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Ex-Geliebte um Geld geprellt? Delitzscher wegen Betrugs vor Amtsgericht

Strafprozess Ex-Geliebte um Geld geprellt? Delitzscher wegen Betrugs vor Amtsgericht

Der 34-Jährige Delitzscher Kerim K. steht wegen Computerbetrugs und Untreue vor dem Eilenburger Amtsgericht. Die Klärung der Fälle ist unterschiedlich weit fortgeschritten. Ein Urteil konnte bisher noch nicht verkündet werden. Der nächste Verhandlungstermin ist für Ende Oktober vorgesehen.

Haupteingang des Eilenburger Amtsgerichts. Hier werden die Fälle des Delitzschers verhandelt.

Quelle: Wolfgang Sens

EILENBURG. Ein 34-Jähriger, aus Tunesien stammender Delitzscher muss sich derzeit vor dem Amtsgericht Eilenburg in zwei Fällen verantworten. Zum einen soll er mit der Geldkarte seiner damaligen Delitzscher Lebensgefährtin und Mutter der gemeinsamen Tochter insgesamt 500 Euro abgehoben haben – ohne deren Wissen. In einem anderen Fall soll er 1300 Euro einer Leipzigerin und ebenfalls ehemaligen Lebensgefährtin veruntreut haben. Beide Fälle werden gemeinsam verhandelt. Der Angeklagte Kerim K. (Name geändert) streitet die Vorwürfe ab, gab sogar zu Protokoll, er würde von den zwei Frauen grundlos beschuldigt werden. Der Prozess begann bereits Ende August, musste aber aufgrund unklarer Beweislage unterbrochen werden. Vor allem im Fall der Untreue wurden bisher keine eindeutigen Beweise gegen ihn vorgelegt. Nun wurde das Gerichtsverfahren fortgesetzt. Wie schon am Termin zuvor war ein Dolmetscher für den Beschuldigten anwesend.

Lebensgefährtin entlastet Angeklagten

Der Tatbestand der unbefugten Verwendung von Daten, wie sie beispielsweise bei EC-Karten auftreten kann und im Strafgesetzbuch unter Computerbetrug fällt, konnte dem Angeklagten während der Verhandlung nicht nachgewiesen werden. Seine damalige Lebensgefährtin und Mutter der Tochter entlastete ihn sogar. Beide sagten aus, dass sie ihre Geldkarten offen miteinander tauschten und auch die Pin des jeweils anderen gekannt haben. Kerim K. äußerte dazu: „Ich helfe ihr und sie hilft mir.“ Nach Angaben der als Zeugin geladenen damaligen Lebensgefährtin wohnte sie mit Kerim K. und der gemeinsamen Tochter zum Tatzeitpunkt zusammen. Sie erstattete nur Anzeige, um ein weiteres Geldabheben zu verhindern, nahm anschließend den Strafantrag aber zurück. Nur weil die Kripo die Tat weiter verfolgte, sei es überhaupt zum Gerichtstermin gekommen. Beide hätten die Angelegenheit untereinander geklärt und seien gerade auch zusammen zur Verhandlung gefahren.

Geldübergabe auf dem Bahnhof?

Richter Ruben Franzen prüfte daraufhin den Tatbestand des Haus- und Familiendiebstahls. Für ein Urteil musste aber noch der zweite Anklagepunkt verhandelt werden. In diesem zweiten Sachverhalt waren sich die beteiligten Parteien nicht mehr so einig. Der Angeklagte Kerim K. hatte im Auftrag seiner damaligen, in Leipzig lebenden tunesischen Freundin Möbel im Wert von 1300 Euro kaufen sollen, verwendete das Geld aber für sich, so die Anklageschrift. Der Beschuldigte stellte den Sachverhalt infrage: „Warum sollte sie mir 1300 Euro geben? Ich bin kein Möbelhändler und habe keine Möbel. So jemanden gibt man doch keine 1300 Euro.“ Außerdem zweifelte er den Übergabeort an. Laut Anklage geschah diese am Leipziger Hauptbahnhof. Kerim K. verwies darauf, dass dies kein besonders guter Ort für eine Geldübergabe sei. Diese hätte dann bei einem der beiden zu Hause stattgefunden. Außerdem gäbe es dafür keine Zeugen. Der Beschuldigte mutmaßte, dass es seiner ehemaligen Freundin nur um eine Aufenthaltserlaubnis ging. Dafür soll sie ein Kind mit ihm gewollt haben. Als sie merkte, dass er ihr dabei nicht helfen wolle, habe die Zeugin versucht, ihn unter Druck zu setzen.

Die Tunesierin sagte dazu aus: „Er war mein Freund und ich vertraute ihm.“ Allgemein vertraue sie Menschen zu schnell und es sei nicht das erste Mal gewesen, dass man sie abgezockt habe. Nach Erhalt der Aufenthaltsgenehmigung Anfang September 2015 habe sie sich eine eigene Wohnung in Leipzig gesucht, um aus dem Frauenhaus, in dem sie bis dahin lebte, ausziehen zu können. „Ich war ganz allein mit meinem acht Monate alten Sohn und habe Kerim K. gebeten, mir zu helfen.“ Dieser soll ihr daraufhin zugesichert haben, einige Leute in Delitzsch zu kennen, die günstige Möbel verkaufen und auch einen Transporter hätten. Nachdem sie ihm die 1300 Euro aushändigte, habe er sich nicht mehr gemeldet, auf SMS und Anrufe nicht reagiert.

Streit eskaliert vor Gericht

Die SMS hatte die Zeugin bei sich. Um diese dem Gericht vorzeigen zu können, wurde die letzte Verhandlung unterbrochen. Der Dolmetscher sollte die auf arabisch verfassten Textnachrichten für das Gericht übersetzen, hatte dabei allerdings größte Mühe: Die Nachrichten waren nicht nur sehr umgangssprachlich formuliert, auch waren sich Zeugin und Angeklagter äußerst uneins darüber, was die Tunesierin nun wirklich geschrieben hatte und was der Dolmetscher verlas. Um dies zu klären, gerieten beide Parteien in ein lautstarkes Streitgespräch, das der Richter nur mithilfe des Beschuldigten-Anwalts Wolfgang Haag unterbinden konnte. Während die Zeugin in den ersten beiden der insgesamt drei SMS noch recht bittend schrieb, drohte sie Kerim K. in der letzten Textnachricht mit einer Anzeige.

Gericht fordert Nachweis

Als sich beide im Oktober 2015 zufällig am Hauptbahnhof in Leipzig trafen, habe Kerim K. der Zeugin gegenüber angegeben, das Geld verloren zu haben beziehungsweise sei es ihm gestohlen worden. Genau könne sich die Zeugin nicht mehr erinnern. „Das Gespräch ist ein Jahr her und er hat mir alles mögliche versucht zu erzählen.“ Die Anzeige habe sie zu diesem Zeitpunkt bereits gestellt gehabt. Das Geld habe sich die Tunesierin von einer Freundin ihrer in Köln lebenden Mutter in bar geliehen, da das Sozialamt ihren Antrag zu diesem Zeitpunkt noch nicht genehmigt hatte und sie dringend Geld brauchte. „Nach Erhalt der Sozialhilfe habe ich die 1300 Euro der Bekannten meiner Mutter umgehend wieder in bar zurückgezahlt“, so die Zeugin. Beide Male sei sie dafür für wenige Tage nach Köln gefahren, habe aber keinen Beleg für das Geld erhalten.

Richter Ruben Franzen konnte anhand der beiden gegensätzlichen Aussagen kein Urteil fällen. „Ich brauche etwas Objektives, das nachweist, dass sie das Geld von der Bekannten ihrer Mutter erhalten haben.“ Die Zeugin will jetzt einen Beleg erbringen, könne aber nicht versprechen, dass dies gelinge. Der nächste Verhandlungstermin ist für den 24. Oktober angesetzt.

Von Mathias Schönknecht

EILENBURG, Walther-Rathenau-Straße 9 51.4597557 12.617702
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