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Delitzsch Es lebe das Vergnügen
Region Delitzsch Es lebe das Vergnügen
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18:58 02.06.2013
"Vive le plaisir - Es lebe das Vergnügen", so das Motto beim Schlossfest in Delitzsch. Quelle: Alexander Prautzsch

Dort hieß es "Vive le plaisir - Es lebe das Vergnügen".

Die Besucherzahl war zur Eröffnung noch überschaubar. Und zur Freude der Veranstalter blieb es trocken, so dass Bürgermeister Thorsten Schöne (parteilos) die herzogliche Witwe Henriette Charlotte von Sachsen-Merseburg samt Hofstaat unter Führung der Alten Schweden im Barockgarten begrüßen konnte. Und der Bürgermeister hatte auch gleich eine Begründung parat, warum Petrus Delitzsch immer bei diesem Fest zörnt, schließlich war die Veranstaltung extra wegen des miesen Wetters in den zurückliegenden Jahren terminlich verschoben worden. "Es kann nur der Neid auf das Delitzscher Schloss und das Fest sein", erklärte sich Schöne die Wetterkapriolen und wünschte allen trotzdem zwei tolle Tage, damit "das Fest den Zuspruch erfährt, den es verdient". Angesichts der dunklen Regenwolken bat Haus- und Hofmeister Otto Erdmann von Dieskau (Museumsleiter Jürger Geisler) zur ersten Führung ins Schloss.

Anders als in den Vorjahren wurde diesmal nur an zwei Tagen gefeiert, wobei sich vieles im Programm auch 2013 wiederfand. Am Sonnabend stand besonders das Thema Barock im Vordergrund. Dazu durfte das Stadtoberhaupt hohen Besuch aus Dresden begrüßen, denn aus seiner Residenz war August der Starke nach Delitzsch gereist, um seiner Cousine die Aufwartung zu machen. In seinem Gefolge waren seine Gemahlin Kurfürstin Christiane Eberhardine, Sohn August III., die erste Mätresse des Königs Maria Aurora, Gräfin von Königsmarck, der erste Hofbildhauer Balthasar Permoser und der königliche Freund Zar Peter I. aus Petersburg. Verkörpert wurden die historischen Figuren von Mitgliedern der Barockbühne Dresden, die sich in dieser Form erstmals am Schlossfest beteiligen. "Ich war früher schon mal hier und bin von der Atmosphäre bei diesem Fest begeistert, deshalb sind wir der Einladung gern gefolgt. Wir wollen diese Kontakte vertiefen", so Reinhard Lauterbach, der in die Rolle des russischen Regenten geschlüpft war.

Die Beziehungen zu Delitzsch festigen wollten auch die Mitglieder des Potsdamer Rokoko-Vereins, der zum dritten Mal das Schlossfest mitgestaltete. Etwa 100 der rund 4000 überlieferten historischen Choreografien beherrschen die Potsdamer Tänzer. "Zwölf bis 15 werden wir hier zeigen", so Vereinschef Frank Ditzel. Ihr Hobby erfordert viel Leidenschaft, denn es dauere zwei bis drei Jahre, ehe man die Grundschritte beherrscht, auf die dann Choreografien aufbauen, sagte Ditzels Stellvertreterin Regina Schwarzer. Bei ihren Aufführungen war der Barocksaal gut gefüllt.

Auch Schlossherrin Henriette Charlotte war überrascht, wie viele Zuhörer sie hatte, als sie über ihre Schönheitsgeheimnisse mit den Besuchern plauderte. Da musste Haus- und Hofmeister Otto Erdmann sogar bei seiner Führung die Teilnehmer um Ruhe bitten, um seine Herrin nicht zu stören. Und auch ihre spätere Lesung "Madame sein ist ein ellendens Handwerck" ließen sich viele nicht entgehen. "Was will man mehr", sagte gestern Museumsmitarbeiterin Isabell Aurin-Miltschus, der die Rolle der Henriette Charlotte wie auf den Leib geschrieben scheint.

Gestern wurde dann Familiensonntag gefeiert - mit Spielen für Jung und Alt, Führungen und Märchenstunde. Zudem zeigten junge Instrumentalisten beim Tag der offenen Tür der Kreismusikschule wie gut sie bereits Posaune, Geige oder Gitarre beherrschen. Zudem freute sich Museumschef Jürgen Geisler über weitere Besucher aus Jeßnitz, die in barocken Kostümen mit der Postkutsche vorfuhren.

Abgeschlossen wurde das Fest am Sonntagnachmittag im Baraocksaal mit einer Neuheit, der Prämierung der schönsten historischen Kostüme. Dazu hatte sich eine Jury unters Volk gemischt. Die Sieger sehen und lesen sie in der morgigen Ausgabe.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.06.2013

Steingen, Thomas

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