blei sollten sich die Delitzscher, Eilenburger und Bad Dübener hüten. Denn gerade in Nordsachsen gäbe es viele Straßen, die durch Wälder führten und für eine Menge giftige Abgase sorgten, die sich durch die weichen Gewebe der Pilze durchfräßen. Moltrechts Tipp daher: Erst ab einer 10-Meter-Entfernung von den Straßen die Pilzsuche beginnen.

Ein Fall mit Fliegenpilzen im Sammlerkorb ist der 80-Jährigen noch nicht unter gekommen. „Das wissen ja sogar die kleinen Kinder schon!“, sagt sie amüsiert. Nur mit Giftchampignons aus der Dübner Heide und aus der Waldkulturlandschaft an der Goitzsche seien viele schon zu ihr gekommen – oftmals nach dem Verzehr. „Manche vertragen das, anderen wird davon übel“, erzählt sie.

Christel Moltrecht ist seit 36 Jahren Pilzberaterin in Delitzsch und Umgebung

Christel Moltrecht ist seit 36 Jahren Pilzberaterin in Delitzsch und Umgebung.

Quelle: Thomas Steingen

Und Moltrecht muss es ja wissen. Sie arbeitet schon seit knapp 36 Jahren als Pilzberaterin in Delitzsch und Umgebung. Die gelernte Museologin und Biologin hat sich ihr Wissen in etlichen Weiterbildungen und jährlichen Schulungen angeeignet. Der Uran-Fall aus Eibenstock schockt sie trotz jahrelanger Praxis. „Solche Bestrahlungen können Krebs verursachen“, ist sie sicher. Sie habe das gerade nach der Wende erlebt. Da sei ein ehemaliger Schulfreund, der dort gearbeitet habe, an Speicheldrüsenkrebs gestorben.

Nach Tschernobyl klingelten „alle Telefone heiß“

Aufgrund dieses akuten Uran -Falls habe noch keiner bei ihr angerufen. Nur damals, nach der Reaktorkatastrophe Tschernobyl am 26. April 1986, klingelten bei der Delitzscher Pilzberaterin „alle Telefone heiß“. Pilzsammler wollten sich erkundigen, was sie nun beachten sollten. Befallen waren die Maronen. Die kämen hier aber selten vor. Außerdem: Nur wer 800 bis 1000 Kilo pro Woche davon verzehrt hätte, wäre an der tödlichen Dosis gestorben. Insofern, alles halb so wild.

Wie ist das Pilzjahr in Delitzsch und Umgebung? „Es läuft noch nicht so richtig an“, sagt Moltrecht. „Es ist relativ trocken. Hier halten sich noch die Ausläufer des mitteldeutschen Trockengebiets bis hin nach Laußig. Es regnet hier wenig und die Pilze brauchen doch viel Feuchtigkeit zum Wachsen“, begründet sie.

Pilzsaison 2016 läuft langsam an

Obwohl Bela Heinz aus Eilenburg mittlerweile als Pilzberater aufgehört hat und die 80-Jährige auch für seinen Bereich zuständig ist, haben sich diese Saison noch nicht so viele Sammler zur Sprechstunde bei ihr eingefunden. Nur Inhaber ergiebiger Maipilze und wabenartiger Morcheln suchten ihre Beratung auf. Vielleicht tauchen ja bald ein paar Erzgebirgler bei Moltrecht auf – weil sie vorerst nicht mehr im Uran gefährdeten Eibenstock sammeln möchten.

Von Melanie Steitz

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