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"Es ist Wahnsinn, großartig, ich kann es kaum fassen"

"Es ist Wahnsinn, großartig, ich kann es kaum fassen"

So viel Freude hat Arbeit wohl selten bereitet und verbreitet: Kevin Kerrutt wischt sich immer wieder die feuchten Augen trocken, Freundin Cindy wischt mit und auch Vater Eberhard kämpft permanent gegen die Tränen an.

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im Bild: Kevin Kerrutt hat seinen Arbeitsvertrag unterzeichnet, ist jetzt Mitarbeiter des Landratsamtes Nordsachsen. Dem Schwer-Herzkranken wurde in delitzsch ein Büro eingerichtet. Bei der Unterzeichnung des Arbeitsvertrages war neben Landrat Michael Czupalla auch Sachsens Sozialministerin Christine Clauß anwesend.

Quelle: Alexander Bley

Delitzsch. Freudentränen, denn Kevin hat am Freitag seinen Arbeitsvertrag im Landratsamt unterschrieben und zum ersten Mal an seinem Schreibtisch Platz genommen. Und das unter großer medialer Beobachtung, denn der 23-Jährige ist ein besonderer Mensch, der ständig eine Tasche umhängen hat, in der sein Kunstherz schlägt.

Im Jahr 2009 begann er seine Ausbildung zum Sozialassistenten. Ein Jahr später folgte der Schicksalsschlag. "Vermutlich war eine verschleppte Grippe der Auslöser. Jedenfalls hat man mir gesagt, dass ich ein neues Herz brauche", erzählte er. Es ging von einem Krankenhaus in das nächste. Im November 2010 folgte eine Notoperation, seitdem hat er ein Kunstherz und seitdem wartet er auf ein Spender-Organ.

Gestern strahlte der junge Mann, froh und glücklich darüber, im Landratsamt in Delitzsch eine Aufgabe gefunden zu haben: "Es ist Wahnsinn, großartig, ich kann es kaum fassen. Mir ist zu Hause die Decke auf den Kopf gefallen. Ich bin überglücklich." Denn mit der Anstellung endet ein zweiter Leidensweg. Kerrutt kommt aus Aue. Nach der Herzoperation hat er sich nicht dem Schicksal ergeben, sich weitergebildet und eine Aufgabe gesucht, diese aber lange Zeit nicht gefunden. 40 Bewerbungen - 40 Absagen. "Ich habe alles versucht, aussichtslos." Bei zahlreichen Veranstaltungen trat und tritt er als Redner auf, spricht von sich und wirbt für Organspenden. "Ich möchte vor allem junge Menschen und ihre Angehörigen erreichen. Bis ich selbst betroffen war, habe ich mir keine Gedanken über das Thema Organspende gemacht. Heute sage ich, Organspende geht jeden etwas an."

In Leipzig wurde Moderator Peter Escher auf ihn aufmerksam, beide kamen ins Gespräch. "Herr Escher hat gesagt, ich kenne da jemanden, ich versuche mal was", schildert der junge Mann den Anfang vom glücklichen Ende. Escher stieß bei seinem Freund, dem nordsächsischen Landrat Michael Czupalla (CDU), auf offene Ohren und Türen. Das war vor sechs Monaten. Seitdem wurde am Projekt Einstellung gearbeitet. Erfolgreich. "Wir haben als Gesellschaft die Verpflichtung zu helfen. Ich war vom Schicksal des jungen Mannes ergriffen und von seinem Mut und seiner aufgeschlossenen Art begeistert. Jetzt ist es unser Ziel, dass er perspektivisch im nächsten Jahr mit einer Ausbildung beginnen kann", so Czupalla.

Der neue Mitarbeiter ist inzwischen von Aue nach Bad Düben gezogen, mit Freundin Cindy Grothe (21), die in Delitzsch als Kindergärtnerin arbeiten wird. Kevin wird im Bereich Schwerbehindertenrecht eingesetzt. Unter anderem scannt er Akten und ordnet diese zu. Er darf nur knapp drei Stunden täglich arbeiten.

"Das ist so toll. Ich freue mich, Sie hier wiederzusehen", begrüßte ihn Sachsens Sozialministerin Christine Clauß (CDU). Erst kürzlich hörte sie ihm bei einem Infoabend an der Universität Leipzig zum Thema Organspende zu. "Ich war sehr berührt von dem Vortrag. Heute bin ich begeistert, was Landrat Czupalla und seine Behörde hier auf den Weg gebracht haben. Das ist so toll! Hier wurde nicht gefragt, was können sie nicht, sondern danach, was Kevin Kerrutt kann. Das ist sehr vorbildlich", war die Ministerin des Lobes voll. Zum dritten Mal will Christine Clauß den jungen Mann treffen, "wenn es bei Ihnen piepst und Sie ein neues Herz bekommen".

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.08.2014
Frank Pfütze

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